Klettern

Speed-Rekordlerin Stöckler und ihr Zwang zur Langsamkeit

Österreichs Speed-Rekordhalterin Laura Stöckler kämpft seit einem halben Jahr gegen Long-Covid-Symptome an.
© KVÖ/Liebhaber

Laura Stöckler ist Österreichs schnellste Dame in der Vertikalen und startet heute bei der Universitäts-WM. Unter schwierigen Vorzeichen.

Von Max Ischia

Innsbruck – Laura Stöckler kann es niemals schnell genug gehen. Das liegt freilich in der Natur einer Speedkletterin. Erst recht einer österreichischen Rekordhalterin. Seit Ende Juni liegt die rot-weiß-rote Bestmarke bei 7,72 Sekunden. Tendenz steigend – bzw. fallend. Wie man es sehen mag. Seit Ende November ist aber ohnedies vieles anders im Leben der 22-jährigen Niederösterreicherin. Nachdem sich Stöckler mit Covid infiziert hatte und die Ärzte Wochen später Long-Covid diagnostizierten, durchlebt sie täglich eine Achterbahnfahrt. Ob sie mag oder nicht. Heute gibt sie bei der gestern eröffneten Universitäts-Weltmeisterschaft in Innsbruck ihr internationales Comeback. Aber der Reihe nach:

Laura Stöckler.
© Lang

Hohes Fieber, Gelenksschmerzen, Halsweh, Geschmacks- und Geruchsverlust – wie die vielseits bekannten Covid-Symptome über Nacht kamen, waren sie nach „vier, fünf Tagen“ auch wieder weg. Zunächst einmal. Als Stöckler im Dezember wieder ihr Training aufnahm, begann der Körper rasch zu rebellieren. „Während der Einheiten ist es einigermaßen gut gegangen, dann aber war ich einfach nur noch schlaff, müde, manchmal regelrecht ausgepowert.“ Ein Teufelskreis aus Wollen und Nicht-Können, aus Hoffnung und Enttäuschung, aus Lust und Frust. Eine Sackgasse mit verschärfter Kehrtwendung. Erst nach und nach zogen die Englisch- und Sportstudentin (Lehramt) und ihr Betreuerteam Konsequenzen. Letztlich wurde der Trainingsplan komplett auf den Kopf gestellt. „Von den acht bis zehn Einheiten pro Woche war plötzlich nur noch die Hälfte möglich. Wenn überhaupt. Und sobald ich ein wenig überpowert habe, waren die grippeähnlichen Symptome wieder da.“

Stöckler hat sich notgedrungen in die Covid-Materie eingearbeitet, mit Ärzten und Heilpraktikern gesprochen und irgendwann eingesehen, einsehen müssen, dass die Schritte zurück nicht im Eiltempo möglich sind. „Jeder Tag ist anders. Und die Fortschritte sind nicht linear“, vergleicht es die Rekordlerin mit einer „permanenten Achterbahnfahrt“. Auf und nieder, immer wieder.

Am Montagabend wurde im Kletterzentrum die Universitäts-WM offiziell eröffnet. Mittendrin: Multi-Perkussionist Martin Grubinger.
© KVÖ/Jovanovic

Stöckler hat gelernt, lernen müssen, ausgetretene Pfade zu verlassen. Und in einem unbekannten Maße flexibel zu agieren. Akupunktur, traditionelle chinesische Medizin und ein schwer genießbarer Kräutertee ergänzen das schulmedizinische Paket. Und weil wiederkehrende Rückschläge auch das sonnigste Gemüt trüben können, greift die Haagerin auch regelmäßig auf die Dienste von Sportpsychologin Simone Tscherntschitz (Olympiastützpunkt Innsbruck) zurück. Selbstredend stärken ihr auch Familie, Freunde und Lebensgefährte Dominik den breiten Rücken.

Für die heutige WM-Entscheidung will Stöckler kein konkretes Ziel nennen: „Im Speed kann viel passieren. Ich bin erst einmal froh, dass ich wieder Wettkampfluft atmen darf.“

Für Sie im Bezirk Innsbruck unterwegs:

Renate Perktold

Renate Perktold

+4350403 3302

Verena Langegger

Verena Langegger

+4350403 2162

Michael Domanig

Michael Domanig

+4350403 2561