Volvo Polestar: Polarstern leuchtet noch heller
Bis vor Kurzem durften nur die besonders sportlichen Volvos den Namenszusatz Polestar am Blechkleid tragen. Mittlerweile handelt es sich bei Polestar aber um eine eigenständige Marke, die sich auf E-Autos spezialisiert hat.
Von Lukas Letzner
Inzing – Nach dem limitierten Polestar 1 hat man jetzt den Elektro-Schweden für die breite Masse – den Polestar 2 – nachgelegt. Während es sich beim ersten Polarstern aber „nur“ um einen Plug-in-Hybrid gehandelt hat, ist der Polestar 2 jetzt ein reiner Stromer. Technisch basiert er auf dem Volvo XC40 und auch wenn er – zumindest optisch – die Verwandtschaft zu Volvo nicht abstreiten kann, handelt es sich beim Polestar 2 um ein komplett eigenständiges Auto.
Vor allem an der Front unseres Stromers erkennt man die skandinavischen Gene und die auffälligen Leuchten erinnern sehr an das schwedische Lichtdesign. Wer sich das Auto im Profil ansieht, weiß im ersten Moment nicht, ob es eine Limousine, ein Cross-over oder doch ein schickes Coupé sein will. Doch gerade, weil er von allem etwas hat, gefällt uns der Elektro-Schwede richtig gut. Gelungen finden wir auch das Heck mit seinen eckigen Leuchten und der durchgehenden LED-Spange.
Im Innenraum geht es uns wie bei der Optik der Karosserie: Überall, wo man hinsieht, erkennt man ein bisschen Volvo, und dennoch haben es die Designer geschafft, auch den Innenraum sehr eigenständig wirken zu lassen. Der Materialmix ist ausgezeichnet und das schlichte skandinavische Design wirkt sehr edel. Ein Highlight im wahrsten Sinne des Wortes ist das Glasdach. Dank ihm ist der Innenraum extrem hell. In puncto Platzangebot darf man vorne wie hinten nicht meckern und 405 Liter Kofferraumvolumen (erweiterbar auf 1095 Liter und mit Durchlade) sollten eigentlich auch reichen. Beim Infotainment-System setzt Polestar auf ein natives Google-System, welches die bekannten Apps und Features wie Google Assistant („Hey Google“), Google Maps und über den Play Store noch viele weitere Apps bietet. Bedient wird es über den 11,15 Zoll großen Touchscreen und auch hier hilft es, wenn man bereits mit Volvo-Systemen zu tun hatte.
Bei unserem Testwagen handelte es sich um das Topmodell der Baureihe. Er hat eine 78 kWh große Batterie verbaut, von der sich tatsächliche 75 kWh nutzen lassen. An der Vorder- und auch an der Hinterachse ist ein 204 PS starker Permanentmagnet-Synchronmotor verbaut, die in Kombination – im Volvo XC40 Recharge Pure Electric Twin – 408 PS leisten. Dank des fulminanten Duos beschleunigt der 2131 kg schweren Polestar 2 in nur 4,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der elektrische Allradantrieb sorgt dafür, dass die schicken 20-Zöller (dem Performance-Paket sei es gedankt) die Kraft auch jederzeit und problemlos auf die Straße bringen. Man muss also eine wirklich gute Nackenmuskulatur mitbringen, wenn man vorhat, das rechte Pedal öfter und energisch in das Bodenblech einzumassieren. Apropos Pedal: Wer will, der kann auf das Bremspedal „verzichten“ und per „One-Pedal-Drive“ beschleunigen und verzögern. Das Bremspedal braucht man so nur noch in Notsituationen.
Wer die enorme Kraft des Polestar 2 oft und gerne abruft, der muss allerdings damit rechnen, dass die Reichweite dementsprechend zurückgeht. Die angegebenen 480 Kilometer sind jedenfalls unrealistisch. Wir verbrauchten während unserer 14 Testtage um die 24 kWh und kamen auf eine Reichweite von 340 Kilometern (frühlingshafte Temperaturen). Kommen wir noch zu den Ladezeiten: An der Haushaltssteckdose würde man für eine Ladung 11 Stunden benötigen. An der hauseigenen Wallbox muss man mit 8 Stunden rechnen. Wer einen Schnelllader zur Verfügung hat, der kann in 40 Minuten 80 % Ladestand erreichen. Zu haben ist der Polestar 2 ab 53.900 Euro. Unser vollausgestatteter Testwagen hatte 65.900 Euro unterm Strich stehen.
Die Technik
Motor: Zwei Elektromotoren
Batterie (brutto): 78 kWh
Batterie (netto): 75 kWh
Drehmoment: 660 Nm
Leistung: 300 kW/408 PS
L/B/H: 4606/1859/1479 mm
Gewicht: 2188/2600 kg
Kofferraumvolumen: 405–1097 l
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
0–100 km/h: 4,7 Sekunden
Verbrauch: 23 kWh/100 km
Kraftübertragung: Allradantrieb
Preis: 65.900 Euro
CO2-Emission: 0 g/km