Protestaktion in Innsbruck: „Wohnen ist zu teuer“
720 Euro Miete für 21 m². – In Innsbruck wird mit viel Aktionismus gegen zu hohe Mietkosten mobilgemacht. Taten werden gefordert.
Innsbruck – Es sind nur ein paar Kreidestriche und Klebestreifen auf der Straße. Doch sie markieren den Grundriss einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit 42 m² in Innsbruck. Laut aktuellem Inserat kostet die Miete dafür 1174 Euro. Mehrere solcher Beispiele zierten gestern die Fallmerayerstraße mitten in Innsbruck – eine Protestaktion der Alternativen Liste Innsbruck (ALI).
„Der Wohnungsmarkt in Tirols Landeshauptstadt wird immer brutaler und unmenschlicher – die Politik steuert zu langsam entgegen.“ – Zu diesem Fazit kommt ALI und will bis zum Herbst mit einer Reihe von Aktionen und Kundgebungen ein Umdenken bewirken. „Wir brauchen eine Allianz für bezahlbaren Wohnraum und das geht nur gemeinsam, sonst sitzen wir auf der Straße“, sagt Initiator Mesut Onay.
Über Wochen habe man konkrete Beispiele aus Zeitungsinseraten gesammelt, um zu veranschaulichen, was zu welchem Preis am Markt ist: „Wir liegen jetzt bei einem Preis von bis zu 40 Euro pro m², das ist purer Wahnsinn. Wer bitte soll das noch zahlen können“, sagt Onay. Gemeinsam mit anderen „zeichnete“ er die Größe von Kleinwohnungen auf die Straße, um zu zeigen, wie viel Fläche man für wie viel Geld bekommt. Der Blick auf die abgezäunten Quadratmeter ist ernüchternd: Da gibt es eine 18-m²-Garçonnière in Innsbruck für 650 Euro Miete oder ein 14-m²-WG-Zimmer für 580 Euro mit dem Zusatz im Inserat „ideal für Berufstätige“.
Viele lässt diese Preisentwicklung nur noch den Kopf schütteln. „Seit 2008 sind die Mieten um 60 % gestiegen, das Einkommen aber nur um knapp 30 %“, sagt Mitorganisatorin Evi Kofler. Laut DOWAS – Durchgangsort für wohnungs- und arbeitssuchende Frauen – wurden im vergangenen Jahr 314 Frauen und 79 Kinder als wohnungslos erfasst. Diese Entwicklung unterstreiche die drastische Lage in Innsbruck. „Wohnen ist ein Grundrecht und gehört als solches auch verankert“, sagt einer der Aktionsteilnehmer. Weiters wird gefordert: eine Mietpreisobergrenze, ein leichterer Zugang für wohnungslose Menschen zu Stadtwohnungen, „fair gewidmetes“ Bauland sowie ein Verbot von spekulativem Wohnraumleerstand. (lipi, emf)