Viel Wind um die große Flaute im Westen: Tirol wehrt sich gegen Kritik vom Bund
Klimaschutzministerin Leonore Gewessler will die UVP-Verfahren beim Bau von Windanlagen beschleunigen. Tirol wehrt sich gegen Kritik.
Von Anna Haselwanter
Innsbruck, Wien – 733 Anlagen stehen in Niederösterreich, im Burgenland sind es 427 und in der Steiermark 104 – dann wird es schon relativ dünn in Sachen Windkraft. In Oberösterreich gibt es noch 30 Windräder, in Kärnten aktuell zwei, bald zwölf (zehn werden gerade gebaut) – und in Salzburg, Tirol und Vorarlberg sind es: null. Flaute statt Aufwind im Westen. Dabei will die Bundesregierung bis 2030 den österreichischen Strombedarf vollständig aus erneuerbaren Energien decken – dafür müsste Strom aus Windkraft aber fast verdreifacht werden. Das Klimaschutzministerium will deshalb die Verfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) beim Bau von Windkraftanlagen beschleunigen, kündigte Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) gestern an. Künftig sollen Anlagen in Bundesländern ohne Energieraumplanung – etwa Tirol – auch ohne Widmung gebaut werden dürfen, es soll weniger Doppelprüfungen in den Verfahren geben und der Energiewende soll ein besonders großes öffentliches Interesse gesetzlich zugeschrieben werden. Das Burgenland, Niederösterreich und die Steiermark seien die Bundesländer, die bereits jetzt eine Energieraumplanung haben – sie teilen sich laut Daten der IG Windkraft mit 95 Prozent den Löwenanteil der Stromerzeugung durch Wind. Dabei „hat auch das Burgenland ein Landschaftsbild“, fand Gewessler gestern deutliche Worte. Ihr fehle deshalb jedes Verständnis dafür, zu sagen: „Ich bin zwar bereit, für einen Skilift einen Berggipfel wegzusprengen, aber die Infrastruktur für Windenergie stört das Landschaftsbild.“
Das will man in Tirol so freilich nicht auf sich sitzen lassen: Der Vorschlag der Ministerin bringe „keine Beschleunigung“, erklärte der dafür zuständige Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Man sei in Tirol weiter. Denn für Stromerzeugungsanlagen mit einer Engpassleistung von mehr als 250 kW und Wasserkraftanlagen „besteht in Tirol generell keine Widmungspflicht“. Dass sich hierzulande also bislang kein Windrad dreht, „liegt an den ungünstigen Standortbedingungen im Hochgebirge, nicht am Genehmigungsverfahren oder der Behörde“. Das Land habe das Potenzial für Windkraft erheben lassen, es liege „bei einem Prozent. Das sind 50 Windräder“, so Geisler. Es gebe nur wenige Gebiete, in denen die Windkraft funktionieren würde – und „die liegen im Hochgebirge“.. Das zu erschließen, sei „sehr kostenaufwändig“, Windkraft könne in Tirol, wenn überhaupt, „nur einen sehr kleinen Beitrag leisten“. Tirol setze deshalb auf Wasserkraft.
Die IG Windkraft sieht das naturgemäß anders: Das technische Potenzial liege bei „200 Windrädern mit 1000 MW, die 2,5 Terawattstunden Windstrom erzeugen können“, heißt es. Demnach würde die Windparkfläche 0,35 Prozent der Tiroler Landesfläche betreffen – und: „99 Prozent der Windparkfläche bleiben landwirtschaftlich nutzbar.“
Die Vorschläge zur UVP-Novelle müssen regierungsintern noch abgestimmt werden. In Begutachtung wurde gestern auch das Erneuerbaren-Wärme-Gesetz geschickt.