Neues Grünes Spitzenduo für Stabilität und gegen vorgezogene Wahlen
Mit Ecken und Kanten wahlkämpfen, aber Stabilität und Verlässlichkeit in der schwarz-grünen Koalition garantieren. Das verspricht das neue grüne Spitzenduo Gebi Mair und Petra Wohlfahrtstätter.
Von Peter Nindler
Kufstein – Plötzlich ging es schneller als geplant. Der nach der Landtagswahl aus der Landespolitik ausscheidenden Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe war es vorbehalten, das Ergebnis der parteiinternen Vorwahl zu verkünden. Gebi Mair und die stellvertretende Landessprecherin Petra Wohlfahrtstätter hatten es offenbar geschafft, auch im mitgliederstarken Unterland zu punkten. 159 von 284 gültigen Stimmen und damit 56 Prozent entfielen auf sie, Soziallandesrätin Gabriele Fischer und der Landtagsabgeordnete Georg Kaltschmid erhielten 125 Stimmen oder 44 Prozent. Damit führen Mair und Wohlfahrtstätter die Grünen in die Landtagswahl.
Fischer, die es abgelehnt hatte, gemeinsam mit Mair zu kandidieren, sah man die Enttäuschung sichtlich an. „Ich werde sicher bis zum Ende der Regierungsperiode im Amt bleiben, ob ich wieder kandidiere, das kann ich jetzt noch nicht sagen. Darüber werde ich erst in den nächsten Tagen und Wochen Gespräche führen.“ Zuletzt galt sie intern als leichte Favoritin, mit Mair – obwohl erst 38 Jahre alt – setzen die Grünen auf einen ihrer erfahrensten Politiker und Wahlkämpfer.
Mair: „Haltung statt altes Denken“
Gebi Mair hat allerdings nicht nur Freunde, bewusst ließ er deshalb Wohlfahrtstätter den Vortritt. Die 53-jährige Trinserin betonte, obwohl „nur ein Team gewinnen konnte, haben wir als Partei immens gewonnen. Wir haben gezeigt, dass in der Politik ein fairer Dialog und Wettbewerb der besten Ideen möglich sind, und damit ein positives Gegenbild zur Inszenierung und Polit-Folklore der anderen Parteien aufgezeigt.“ Die Grünen seien eine Bewegung, in der es vor Lebendigkeit sprühe.
📽️ Video | Mair zum Spitzenkandidaten gekürt
Das versuchte auch Mair zu vermitteln, der in einer emotionalen Rede allerdings bereits deutlich die Wahlkampflinie des neuen grünen Spitzenduos skizzierte. Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Energiewende auch mit Windkraft in Tirol, eine Wahlkampfkostenobergrenze, transparente Parteifinanzen, ein neues Schutzgebiet vor der Wahl und „Haltung statt altes Denken“ seien unbedingt notwendig. An den Koalitionspartner ÖVP gerichtet sagte Mair, dass man sich auf die Grünen verlassen könne. „Es ist Zeit für Stabilität und Verlässlichkeit. Wir sind gewählt für die volle Legislaturperiode.“
Tosender Beifall für Felipe
Am Ende des Vorwahlprozesses gab es zufriedene Gesichter bei den Grünen. Auch das grüne Urgestein Joe Bertsch aus Thaur, der sich Gabriele Fischer und Georg Kaltschmid gewünscht hätte, meinte, „dass es passt. Jetzt wollen wir einen guten Wahlkampf machen.“
Tosenden Beifall erhielt Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe. Damit dankte die Partei ihrer jahrelangen Frontfrau für ihre Arbeit, aber auch für den Übergabeprozess. Dass alles so gut funktioniert habe, ist für Felipe ein klares Signal. „Wir leben Demokratie und haben demokratische Prozesse noch demokratischer gemacht.“ Mair/Wohlfartstätter seien ein ausgezeichnetes Spitzenduo.
Ganz begeistert war auch Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi. „Gebi Mair hat bereits klar unser Wahlprogramm aufgezeigt: Energiewende. Das muss unser Ziel sein.“ Für Willi gibt es aber nicht nur ein Spitzenduo, „sondern wir Grüne sind breit aufgestellt“. Zugleich hofft er, dass Soziallandesrätin Gabriele Fischer neuerlich kandidiert.
Der Wahlkampf ist eröffnet
Anfang der kommenden Woche wird es zwischen den Regierungsparteien ein Gespräch geben, auch um jüngste Konflikte wie die von den Grünen forcierte Temporeduktion zu klären und den Rahmen der Verhandlungen für eine Wahlkampfkostenobergrenze abzustecken. Klubchef Jakob Wolf meinte in einer ersten Reaktion auf die Wahl Mairs, dass sich die Grünen für Erfahrung entschieden hätten.
Steckbrief
Petra Wohlfahrtstätter: Das neue Gesicht der Grünen ist gar nicht mehr so neu. Die 53-jährige Sozial- und Gesundheitsexpertin, die mit ihrem Partner in Trins lebt und eine erwachsene Tochter hat, ist Landessprecherin der Grünen und war Gemeinderätin in Trins.
Die FPÖ wiederum macht eine „Linkswende“ in der Ökopartei aus. Parteichef Markus Abwerzger gratuliert zwar dem grünen Spitzenkandidaten, aber: „Nun ist der Weg frei für rasche Neuwahlen, denn die Grünen haben in der Regierung nichts verloren, höchstens auf der Oppositionsbank“, hält Abwerzger fest, der die Regierung nicht mehr für handlungsfähig hält.
Der Wahlkampf ist also eröffnet, zuletzt wurden deshalb im ÖVP-Wirtschafts- und Bauernbund die Stimmen für vorgezogene Neuwahlen immer lauter.
Erste Herausforderung für Mair und Wohlfahrtstätter wird das grüne Wahlprogramm sein und dann die KandidatInnenliste für die Landtagswahl.
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