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Swarovski bekommt ersten „externen“ CEO in der Unternehmensgeschichte

Der gebürtige Libanese Alexis Nasard wird neuer Chef des Kristallkonzerns und der erste in der 127-jährigen Firmengeschichte, der nicht aus dem Swarovski-Clan stammt. 30 Mio. Euro sollen in Wattens investiert werden.

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Der neue Swarovski-CEO Alexis Nasard.
© Böhm/Swarovski

Wattens – Wattens – 127 Jahre lang wurde Swarovski von Mitgliedern des inzwischen weit verzweigten Familienclans geführt. Mit Alexis Nasard wird nun erstmals ein Manager das Ruder des Kristallkonzerns übernehmen, der nicht einer der Gründerfamilien entstammt. Der gebürtige Libanese wird am 4. Juli neuer Geschäftsführer (CEO) von Swarovski, gab das Glitzerunternehmen gestern bekannt. „Mit Alexis Nasard hat Swarovski einen internationalen Top-Manager gewinnen können, der bereits sehr erfolgreich Unternehmen geführt und Transformationsprozesse umgesetzt hat“, so der Konzern. Damit bestreite man den Übergang von einem familiengeführten Unternehmen zu einem Unternehmen im Familienbesitz.

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Dass erstmals ein externer Manager den Swarovski-Tanker lenken wird, ist Folge des internen Krachs zwischen den unterschiedlichen Familienstämmen um die Ausrichtung des Konzerns. Vor zwei Jahren hatte sich Robert Buchbauer gegen Markus Langes-Swarovski um die Konzernführung durchgesetzt und sich gleich einmal mit einem Job-Kahlschlag von insgesamt 1800 Beschäftigten am Stammsitz in Wattens vorgestellt. Daraufhin schaukelte sich der Machtkampf in der Glitzerfamilie immer mehr auf, bis Buchbauer vergangenen Dezember seinen Sessel als Konzernchef wieder räumen musste, Michele Molon Finanzchef Frederik Westring sprangen interimistisch ein. Die Swarovski-Familienstämme einigten sich darauf, ihren Verwaltungsrat mit Experten von außerhalb der Familie zu erweitern und sich auf die Suche nach dem ersten externen Konzernchef der Geschichte zu begeben. Ihre Wahl fiel nun auf Alexis Nasard. „Ich freue mich auf die Herausforderung, die Transformation des Unternehmens zu leiten“, erklärte Nasard. Der 52-Jährige war 17 Jahre lang beim US-Konsumgüter-Konzern Procter&Gamble, wechselte dann als COO zu Heineken, wurde später Chef des Bekleidungs- und Modekonzerns Bata, war danach Kurzzeit-Chef beim Marktforschungsunternehmen Kantar und zuletzt beim Unternehmensberater McKinsey.

„Nasards wichtigste Aufgabe wird es sein, die Transformation von Swarovski als Marke im Luxusmarkt zu vollenden und das Geschäftsmodell auf profitables Wachstum ausgerichtet anzupassen“, gab der Konzern die Marschrichtung vor. Nasard sei eine „umsetzungsstarke Führungspersönlichkeit, die in der Lage ist, Swarovski erfolgreich in die Zukunft zu führen“, betonte Luisa Delgado, Präsidentin des Swarovski-Verwaltungsrates. Nasard werde als CEO auch die Leitung des Heimatstandorts in Wattens übernehmen. Das sei ein klares Bekenntnis zum Standort, betonte Delgado. Wattens sei „das pulsierende Herz und der Innovationsmotor dieses Unternehmens“ und werde „auch in Zukunft eine zentrale Rolle spielen“. Wie die TT erfuhr, sollen in den nächsten Jahren über 30 Millionen Euro in die Produktion in Wattens investiert werden.

Interimschef Molon wird die neue Position des Chief Commercial Officers (CCO) bekleiden. Die Familie Swarovski werde weiterhin in ihrer Eigentümerrolle aktiv mitgestalten und stellt mit Markus Langes-Swarovski, Robert Buchbauer und Mathias Margreiter drei Mitglieder im Verwaltungsrat. (TT)

Betriebsrat sauer: „Wir wollen wissen, wo die Reise hingeht“

Wattens – Für Swarovski-Zentralbetriebsratschefin Selina Stärz bleiben auch nach dem Chefwechsel in der Konzernführung viele Fragen offen. Die interne Informations-Veranstaltung für Mitarbeiter habe gestern mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet, die Firmenleitung sei hinsichtlich Marschrichtung des Konzerns und des Wattener Standortes vielfach sehr allgemein geblieben. „Wir wissen nicht, wo die Reise hingeht“, kritisiert Stärz: „Mich würde konkret interessieren, wie viele Mitarbeiter am Standort Wattens bleiben werden. Wir haben Sorge, dass nur noch eine kleine Manufaktur bzw. nur wenige Arbeitsplätze am Standort erhalten bleiben.“ Der vor zwei Jahren angekündigte Abbau von 1800 Stellen in Wattens – eine Kürzung von damals 4800 auf 3000 Mitarbeiter – sei durchgezogen worden. „Derzeit haben wir in Wattens weniger als 3000 Beschäftigte“, sagt Stärz.

Laut Swarovski ist das „Restrukturierungsprogramm vergangenes Jahr planmäßig abgeschlossen“ worden, der Konzern spricht aber von derzeit knapp 3400 Beschäftigten am Standort Wattens. Derzeit würden 50 bis 60 neue Mitarbeiter gesucht, wie auch Stärz betont. Die Suche gestalte sich angesichts des Fachkräftemangels aber äußerst schwierig. Stärz: „Und Swarovski ist ja nicht gerade der schlechteste Arbeitgeber. Hier läuft auch vieles richtig. Wir haben aber immer schon vor dem drastischen Stellenabbau gewarnt.“ (mas)


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