Tiroler Erfinder erzeugen Schritt um Schritt ein eigenständiges Kraftwerk
Strom erzeugen ohne Schadstoffausstoß, ohne Strahlung und zudem netzunabhängig. Zwei Tiroler zeigen, wie das geht.
Von Gabriele Starck
Wattens – Ob U-Bahn-Station Stephansplatz in Wien oder Mautstelle Schönberg auf der Brennerautobahn: Öffentliche Flächen, die von sehr vielen Menschen bzw. Fahrzeugen frequentiert werden, könnten zugleich Kraftwerke sein und klimaneutral Strom erzeugen. Davon sind zwei junge Tiroler Forscher – der Schwazer Physik-Student Alfons Huber und der Pitztaler Elektrotechniker Stephan Plattner, überzeugt.
100 Stück des von ihnen entwickelten Mechanismus unter ebenso vielen Bodenplatten der stark frequentierten U-Bahn-Station verlegt würden genug Strom erzeugen, um jährlich zwischen 800 und 1200 Teslas aufzuladen, 6000 bis 10.000 Zwei-Watt-Birnen für je neun Stunden täglich zu speisen oder täglich 10.000 bis 15.000 Handys aufzuladen. „Und die Investition hätte sich binnen 2,4 Jahren amortisiert“, sagt Huber. Eine Anlage an der Mautstelle generierte 1,800.000 kWh Strom, was wiederum 1.440.000 Kilo eingespartem CO2 entspräche.
Huber hatte die Idee, die Bewegungsenergie von menschlichen Schritten in Elektrizität umzuwandeln, vor einigen Jahren. In Stephan Plattner fand er einen ebenbürtigen Partner und die beiden machten sich daran, aus der Idee Realität werden zu lassen.
Sie entwickelten in drei Jahren Forschung in der Werkstätte Wattens einen Energiewandler, integrierten ihn in Bodenplatten und reichten den Mechanismus mit dem Namen REPS (Road Energy Production System) beim europäischen Patentamt ein, womit er jetzt geschützt ist. Mithilfe dieses Mechanismus könne die senkrecht wirkende Kraft eines Schrittes oder eines Fahrzeugs mithilfe elektromagnetischer Induktion zu Strom umgewandelt werden, erklärt der 26-jährige Huber. Dass das funktioniert, hätten sie in über 15.000 Messungen und mehreren tausend Simulationen nachgewiesen. Ebenso, dass dies nicht Herzschrittmacher oder orthopädische Schrauben beeinflusse.
So könnten eine Million Schritte auf ein einziges REPS-Modul die Straßenbeleuchtung der Maria-Theresien-Straße einen Monat lang unabhängig vom Netz betreiben. Und zusammen mit der TU Graz überlegen die beiden, ob man nicht versuchen sollte, Zebrastreifen leuchten zu lassen, sobald jemand darauf über die Straße geht.
Weitere Informationen
Pioneer:impact: Huber und Plattner (https://reps-tirol.com) haben es ins Programm von Impact Hub Tirol und der Werkstätte Wattens für Start-ups geschafft. Sie werden nun zwölf Monate intensiv unterstützt, damit sie ihr Geschäftsmodell schneller auf den Markt bringen können.
Crowdfunding: Wer das Duo finanziell unterstützen möchte, kann das über die Crowdfunding-Plattform indiegogo machen: https://go.tt.com/reps
Vorteile habe ihre Entwicklung jede Menge, betont Huber. Die Bewegungsenergie als Quelle der Stromerzeugung sei ohnehin da. Und eine Anbindung ans Elektrizitätsnetz sei möglich, aber im Gegensatz zur Photovoltaik nicht notwendig. So werde neben einer umweltfreundlichen Netzeinspeisung eben auch in sich selbst versorgender Inselbetrieb möglich. Und im Vergleich zu Piezo-Elementen, die bei Krafteinwirkung Spannung erzeugen, oder Dynamos ist REPS nach Angaben seiner Entwickler um ein Vielfaches wirkungsvoller, was die Energieausbeute betrifft.
Mittlerweile haben er und Plattner begonnen, sich mit der Markteinführung auseinanderzusetzen. Bis es allerdings so weit ist, ist noch viel Arbeit und auch Geld nötig – bis hin zu Tests, wie weit sich die Bodenplatten bewegen dürfen, um noch von den Passanten akzeptiert zu werden, erklärt Huber. „Dürfen sie sich unter den Schritten spürbar senken oder sollte das besser so minimal ausfallen, dass es die Person gar nicht bemerkt?“, beschreibt Huber eine der Fragestellungen, die noch beantwortet werden muss. Denn je weniger Senkung geduldet ist, desto mehr Platten müssten eingesetzt werden.
Was u. a. noch alles zu bedenken ist, zeigt das Maut-Beispiel. Aus rechtlichen Gründen dürfe der Energiewandler nämlich nur dort eingesetzt werden, wo überschüssige Energie abgegriffen werden kann, die sonst verloren ginge. „Und das ist etwa beim Abbremsen wegen Geschwindigkeitsbeschränkungen, bei Gefälle und eben an Mautstellen der Fall“, erklärt Huber.