„Stories from the Sea“: Angekommen am Sehnsuchtsort
Die Doku „Stories from the Sea“ nähert sich der Faszination Meer aus unterschiedlichen Perspektiven.
Innsbruck – Das Mittelmeer ist sommerlicher Ausspann- und Sehnsuchtsort für zig Millionen, für viele Menschen ist es dagegen schlicht ihr Arbeitsplatz. Wie für Jessica, eine junge Deutsche, die eine Lehre an Bord eines Containerschiffs absolviert – als Exotin in einer Arbeitswelt, die rau ist, von Männern dominiert. In der von Jola Wieczorek gestalteten Doku „Stories from the Sea“ blicken wir Jessica in Phasen ihres Arbeitsalltags über die Schulter. Überall an Bord packt sie mit an. Auf der Brücke gibt es Unterricht in den Grundzügen der Nautik. Abends stimmt sie mit ein in den inbrünstigen Karaoke-Gesang der großteils von den Philippinen stammenden Seemänner.
Was für einen Kontrast bietet da das hedonistische Treiben an Bord eines Luxus-Kreuzfahrtschiffs mit rund um die Uhr geöffneten Restaurants und Bars, einer Beauty-Farm mit bestem Blick auf das Meer, mit Bespaßung und Animation ohne Unterlass. Da wird selbst ein Schnellsiedekurs im Serviettenfalten zum Event hochgepusht. Wem’s gefällt ...
An Bord des Traumschiffs „Costa Diadema“ heftet sich die Doku-Kamera unaufdringlich und unkommentiert auf die Fersen von Amparo, einer verwitweten Spanierin, die sich alleine auf Kreuzfahrt begibt. Mit ihrer aufgeweckten, redseligen Art findet sie rasch Anschluss an Mitreisende. Und dennoch: Wenn sich die lebensfrohe Dame allein durch die endlosen Gänge dieses schwimmenden Grandhotels bewegt, hat das etwas zutiefst Einsames, Trauriges.
Regisseurin zu Gast
Zum Start von „Stories from the Sea“ ist heute Samstag Regisseurin Jola Wieczorek in Innsbruck: Leokino, 20 Uhr.
Die dritte „Story from the Sea“ erzählt von einer Multi-Kulti-Segelpartie: junge Erwachsene aus vieler Herren Länder, die an Bord zweier Segelboote unter fachkundiger Anleitung ohne fixes Ziel über das Mittelmeer schippern. Gespräche über Gott und die Welt umrahmen die bemühten Versuche, die Basics des Segelhandwerks zu erlernen. Jeder Mitreisende weiß Anekdoten beizusteuern, oft sind es Berichte von Vertreibung und Angst.
Das Meer vermittelt ein Gefühl der Offenheit und Freiheit, auch der Endlosigkeit. Das sind Gründe, warum man sich seiner Faszination nicht entziehen kann. (mark)
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