Sport in Tirol

Tirols Rugby-Nomaden schielen auf erneuten Aufstieg

Durch den klaren 75:5-Sieg auf der Fennerkaserne gegen den TC Kempten gelang dem Rugbyclub Innsbruck mit dem Engländer Jack Quirke (blau-rot) in der Regionalliga Bayern ein meisterlicher Saisonabschluss.
© Trojer

Die Heimatlosigkeit drückt beim RC Innsbruck weiter auf das Gemüt. Nach dem Regionalliga-Titel lockt dafür die zweite deutsche Bundesliga.

Von Daniel Lenninger

Innsbruck – Innrain 14. Schenkt man dem auf der Vereinshomepage verankerten Impressum Glauben, lautet so die Adresse des Rugbyclubs Innsbruck. Der Schein trügt aber: Diese Anschrift ist einem Vereinsverantwortlichen zuzuordnen – der Club selbst ist heimatlos. Wie bitte? „Wir haben einen kleinen Raum im Tivoli-Stadion, in dem wir unsere Trainingsutensilien verstauen können“, zuckte diesbezüglich auch Spieler und Vorstandsmitglied Thomas Millen mit den Achseln.

Den Umstand, dass die Kategorie Randsportart in heimischen Gefilden fast ein Kompliment für den Kampf um das begehrte Ei darstellt, bekommen Tirols einzige Rugby-Vertreter beinhart zu spüren. Trainieren darf die Truppe von Coach Gerwyn Williams, darunter knapp 30 Tiroler, zwar regelmäßig am Kunstrasen der Wiesengasse. Für die Heimspiele mimt der in der Regionalliga Bayern spielende Club aber ein Nomadendasein – das American Football Zentrum oder die Fennerkaserne stellten zuletzt Optionen dar. „Bei der Stadt Innsbruck sind wirklich alle sehr hilfsbereit“, schickte Obmann Jeremie Dejean de la Batie voraus. „Aber wir treten dennoch ständig als Bittsteller auf. Am liebsten würden wir uns einen Platz mit einem Fußballverein teilen.“ Im Wissen, dass das Begehren nach einem eigenen Vereinszentrum unrealistisch erscheint.

Die Heimatlosigkeit drückt zwar auf das Gemüt, schützt aber nicht vor Erfolg. Erst kürzlich konnte man – pünktlich zum 25-Jahr-Vereinsjubiläum – mit dem Titel in der Regionalliga Bayern den größten Erfolg in der Vereinsgeschichte feiern. Dabei war man erst in der Vorsaison aus der Verbandsliga aufgestiegen. Die nächste Leistungsstufe wäre die 2. deutsche Bundesliga. Vor dem angepeilten Aufstieg türmen sich noch zwei Hürden auf: Zum einen das Play-off-Duell mit Freiburg im Juli – und damit zu einem ungünstigen Zeitpunkt. De la Batie: „Wir können nicht erwarten, dass zu diesem Zeitpunkt alle Spieler in Innsbruck weilen.“ Neben Urlaubern bezieht sich diese Aussage auch auf die zum Erfolg beitragenden Erasmus-Studenten. Ausstehend sind zudem noch Gespräche mit dem Österreichischen Rugby-Verband, der die Freigabe für die neue Spielklasse erteilen müsste. Die künftige Liga erscheint also ebenso unsicher wie der nächste Heimspielort.