Nations League

Dämpfer für das ÖFB-Team: Erneute Niederlage gegen Dänemark

ÖFB-Verteidiger Gernot Trauner (r.) hatte gegen den Dänen Nicolai Boilesen das Nachsehen.
© GEPA pictures/ Johannes Friedl

Nach der 1:2-Heimniederlage vor einer Woche mussten sich die Österreicher in Kopenhagen Dänemark mit 0:2 geschlagen geben. Das ÖFB-Team kämpft im Herbst um den Nations-League-Klassenerhalt.

Kopenhagen - Österreichs Fußball-Nationalteam ist am Montagabend von Dänemark entzaubert worden. Die Auswahl von Neo-Teamchef Ralf Rangnick musste sich in Kopenhagen mit 0:2 (0:2) geschlagen geben. Die Tore erzielten Jonas Wind (21.) und Andreas Skov Olsen (37.). Die Österreicher müssen nun im Herbst um den Klassenerhalt in Liga A der Nations League kämpfen. In der Tabelle liegt man nach vier Punkten aus vier Spielen unter Rangnick zwei Zähler vor Weltmeister Frankreich auf Rang drei.

Rangnick nahm nicht zuletzt aus Belastungsgründen sechs Änderungen an seiner Startformation vor. Das Tor hütete wie am Vortag angekündigt Heinz Lindner statt Patrick Pentz. Dazu rückten unter anderem Länderspiel-Debütant Patrick Wimmer und Stürmer Sasa Kalajdzic ins Team. Als Linksverteidiger agierte Rechtsfuß Valentino Lazaro. "Wir haben nicht so viele Möglichkeiten auf dieser Position", argumentierte Rangnick. Xaver Schlager bestritt als einziger Österreicher auch das vierte Länderspiel innerhalb von elf Tagen von Beginn an, sein Dauerläufer-Kollege Konrad Laimer ersetzte ihn zur Pause.

Weil David Alaba wegen Adduktorenproblemen nur die Rolle des Anfeuerers und Marko Arnautovic jene als "Joker" blieb, führte Marcel Sabitzer das ÖFB-Team vor 35.230 Zuschauern im Parken-Stadion - rund 100 davon waren im Auswärtslager - als Kapitän aufs Feld. Bei den Dänen saß Christian Eriksen an jenem Ort, an dem er genau ein Jahr und einen Tag zuvor im EM-Spiel gegen Finnland (0:1) einen Herzstillstand erlitten hatte und auf dem Spielfeld zusammengebrochen war, vorerst ebenfalls auf der Ersatzbank.

Die Österreicher starteten couragiert. Wimmer tauchte nach 16 Sekunden bereits erstmals vor Dänemark-Keeper Kasper Schmeichel auf. Einen Schuss von Sabitzer (7.) parierte Schmeichel ebenso wie einen Kalajdzic-Versuch aus spitzem Winkel (12.). Ansonsten waren Kalajdzic und Sturmkollege Weimann aber abgemeldet, die Dänen übernahmen bei einsetzendem Regen zusehends das Kommando, wirkten nicht nur spielerisch, sondern auch physisch überlegen.

Mathias Jensen prüfte Lindner mit einem Aufsitzer (14.), Andreas Cornelius zielte per Kopf (5.) und Fuß (16.) zu ungenau. Ein Kopfball von Joakim Maehle aus guter Position ging ebenfalls daneben (20.), eine Minute später fiel aber der sich abzeichnende Treffer: Ein Diagonalball von Joachim Andersen öffnete die gesamte ÖFB-Offensive, Maehle bediente Wind, der am Fünfereck überlegt abschloss.

Nations-League - Liga A, Gruppe 1, 4. Runde:

Dänemark - Österreich 2:0 (2:0)

Kopenhagen, Parken-Stadion, 35.230, SR Hernández (ESP)

Tore: 1:0 (21.) Wind, 2:0 (37.) Skov Olsen

Dänemark: Schmeichel - Andersen (62. Nelsson), Christensen, Boilesen - Kristensen, Höjbjerg, Jensen (76. Eriksen), Maehle (50. Stryger Larsen) - Skov Olsen (46. Billing), Cornelius (46. Braithwaite), Wind

Österreich: Lindner - Trimmel, Danso, Trauner, Lazaro (46. Lainer) - P. Wimmer (46. Onisiwo), X. Schlager (46. Laimer), N. Seiwald, M. Sabitzer - Kalajdzic (65. Arnautovic), Weimann (65. Gregoritsch)

Wind bzw. P. Wimmer, Danso

Wind war auch am zweiten Tor entscheidend beteiligt. Von Cornelius eingesetzt fand der Wolfsburg-Stürmer Skov Olsen. Der Österreich-Spezialist, der schon beim 4:0-Kantersieg im Vorjahr in der WM-Qualifikation in Wien zweimal getroffen hatte, ließ sich die Chance nicht nehmen. Kevin Danso hatte zuvor nicht zielführend aus der Innenverteidigung attackiert.

Die Österreicher wirkten nach der langen Saison etwas müde. Lazaro tat sich in seiner ungewohnten Rolle sichtlich schwer, blieb zur Pause wie auch der bemühte Wimmer in der Kabine. Rangnick stellte mit den Einwechslungen von Laimer, Stefan Lainer und Karim Onisiwo von einer Vierer- auf eine Dreierabwehrkette um. Als Flügelverteidiger agierten Lainer und Weimann bzw. später Sabitzer. Durchkommen gab es weiterhin wenig, ein Kalajdzic-Schuss aus Abseitsposition ging über das Tor (60.).

Für Kalajdzic und Weimann kamen Arnautovic und Michael Gregoritsch als neue Stürmer (66.), Stimmung kam aber vor allem bei der Einwechslung von Eriksen eine Viertelstunde vor Schluss auf - ein Gänsehautmoment. Der dänische Mittelfeldstar traf wie eine Woche zuvor beim 2:1-Erfolg des EM-Semifinalisten in Wien noch die Stange (87.). Die Österreicher blieben ohne Großchance. Ein Gregoritsch-Versuch fiel zu harmlos aus (77.).

Die ÖFB-Auswahl verlor auch das sechste Pflichtspiel-Duell ihrer Geschichte mit Dänemark. Die nächsten Länderspiele der Österreicher stehen erst in der zweiten September-Hälfte auf dem Programm. Dann wird die Nations League mit einem Gastspiel in Frankreich (22.) und einer Heimpartie gegen Kroatien (25.) abgeschlossen. Dänemark geht als Spitzenreiter mit neun Punkten vor Kroatien (7) in den Herbst. Der Gruppenletzte muss absteigen. Der Klassenerhalt in Europas Elite ist das erklärte ÖFB-Ziel. (APA)

Reaktionen zum Nations-League-Spiel Dänemark - Österreich

Gernot Trauner (ÖFB-Verteidiger): "Bei den Gegentoren waren wir eine Spur zu naiv. Wir laufen zweimal in einen Gegenangriff, das war ein bisschen zu billig. Ich denke, da müssen wir uns an die eigene Nase fassen. Es hat jeder alles rausgehaut, bis zum Schluss gekämpft. Der Anschlusstreffer ist leider nicht gelungen. Wenn man selber in Ballbesitz ist und hinten rausspielt, kann es nicht sein, dass sie einen langen Ball spielen und der fünf Sekunden später aufs Tor schießt. Da hätte man vielleicht früher rausrücken müssen, besser auf den zweiten Ball vorbereitet sein müssen. Das haben wir in der Situation schlecht gemacht. Das war zwei, drei Mal in der ersten Hälfte der Fall, sonst war es eigentlich ganz ordentlich."

Xaver Schlager (ÖFB-Mittelfeldspieler): "Sie waren klar besser als wir. Das ist ein Spiel, von dem man viel lernen kann und nächstes Mal versucht, es besser zu machen. Sie haben gegen uns sechs Punkte geholt, von denen ich sage, drei waren klar verdient. Die anderen drei, weiß ich nicht. Sie haben extremst riskiert und die Zweikämpfe gewonnen. Sie haben aggressiv gepresst, teilweise in Kauf genommen, dass sie hinten in Unterzahl waren. Sie haben die Zweikämpfe gewonnen, da sind wir nicht ins Spiel gekommen. Sie haben brutale Körperlichkeit ins Spiel gebracht, super umgeschaltet und dann die Tore gemacht. Die haben auch vier Spiele gehabt. Bei ihnen sind einfach die 50:50-Situationen aufgegangen."