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„Ms. Marvel“: Selbstfindung mit Superkräften

Iman Vellani (mit Matt Lintz als Bruno) wird als Kamala Khan auch im Kinofilm „The Marvels“ zu sehen sein, der im Juli 2023 starten soll.
© Disney

In der neuen Marvel-Serie wird eine muslimische Teenagerin vom Fan zur Superheldin.

Innsbruck – Das Leben kann abenteuerlich sein, aber ein Comic ist es meistens nicht. Da nützt auch der beste Plan wenig. Und den hat Kamala Khan. Ihre Eltern haben ihr einen Ausflug zu einem Superhelden-Fantreffen verboten. Hin will die 16-Jährige trotzdem. Ihrem besten Freund Bruno erklärt sie, wie sie ausbüxen will. Sehr umständlich, sehr kompliziert, ziemlich spektakulär – aber leicht zusammenzufassen: „Wir nehmen den Bus.“ Und selbst das geht gehörig schief. Allerdings ist Kamala Khans Leben eben doch ein Superhelden-Comic, aber das weiß Kamala noch nicht. Noch ist sie ein jugendlicher Fan der großen Marvel-Helden. Vor allem Captain Marvel hat es ihr angetan. Auf YouTube teilt sie ihre Erkenntnisse über die gottgleiche Weltenretterin, beim Fantreffen will sie im selbstgenähten Captain-Kostüm beeindrucken. Da rühren sich ihre eigenen Superkräfte. Oder genauer: Kräfte, die von einem alten Artefakt auf sie übergegangen sind.

🎬 Trailer | Ms. Marvel

Die neue Marvel-Serie „Ms. Marvel“ erzählt – zumindest in den ersten zwei Folgen – eine fast schon klassische HeldInnen-Herkunftsgeschichte. Und doch ist alles ein bisschen anders. Das war schon in den Comics, die seit 2012 erscheinen, so: Kamala Khan, ein US-amerikanischer Teenager mit pakistanischer Migrationsgeschichte, ist als Ms. Marvel die erste muslimische Marvel-Heroin – und für den Comicverlag ein Sensationserfolg. Natürlich war der notwendige Schritt in Richtung Diversität auch der Versuch, die eigene Zielgruppe um ein neues Segment zu erweitern. Noch vor wenigen Jahren – da waren Marvel-Comics und das daraus erwachsene „Cinematic Universe“ schon lange eine globale Großunternehmung – waren die großen Helden zwar sehr super, aber eben auch auffallend männlich und ziemlich weiß.

Diversifizierung hat sich auch Marvel-Besitzer Disney für seinen konzerneigenen Streamingdienst vorgenommen: Schließlich gilt es, mit möglichst breitem Angebot möglichst viele Menschen zu einem Abo zu bewegen. Und da kommt „Ms. Marvel“ gerade recht: eine Heranwachsenden-Serie über Schulhofmobbing und Selbstfindung, strenge Eltern und erste Lieben – aber mit Superkräften und beim Besuch in der Moschee eben mit Kopftuch und klugen Gags darüber, dass die besten Plätze im Gebetshaus den Männern vorbehalten bleiben. Schon der bisweilen überdrehte, aber nie bummelwitzige Humor macht die „Ms. Marvel“ sehenswert. Die Hauptdarstellerin Iman Vellani macht sie zum Ereignis. Sechs Folgen wird die Miniserie haben. Dann soll Schluss sein. Vorbei ist es dann für Kamala Khan nicht: Mit „The Marvels“ steht schon 2023 ihr erstes Kinoabenteuer an – an der Seite ihres Idols, der von Brie Larson gespielten Captain Marvel. (jole)