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Nie komplett aufgelöst: Nachlass Hilde Goldschmidt in Kitzbühel ausgestellt

Platz für Hilde Goldschmidt: „Kunst + Selbst“ hangelt sich anhand von Selbstporträts durch das Leben der Wahlkitzbühelerin.

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Selbstbildnis von 1947: Dem Werk von Hilde Goldschmidt widmete die RLB Kunstbrücke 2005 eine erste, umfassende Schau in Tirol.
© Museum Kitzbühel

Kitzbühel – Ohne Alfons Walde wohl auch kein Museum Kitzbühel – jedenfalls nicht in der aktuellen Form. Mit seinen Schifahrern, den „Almen im Schnee“ oder dem „Auracher Kirchl“ hat er nicht nur das Bild Kitzbühels, sondern auch jenes von ganz Tirol mitgeprägt. Die Sammlung Walde ist deshalb ganzjährig im Museum Kitzbühel zu sehen – auch nach der jüngsten Erweiterung des Hauses. In den neuen Räumen hat jetzt aber auch ein neuer Nachlass Platz, einer, der Walde auch Konkurrenz macht. Mit der Ausstellung „Kunst + Selbst“ zeigt das Museum Kitzbühel aktuell einen beeindruckenden Einblick in den Nachlass von Hilde Goldschmidt, der 2015 als Schenkung des Liechtensteiner Kunstsammlers Herbert Batliner ans Museum ging.

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Es ist damit sozusagen eine späte Heimkehr der Künstlerin, die 1897 in Leipzig geboren wurde und 1933 nach einer Verletzung beim Schifahren am Hahnenkamm beschloss zu bleiben. 1939 flüchtete die jüdische Künstlerin vor den Nationalsozialisten, was sie aber nicht davon abhielt, 1950 wieder zurückzukehren. Dieses Mal blieb sie bis zu ihrem Tod 1980.

Dementsprechend eng ist auch das Werk mit Kitzbühel verbunden, das zeigt die aktuelle Schau. Immer wieder blickt man dabei in das Gesicht der Künstlerin selbst, hangelt sich die von Michael Rainer kuratierte Ausstellung doch anhand von Selbstbildnissen durch das bewegte Leben der Künstlerin. Das eigene Gesicht und auch das Selbst als Künstlerin wird auf die Leinwand projiziert, in unterschiedlichen Stadien und stilistischen Ausformungen. Was mit expressivem Pinselstrich beginnt, löst sich zunehmend in geometrischen Strukturen auf. Nur nie ganz. Völlig abstrakt wird Goldschmidt auch in ihrer Spätphase nie. Einen repräsentativen Querschnitt durch ihr farbenprächtiges Oeuvre hält die Schau schon zum Beginn parat.

Aufsehenerregend geht es weiter, mit großformatigen Kohlezeichnungen, die ihr Lehrer Oskar Kokoschka sie als gezeichnetes Tagebuch fertigen ließ; oder mit feinen Zeichnungen der ersten Fackelumzüge durch Kitzbühel nach dem Anschluss Österreichs – hingeworfene Vorboten einer dunklen Zeit. Am Ende, wo Goldschmidts Antlitz komplett mit der Stadt verschmilzt, kehrt die Farbe zurück. Das Highlight bleibt Goldschmidts grafisches Werk, das mit dieser Schau erstmals umfassend zu sehen ist. (bunt)

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