Skandal um Sex-Nachrichten überschattet Neuwahlen in Split
Lokalwahlen in Kroatien werden von einem Sexting-Skandal überschattet. Zwei enge Mitarbeiter des Bürgermeisters sollen mit jungen Frauen aus Serbien Sex-Nachrichten ausgetauscht haben. Eine davon war noch minderjährig.
Split – Zwei Wochen vor den Lokalwahlen in der kroatischen Adria-Metropole Split wird der Wahlkampf von einer Affäre um Sex-Nachrichten überschattet. Die Tageszeitung "Večernji List" veröffentlichte die explizite Korrespondenz zweier enger Mitarbeiter des bisherigen liberalen Bürgermeisters Ivica Puljak mit angeblich zwei jungen Frauen aus Serbien, wovon eine minderjährig sein soll. Die involvierten Politiker sehen dahinter ein politisches Komplott mit gefälschten Internet-Profilen.
"Durch die eigene Naivität bin ich Opfer eines abscheulichen Internetbetrugs geworden, der durch die politische Situation in Split motiviert ist", betonte das Mitglied der Vorstands der Kleinpartei Centar, Luka Baričić, der im Mittelpunkt der Affäre steht. Der bisherige Stadtrat, der erneut kandidiert, kündigte am Montag seinen Rückzug aus der Politik an. Im Hintergrund des Skandals mit Fake-Profilen wittert er einen Versuch, den bisherigen stellvertretenden Bürgermeister Bojan Ivošević, der in die Affäre verwickelt ist, politisch zu kompromittieren. Er zeigte den Fall der Polizei an.
Kontakte über Tinder hergestellt
Baričić kommunizierte mit einer Frau aus Belgrad, mit der er über das Dating-Portal Tinder in Kontakt gekommen war. Laut Medien tauschte er mit ihr zahlreiche Botschaften, Fotos und Videoaufnahmen mit explizitem Inhalt aus. In diese Angelegenheit zog er auch Ivošević hinein, den die angeblich 17-jährige Schwester der Frau treffen wollte. Baričić räumte ein, das Interesse von Ivošević an der Schwester hochgespielt zu haben. Dieser trat mit der Schwester in Kontakt, brach diesen nach eigenen Angaben jedoch wieder ab, sobald er erfuhr, dass sie minderjährig ist. Bevor die Geschichte in die Medien kam, wurden laut Ivošević die Profile der beiden Frauen gelöscht.
Ivošević, der sich als eigentliche Zielscheibe des Komplotts sieht, erwägt keinen Rücktritt. "Ich habe nichts Gesetzwidriges gemacht. Die Nachrichten, die sie uns geschickt haben, das sind unmoralische Nachrichten. Ich habe nichts Unmoralisches geschickt", sagte er am Montag bei einer Pressekonferenz. Wie er hinzufügte, wurde er dazu angestiftet, kompromittierende Fotos zu schicken, die seine politische Karriere beenden könnten. Laut Medienberichten sehen Rechtsexperten in den Handlungen der beiden Politiker keine Rechtswidrigkeiten.
Bürgermeister stellt sich hinter Mitarbeiter
Der im Frühjahr zurückgetretene Bürgermeister stellte sich hinter seine beiden Mitarbeiter. Er kritisierte den "ekelhaften Betrug". "Wir sind der Mafia auf die Füße getreten und sie ist es, die das jetzt macht", sagte Puljak. Hinter dem Skandal vermuten er und seine Mitarbeiter eine Person, die mit dem früheren Bürgermeister Željko Kerum (2009-13) verbunden ist, der ebenfalls bei der Wahl am 26. Juni kandidiert.
In Split finden vorgezogene Bürgermeister- und Stadtratswahlen nur ein Jahr nach den regulären Wahlen statt. Im Frühjahr sind der Bürgermeister und sein Stellvertreter zurückgetreten, später löste sich auch der Stadtrat auf. Auslöser für die Rücktritte war eine Anklage gegen Ivošević, der sich wegen Drohungen gegenüber Journalistinnen der Tageszeitung "Slobodna Dalmacija" vor Gericht verantworten wird müssen. (APA)