Tirol

30 Jahre Kinderschutz Tirol: Die Herausforderungen bleiben

7200 Beratungen wegen Gewalt gegen Kinder gab es in den Kinderschutzzentren im Vorjahr.
© Archiv/imago

Der Kinderschutz Tirol feierte gestern 30. Geburtstag. Die Zentren im Land werden mehr, die Herausforderungen bleiben.

Innsbruck – Kinderschutzeinrichtung in Tirol Anfang der 90er-Jahre? Fehlanzeige. Mittlerweile sind 30 Jahre vergangen und das Land blickte gestern zum runden Jubiläum auf die Entwicklung in diesem Bereich zurück. Die brachte fünf Zentren (Innsbruck, Lienz, Imst, Wörgl und Reutte) und neue Herausforderungen.

Die Jubiläumsfeier im Landhaus sollte auch dafür genutzt werden, die Zukunftsperspektiven des Kinderschutzes zu erörtern. „Als die schwächsten Glieder in unserer Gesellschaft benötigen Kinder und Jugendliche besonderen Schutz. Jedes Kind hat ein Recht darauf, in Geborgenheit und Sicherheit – und fernab jeder Form von Gewalt – aufzuwachsen“, sagt Petra Birchbauer vom Bundesverband der Kinderschutzzentren. Als „nicht mehr wegzudenkende Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen“ bezeichnete Soziallandesrätin Gabriele Fischer die Zentren, die in Tirol 2021 rund 7200 Beratungen durchführten.

Das erste Kinderschutzzentrum eröffnete die Tiroler Kinder und Jugend GmbH im Jahr 1992 in Innsbruck. Darauf folgten die Kinderschutzzentren in Lienz (1993), Imst und Wörgl (beide 2002) und zuletzt, im Jahr 2017, jenes in Reutte. Maßgeschneiderte und umfassende Angebote zur Unterstützung soll es für die Klientinnen und Klienten geben. Die enge Abstimmung mit anderen Hilfseinrichtungen, von Sozialarbeitern bis zu den Bezirkshauptmannschaften, sei besonders wichtig, sagte Petra Sansone von der Tiroler Kinder und Jugend GmbH.

Aktuell sind von den fast 2300 Klienten etwas mehr als die Hälfte Mädchen und Frauen (55 Prozent), die meisten Kinder und Jugendlichen sind zwischen sieben und 14 Jahre alt. Seit 2002 gibt es auch ein Angebot für eine psychosoziale und juristische Prozessbegleitung. Im Jahr 2021 betreuten diese Mitarbeiter insgesamt 152 Fälle. „Wir unterstützen Kinder und Jugendliche bei polizeilichen Anzeigen und während Strafverfahren. Das hat den Vorteil, dass für die Familien keine Anwalts- und Gerichtskosten entstehen und die Klienten möglichst schonend durch den meist sehr belastenden Prozess eines Gerichtsverfahrens kommen“, sagt Fachbereichsleiterin Astrid Lanza.

Rund die Hälfte aller im Jahr 2021 durchgeführten Beratungen hatte den Verdacht auf bzw. die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zum Inhalt. Aus den Daten der Zentren geht auch hervor, wie die Kontakte zu den Betroffenen entstehen. In rund zwei Drittel der Fälle geschieht dies über die Erziehungsberechtigten oder – in einem Drittel der Fälle – über die Kinder und Jugendlichen selbst. Genauso häufig kommt es aber auch vor, dass die Kinderschutzzentren von professioneller Seite (Schule, Kindergarten, Kinder und Jugendhilfe) kontaktiert werden.

Alle Angebote sind für die Betroffenen übrigens kostenlos und auf Wunsch anonym. Die Tiroler Kinder und Jugend GmbH ist eine Gesellschaft des Landes Tirol und finanziert sich aus Entgelten des Landes Tirol, Zuschüssen von Land, Bund und Gemeinden sowie Spenden. Mehr Infos unter www.kinder-jugend.tirol (TT)