Tennis

Porno-Dreh? Thiems Stöhnen löste einen Polizei-Einsatz aus

Dominic Thiem lässt die Rasen-Saison aus und konzentriert sich auf die Sandplatz-Rückkehr.
© GEPA pictures/ Alan Grieves

Das intensive Training von Dominic Thiem auf der ATC-Anlage in Traiskirchen kam nicht bei allen Nachbarn gut an.

Traiskirchen - Nach zweieinhalb Wochen intensiven Trainings in Traiskirchen mit vier bis fünf Stunden pro Tag ist bei Dominic Thiem die Zuversicht zurückgekehrt. Während vor seinen ersten Comeback-Versuchen bei insgesamt sieben Turnieren (sechs auf der ATP Tour) seine Erwartungen sehr niedrig angesetzt waren, sieht es nun anders aus. Thiem trifft die Vorhand wieder weit besser, der letzte "Schnapper" bei der Vorhand und der damit verbundene, gefährliche Spin kommt wieder konstanter.

Darum macht sich der US-Open-Sieger 2020 für das restliche Jahr auch mehr Druck. Die Diskussionen rund um sein im Juni des Vorjahres verletztes rechtes Handgelenk waren nach seinen schwachen Performances in Genf und bei den French Open wieder aufgeflammt. Alexander Zverev hatte in Erinnerung an seinen Bruder Mischa, der eine ähnliche Verletzung wie Thiem gehabt hatte, geäußert, dass vielleicht doch eine Operation angebracht gewesen sein könnte.

Porno-Dreh? Thiems Stöhnen löste Polizei-Einsatz aus

Die "Homebase" von Österreichs Tennis-Weltklassemann Dominic Thiem sowie das Ausbildungszentrum für talentierten Nachwuchs in Traiskirchen ist fertig. Am Donnerstagabend wurde in Anwesenheit Thiems und zahlreicher Gönner sowie u.a. auch ÖTV-Sportdirektor Jürgen Melzer in der ATC-Akademie auch die Flutlichtanlage auf den Freiplätzen eingeweiht. Thiem absolvierte ein kurzes Training mit den Kindern, nachdem er schon am Nachmittag selbst eine harte Trainingseinheit gehabt hatte.

Diese sorgte am Fronleichnamstag kurioserweise für einen Polizei-Einsatz wie auch die Präsidentin des Austrian Tennis Committees (ATC), Barbara Muhr, erzählte. Anrainer hatten sich über das laute Stöhnen Thiems im Training beklagt und offenbar auch andere Schlüsse ob der Geräusche gezogen. Nach einer freundlichen Befragung Muhrs fuhren die Polizisten dann wieder. "Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Leute beschweren. Ich kenne das, seit ich ganz klein bin. Es ist immer ganz lustig, auch nicht ganz unverständlich, die Geräusche können schon laut und eigenartig werden", meinte Thiem schmunzelnd. "Ich habe Oberkörper-frei trainiert, alle haben meinen Körper so gut gefunden, dass sie geglaubt haben, wir drehen einen Porno da", legte er ein Schäuferl nach.

Thiems Herz hängt an dieser Akademie, die sein Vater Wolfgang als Sportlicher Leiter führt. Und er hofft, dass es der eine oder andere früher oder später in die Top 100 oder höher schafft. "Es würde mich richtig freuen. Es ist ein tougher Weg, aber sie haben alles da, was dazu nötig ist."

Doch diesbezüglich war Thiem keinesfalls verunsichert, stellt er auf Nachfrage der APA - Austria Presse Agentur bei einem Termin in Traiskirchen klar. "Nein, da habe ich dem Arzt hundertprozentig vertraut, weil der hat auch gesagt, dass es gut verheilt ist." Dieser Arzt habe schon viele Spieler mit ähnlichen Verletzungen betreut. "Das Einzige war, dass die Vorhandtechnik komplett anders war, auch durch die Schmerzen in der Hand, die dann gekommen sind."

Dass das Wettkampf-Comeback dann vielleicht zu früh gekommen ist, lässt sich im Rückblick leichter sagen. "Ich habe es eh im Training gesehen, aber ich wollte einfach auf die Tour zurück. Es war zu lang, ich war zehn Monate weg. Ich wollte wieder in den Wettkampf rein", schilderte Thiem und gab zu. "Wahrscheinlich wäre es gescheiter gewesen, ich hätte genau das gemacht, was ich jetzt mache, nur ein bisserl früher. Aber ich bereue die Entscheidung nicht."

Nun hat sich Thiem den verloren gegangenen Spaß endlich wieder zurückgeholt und will ab Montag in Barcelona rund zehn Tage mit Topleuten wie den Russen Andrej Rublew und Karen Chatschanow trainieren. "Ich habe auch in Marbella oder Belgrad mit Topleuten trainiert. Ich war einfach zu schwach dafür, das hat nicht gereicht." Nun habe er aber seine Form langsam wieder aufgebaut. Thiem erstaunte im Rückblick auf das bisher misslungene Comeback auch mit folgender Einsicht: "Ich habe nicht einmal hier in Traiskirchen den Jugendspielern wehtun können mit meinen Schlägen." Das sei jetzt endlich wieder anders. "Jetzt verursache ich sozusagen wieder Schaden mit meinen Schlägen."

Im Gegensatz zu gebetsmühlenartigen Statements in den vergangenen Monaten, er sei auf dem richtigen Weg, stimme dies nun wirklich. "Jetzt kann ich zum ersten Mal ehrlich sagen, wo ich weder mich selber noch jemand anderen belüge, dass ich mich auf einem guten Weg befinde und bald wieder Topleistungen abrufen kann." Die Konstanz auf seiner zuletzt extrem fehleranfälligen Vorhand, habe er sich "zu einem großen Teil" wieder zurückgeholt. "Jetzt bin ich so weit, dass ich in der zweiten Jahreshälfte wieder Topleistungen bringen kann."

Von ursprünglich neun Turnieren sind noch sieben Turniere mit "geschütztem Ranking", also als Nummer sechs der Welt zum Zeitpunkt der Verletzung, möglich. Entweder beim Salzburg-Challenger (ab 4.7.) oder spätestens beim ATP-Turnier in Baastad eine Woche später will er endlich den ersten Sieg seit rund 400 Tagen feiern. Nach dem Schweden-Trip sind Gstaad und Kitzbühel fix. "Dann werde ich sehen wie ich dort gespielt habe. Entweder spiele ich Montreal und Cincinnati oder nur Cincinnati (beides Masters-1000-Turniere, Anm.) und dann klarerweise die US Open. Dann habe ich eh nur noch ein oder zwei Turniere (mit dem Verletztenstatus)."

Noch wisse er nicht wie es mit Asien ausschaue. "Dann werden sicher einige Turniere in Europa indoor sein, wo ich bei manchen hoffentlich eine Wildcard bekomme. Es ist das Ziel, dass das Ranking bis zum Ende vom Jahr okay ist, und ich in Australien ohne Hilfe im Hauptbewerb bin." Die Latte liegt nun deutlich höher. "Ich will mir jetzt auch selber wieder ein bisserl Druck auferlegen, weil die Erwartungen waren bei den letzten Turnieren extrem niedrig. Weil ich gesehen habe, wie ich spiele im Training, und quasi keinen Trainingssatz gegen Topleute gewonnen habe, aber das ist jetzt anders. Sobald ich zurückkomme, will ich auch liefern, das ist der Anspruch an mich selber."

Weitere Pläne wie etwa der Heim-Davis-Cup in Tulln gegen Pakistan (16./17.9.) hängen von seiner Entwicklung ab. "Sollte alles gut laufen... natürlich spiele ich Davis Cup immer gern." Allerdings kann es auch sein, dass er schauen muss, dass er ATP-Punkte macht. Denn aktuell ist er auf Platz 352 zurückgefallen, und sein Verletztenstatus hält nur noch bis zum Herbst.

Neben dem ersten Ziel, endlich den ersten Matchsieg einzufahren, hat sich Thiem als Zwischenziel Kitzbühel gesetzt. "Da will ich wieder richtig gut spielen und auch das Publikum begeistern", sagte Thiem und fügte hinzu: "weil so wie in Paris oder Genf war es eher ein Trauerspiel." (APA)