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Reise ins Burgenland: Der frühe Vogel ... wird Fotomodell

Im Burgenland etabliert sich derzeit ein junges Hobby – „Birding“, bei dem Geduld und Wecker gefragt sind. Waren Vögel einst Frühlingsboten, sind sie heute Stresstherapie.Text:

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Von Judith Sam

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Schwarz-weißes Gefieder – das ist ein Pinguin“, die 50-jährige Dame, die am Rand einer der 38 Salzlacken des Neusiedler Sees steht und mit dem Fernglas über den Horizont streift, ist bemüht, die Stimmung aufzulockern. Netter Versuch, doch ohne Erfolg. Die umstehenden 24 Vogelbeobachter, die sich um fünf Uhr morgens eingefunden haben, blicken skeptisch. „So opulent die Vogelpopulation im Burgenland sein mag – Pinguine sind nicht heimisch“, klärt einer der beiden Ornithologen auf, der nahe dem vom Tau nassen Schilf steht und die Frühaufsteher mit Anekdoten und Fakten unterhält.

Hinter ihm herrscht reges Treiben, wie in Kaufhäusern einen Tag vor Weihnachten. Doch statt zeternder Kinder und gestresster Mütter tummeln sich Hunderte Vögel, gackernd, fiepend und piepsend. Die einen tappen mit langen, dürren Haxerln über den Strand, die anderen stochern im Sand, auf der Suche nach Insektenlarven.

5 Hobbyornithologen verbringen Stunden beim Beobachten der Piepmätze und bei Exkursionen
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Tausende Euro im Anschlag

„Limikolen am Morgen“ lautet der Name der Exkursion. Diese Vögel, deren Gefieder ein weiterer Laie aus der Gruppe als cappuccinofarben bezeichnet, zählen zu den Attraktionen der Seewinkler Fauna. Um die Winzlinge zu erspähen, haben die Amateure Ferngläser der Ornithologen ausgeliehen. Wahre „Birder“ tragen ihr eigenes, Tausende Euro teures Equipment im Anschlag. Sie haben nicht zum Spaß lange vor Sonnenaufgang die Bettdecke gegen Gummistiefel eingetauscht. „Als ,Birder‘ bezeichnen sich Hobbyornithologen“, erklärt einer von ihnen, freilich ohne das Fernglas abzusetzen. Denn der Wiener Urlauber ist auf der Jagd nach der seltenen Großtrappe – nur für ein Foto, versteht sich. Ein zeitraubendes Unterfangen, das ihn seit Tagen beschäftigt.

Allzu nah darf man den scheuen Tieren im Nationalpark jedoch nicht kommen.
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Doch spätestens wenn seine Gelenke vom regungslosen Verharren, liegend am kalten Steinstrand, steif sind, widmet sich sogar der Vollblut-Birder den anderen Attraktionen des Burgenlands. Wie wäre es etwa mit einem Besuch bei Josef Haubenwallner? Auf den ersten Blick wirkt das Reich des pensionierten Gemeindearbeiters in Mönchhof etwas wirr. Links stehen Kutschen Spalier, rechts geflochtene Körbe, verstaubte Vasen, ein paar Meter weiter parkt ein Trabant vor einem Zollhäuschen samt heruntergelassener Schranke.

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Burgenlands Schilfgürtel bevölkern Hunderte Vogelarten.
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Abgetragen und aufgebaut

Das Konzept seines Dorfmuseums eröffnet sich erst, wenn der Neo-Kurator zu plaudern beginnt: „Seit meiner Kindheit sammle ich, was für andere an Wert verloren hat. Eines Tages war das Haus so voll, dass meine Frau in Sorge war, ob wir darin noch leben können.“ Kurzerhand wandelte der Burgenländer seinen Weingarten in ein Museum um, das aus 35 kleinen Häusern besteht. Die hat der Handwerker rund um den Ort aufgekauft oder geschenkt bekommen, abgetragen und in seinem Areal wieder aufgebaut.

Eine Lebensaufgabe, die Besucher auf eine Zeitreise entführt: „Die Fassaden und Einrichtungen habe ich nämlich unverändert übernommen.“ So spaziert man durch Werkstätten, in denen noch auf Feuer geschmiedet wurde, durch eine Schrotmühle, das Wohnhaus des dörflichen Viehhalters und eine urige Greißlerei.

Josef Haubenwallner entführt Besucher seines Museums auf eine Zeitreise.
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Zum Ende der Führung geleitet der Pensionist, der optisch ein wenig an den Weihnachtsmann erinnert, seine Gäste in sein Wirtshaus, um Kipferln, Schnaps und Marmeladen zu kredenzen.

Bei so viel selbst gemachtem Genuss ist es schwer, sich für das Abendessen loszureißen, doch es lohnt sich. Denn der naheliegende, 300 Quadratkilometer große Nationalpark ist nicht nur Heimat der Piepmatze, sondern auch freilebender Pferde, Wasserbüffel und Steppenrinder. Hölzerne Bänke laden dort zum Picknicken ein. Wem Fortuna hold ist, der kann dabei den Herden zusehen, wie sie zur Dämmerung unmittelbar an den Bänken vorbei vom Grasen zu den Stallungen traben. Ein ungewohntes Schauspiel, für die Augen ebenso wie für die Nase – jedenfalls bei den Büffelherden.


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