Bischofshaus Innsbruck: Mit Botschaften subtil aufgeladene Fassade
Innsbruck – Mit seiner „Sparfassade“ aus den 1960er-Jahren hatte das diözesane Bischofshaus mehr als ein halbes Jahrhundert kein „Gesicht“, das eines Hauses wie diesem würdig war, so Landeskonservator Walter Hauser. Ganz im Gegensatz zu seinem neuen, das sich in Sachen Farbigkeit und Haptik zwar stimmig in das heterogene Ensemble, das den Domplatz einrahmt, einfügt, durch den Eingriff des in Wien lebenden Tiroler Konzeptkünstlers Martin Walde aber zu mehr als „nur“ einer neuen Fassade wird.
Nämlich zu einem über die gesamte Fassade ausgebreiteten Statement, das auf einen ersten Blick vielleicht irritiert, zu Fragen anregt über das 1.1.0, das Walde als ikonografische Botschaft auf die Fassade „geschrieben“ hat. (Eine Tafel, die das Motiv erklärt, soll demnächst noch angebracht werden.) Die Chancen, sich als Kunstwerk in das Bewusstsein der Menschen einzugraben, schätzt Hauser als sehr gut ein, „wissen werden wir das allerdings erst in 30 Jahren“.
Eine grundlegende Sanierung der Fassade des Bischofshauses war längst überfällig. Der Sockel hatte markante Schäden, die Räume im Erdgeschoß waren feucht, Fenster und Fassade gehörten dringend energetisch saniert. Und Innsbrucks bekanntlich kunstsinniger Diözesanbischof Hermann Glettler wäre nicht er, hätte er aus der Not nicht eine Tugend gemacht, um das technisch Notwendige mit Kunst von heute aufzuladen.
Mit Martin Walde fiel seine Wahl auf einen Künstler, den er seit Langem als klugen und hintergründigen Zeichensetzer überaus schätze, so Glettler. Um ihn vor vier Jahren damit zu beauftragen, sich Gedanken über eine mögliche „Kunst am Bau“ „seines“ Hauses zu machen. Das Motiv 1.1.0 sei für ihn von allem Anfang an festgestanden, sagt Walde. Es symbolisiert das Datum der Geburt Christi genauso wie das fiktive Geburtsdatum, das Geflüchteten ohne gültige Papiere gegeben wird. Die Zahlen sind aber auch eine Reverenz an das in seinem Kern mittelalterliche Gebäude, das, lange bevor es 1964 zum Bischofssitz geworden ist, Innsbrucks erste Grund- bzw. Lateinschule war.
Hermann Glettler hat Martin Walde jede künstlerische Freiheit gelassen, mitgeredet an dem Prozess des Werdens der neuen Fassade haben allerdings viele. Der Stadt- und Ortsbildschutzbeirat genauso wie der Gestaltungsbeirat und das Denkmalamt. Weshalb die Zahlen nun nicht, wie von Walde ursprünglich angedacht, in einem kräftigen Rot, sondern ganz hellen Grau vor einem dunkler grauen Hintergrund stehen. Umgesetzt in der traditionellen Technik des Sgraffito, spielend mit unterschiedlichen Haptiken, indem der Sockel grob gekörnt ist, die Ziffern dagegen ganz glatt, der Hintergrund gekratzt und die Fensterumrahmungen gewaschen sind. Raffiniert zelebriert als Puzzle unterschiedlich hoch bzw. tief liegender Putzschichten, was die Fassade subtil plastisch durchpulst daherkommen lässt.
Die Sanierung der Fassade wurde aus diözesanen Mitteln finanziert, das Honorar für Martin Walde hat ein privater Sponsor übernommen. (schlo)
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