Musikalische Weltreise im Treibhaus: „Heuer darf wieder getanzt werden“
33 Abende für alle, die das Fernweh plagt: Das Innsbrucker Treibhaus geht in den kommenden Wochen auf musikalische Weltreise.
Innsbruck –Die Carabiniere-Uniform hat Norbert Pleifer eingemottet. Und den Arztkittel auch. In den vergangenen zwei Sommern hat der Treibhaus-Chef im Kostüm auf die Einhaltung der Corona-Schutzvorgaben gepocht. „Als Carabiniere hab’ ich das gern gemacht, als Pleifer hat mir das weniger gut gefallen“, sagt er.
Heuer soll der Sommer im Treibhaus wieder ohne „Anstandswauwau“ über die Bühne gehen. Dafür hat der selbst erklärte „Gschaftlhuber“ eine vornehmlich musikalische Weltreise zusammengestellt: Susana Baca – die Grande Dame der lateinamerikanischen Musik und frühere Kulturministerin Perus – hat sich für den 29. Juli angekündigt; An den Tagen davor und danach kommen u. a. Chico Turjillo und seine Nueva Cumbia Chilena aus Chile (28. Juli), Habib Koite aus Mali (2. Juli), die New Yorker Brassband Hazmat Modine (5. Juli) und die ukrainischen Klezmer-Gangster Kommuna Lux aus Odessa (5. August) nach Innsbruck. „Es soll ja auch Menschen geben, die auch in diesem Sommer nicht verreisen können“, sagt Norbert Pleifer, „die kommen jetzt trotzdem weit herum, ohne viel fahren oder gar fliegen zu müssen.“ Für ihn selbst gilt sowieso das bewährte Sommer-Motto: „Ich möcht’ am liebsten weg sein und bleib am liebsten hier.“
Der Eintritt für die 33 Veranstaltungen bis 15. September ist frei. Einen Treibhaus-Pass für 44,70 Euro gibt es trotzdem. „Für die, die möglichst viel erleben – und uns etwas Gutes tun wollen“, sagt Pleifer.
Konzertiert wird – bis auf einige Ausnahmen – im Treibhaus-Garten. Mit Anrainerbeschwerden rechnet Pleifer heuer nicht. „Wir haben uns zusammengesetzt – und haben uns ganz ohne Mediator ausgesprochen“, sagt er. Zu den Ausnahmen, die drinnen spielen werden, zählt die russische Protestband Pussy Riot. Sie tritt am 19. August erstmals in Innsbruck auf.
Er wolle diesen Sommer ein Fass aufmachen – und es drei Monate nicht mehr zumachen, kündigt Norbert Pleifer an. „Die Pandemie hat uns alle aus dem Rhythmus gebracht, aber heuer darf wieder getanzt werden.“ Einen ganz persönlichen Grund zum Tanzen hat Norbert Pleifer in diesem Sommer auch: Er wird 70. Feiern sollen aber die anderen, sagt er: „Ich werde auch an meinem Geburtstag brav arbeiten.“ An den Ruhestand verschwendet er vorerst sowieso keinen Gedanken. „Corona hat das Treibhaus dazu gezwungen, sich immer wieder neu zu erfinden. Da blieb keine Zeit, um über übermorgen nachzudenken – und auch im Moment ist das Morgen wichtiger.“ Vor dem Morgen freilich kommt das Heute – und heute um 19.30 Uhr startet das Treibhaus-Fernweh-Festival mit einem Konzert von Luca Bassanese und dessen Piccola Orchestra Popolare. „Da wird Innsbruck einen Abend lang zu Firenze“, so Norbert Pleifer. Ganz ohne Carabiniere. (jole)