Europa schwitzt: Extreme Hitze sorgt für Brände und schlaflose Nächte
Volle Strände, belagerte Brunnen, Eisdielen am Limit: Spanien, Frankreich und Italien kämpfen mit einer außergewöhnlich frühen und schlimmen Hitzewelle. Verheerende Brände zerstören hektarweise Land, es gibt auch Tote. In Andalusien kletterte das Thermometer schon bedrohlich nah an die 50-Grad-Marke. In Nordgriechenland brauchen Urlauber allerdings jetzt einen Regenschirm.
Madrid/Paris/Athen – Nicht nur Mitteleuropa stöhnt derzeit unter Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke. In Spanien hat die schlimmste Juni-Hitzewelle seit 1950 die Thermometer am Samstag örtlich auf mehr als 44 Grad steigen lassen. Eine wirkliche Abkühlung gab es auch nachts nicht, in weiten Teilen des Landes sanken die Temperaturen nach dem Untergang der Sonne kaum auf 20 Grad ab. Auch in Frankreich wurden Rekord-Temperaturen erwartet. Der Wetterdienst sprach von „einer wirklichen Ausnahmesituation". Halb Griechenland blieb unterdessen verregnet, nächste Woche soll Hitze folgen.
🌡️ 32,8 Grad in Innsbruck gemessen
Laut Daten der ZAMG war Innsbruck am Samstag die „heißeste" Landeshauptstadt: 32,8 Grad wurden an der Messstation bei Universität gemessen. Dahinter folgen Bregenz (31,4 Grad) und Wien (30,9 Grad). Aber noch ist kein Ende in Sicht: Am Sonntag werden in Tirol bis zu 36 Grad erwartet.
In den Städten Spaniens suchten die Menschen oft in Brunnen, Eissalons und klimatisierten Einkaufszentren nach Abkühlung, wie Medien berichteten. Die Strände an der Mittelmeer- und auch an der Atlantikküste waren teils schon am frühen Samstagvormittag voll. Der Rekord dieser Hitzeperiode wurde am Freitag im andalusischen Andújar mit 44,2 bis 44,3 Grad registriert.
Brände zerstörten bereits Tausende Hektar Wald
Besonders heiß sollte es am Samstag nach Angaben des Wetterdienstes Aemet mit 40 bis 42 Grad vor allem in den Regionen Katalonien, Navarra und Baskenland im Nordosten und Norden des Landes sowie in Andalusien im Süden werden. Auch sonst war es alles andere als kühl: In der Hauptstadt Madrid sollte die Quecksilbersäule am Samstag auf bis zu 39 Grad klettern. Auf der Ferieninsel Mallorca wurden bis zu 37 Grad erwartet. Sogenannten tropische Nächte bringen die Spanier um den Schlaf.
🥵 Verhaltenstipps
Bei dem Wetter sollte man auf jeden Fall genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen, eine kühle Umgebung aufzusuchen und den Körper mit kühlen Tüchern oder Duschen abkühlen. Wenn die Maßnahmen nicht helfen, sollte man nicht davor zurückschrecken, die Rettung zu rufen.
Bei einem Hitzeschlag sollte man betroffene Personen in eine kühle Umgebung bringen, enge Kleidung lockern, feuchte Tücher auf Kopf und Körper legen, die Menschen mit Flüssigkeit versorgen und sie bei Bewusstlosigkeit in die stabile Seitenlage bringen und die Rettung verständigen.
☎️ Unter der kostenlosen österreichischen Hitze-Hotline 050-555-555 gibt es weitere Tipps von Fachleuten.
Die Hitze und die Trockenheit begünstigten den Ausbruch zahlreicher Waldbrände, die nach amtlichen Angaben in verschiedenen Teilen Spaniens in wenigen Tagen bereits gut 25.000 Hektar zerstörten. Das entspricht einer Fläche von etwa 35.000 Fußballfeldern. Am Samstag loderten die Flammen vielerorts noch unkontrolliert. Am schlimmsten war die Lage am Gebirgszug Sierra de la Culebra unweit der Grenze zu Portugal im Nordwesten Spaniens, wo schon 20.000 Hektar Wald vernichtet und 1.700 Menschen in Sicherheit gebracht wurden.
50 Grad alles andere als unwahrscheinlich
Die Hitzewelle werde ab Sonntag nach einer guten Woche deutlich abklingen, kündigte Aemet an. In Madrid etwa soll es noch rund 30 Grad geben. Auf Mallorca und in Navarra werden Einheimische und Urlauber noch mindestens bis Montag bei Temperaturen von bis zu 37 Grad weiter kräftig schwitzen.
Hitzeperioden nehmen in Spanien zu, sagte Aemet-Sprecher Rubén del Campo. Der absolute Rekord wurde im vorigen August in Montoro in Andalusien gemessen: 47,4 Grad. Diese Entwicklung sei auf den vom Menschen verursachten Klimawandel zurückzuführen. Man werde sich nicht wundern dürfen, wenn irgendwann die 50-Grad-Marke erreicht werde, warnte del Campo im Interview der Zeitung La Vanguardia.
Pensionisten starben in der Hitze Frankreichs
In Frankreich sprach der Wetterdienst von der frühesten Hitzewelle seit 1947. Zum Höhepunkt der Hitzewelle wurden am Samstag Spitzentemperaturen von bis zu 43 Grad, flächendeckend 35 bis 39 Grad erwartet. Verbunden mit der schon länger anhaltenden großen Trockenheit herrschte große Waldbrandgefahr, immer wieder rückte die Feuerwehr zu Brandherden in der Natur aus. Im südfranzösischen Departement Tarn brachen alleine am Samstag drei Brände aus, wie die Präfektur mitteilte.
14 Departements im Südwesten des Landes sind in Alarmzustand, mehrere Festivals, Sport- und Kulturveranstaltungen wurden aufgrund der extremen Hitze abgesagt.
Bei extremer Hitze starben bereits am Freitag zwei Pensionisten an der Westküste am Strand von Pornichet, wie der Sender France Info berichtete. Ein 80-Jähriger hatte sich bei praller Sonne auf sein Handtuch gelegt. Als er sich nicht mehr bewegte, riefen andere Strandgäste um Hilfe. Der Mann erlitt offenbar einen Hitzschlag. Zwei Stunden später sackte ein 82-Jähriger tot im Wasser zusammen. Bei einer Wassertemperatur von 16 Grad und einer Lufttemperatur von 35 Grad wurde ein tödlicher Kälteschock vermutet.
☎️ Hitzetelefon reaktiviert
Das Gesundheitsministerium nahm wieder das Hitzetelefon in Betrieb. Unter der kostenlosen Hotline 050-555-555 geben Fachleute Ratschläge, wie man sich vor der Belastung durch die hohen Temperaturen am besten schützt.
Hitze in Großbritannien, Dürre in Italien
Auch in Großbritannien ist es ungewöhnlich heiß: Am Freitagnachmittag waren die Temperaturen auf teilweise über 30 Grad gestiegen, am dritten Tag in Folge wurden somit die Temperaturrekorde für die Jahreszeit gebrochen.
In Norditalien leidet die Po-Ebene unter der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren. In dem stark landwirtschaftlich geprägten Gebiet rationierten einige Gemeinden inzwischen die Wasserverteilung. Nach Angaben des Landwirtschaftsverbandes Coldiretti bedroht die Trockenheit die Hälfte der Anbauflächen in der Po-Ebene und fast ein Drittel der landesweiten Agrarproduktion. Der Präsident der Lombardei, Attilio Fontana, sprach von einer „außergewöhnlich schwierigen Lage". Er kündigte die baldige Ausrufung des Notstands an.
Gewitter im Anmarsch, auch in Griechenland
Ab der Nacht auf Sonntag wird in Frankreich von der Atlantikküste kommend mit Unwettern gerechnet, die später weitere Landesteile erfassen. Örtlich könnten diese Unwetter von heftigen Windstößen und starken Gewittern begleitet werden. Gerechnet wird mit einem Ende der Hitzewelle, die sich lediglich in Ostfrankreich noch länger halten wird.
In Griechenland wird es im Norden und Westen am Wochenende regnen und zum Teil gewittern. So unter anderem auf der bei Touristen beliebten Halbinsel Peloponnes, und auch in der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki. Es bleibt jedoch in den verregneten Regionen mit Temperaturen um 27 Grad warm.
Wer auf Kreta und den Kykladeninseln urlaubt, darf sich hingegen über ungetrübten Sonnenschein und Temperaturen um die 30 Grad freuen. Meteorologen rechnen damit, dass die Hitzewelle über Westeuropa Griechenland erst ab Mitte kommender Woche erreicht - und dann vermutlich in abgeschwächter Version.
☀️ Hohe Temperaturen auch in Deutschland und der Schweiz
Hohe Temperaturen haben viele Menschen in weiten Teilen Deutschlands ins Schwitzen gebracht und ins Freibad getrieben. Auf der Website des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zog sich am Samstag eine Warnung vor Hitze in einem Streifen von Saarbrücken bis an die Ostgrenze Brandenburgs und Sachsens.
An der See zeigte das Thermometer laut der Vorhersage Werte von 19 bis 23 Grad, ansonsten 27 bis 35, und im Südwesten am Samstag sogar örtlich bis 38 Grad. In Bayern riet der DWD bei Höchstwerten von etwa 37 Grad zu „kühlen Getränken und Schatten". Vor allem in Unterfranken könnten die Temperaturen auf lokale Rekordwerte für den Monat Juni steigen.
In der Schweiz sind am frühen Samstagnachmittag verbreitet Temperaturen von über 30 Grad gemessen worden. Auch hier rechneten Meteorologen am Wochenende lokal mit neuen Juni-Rekordwerten.