Klimawandel

Schlimmste Dürre seit Jahrzehnten: Italien droht der Ausnahmezustand

Der Po, Italiens längster Fluss, hat einen historisch tiefen Wasserstand erreicht.
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Wasser könnte in Italien aufgrund der aktuellen Dürre tagsüber rationiert werden. In mehreren Teilen des Landes wird das Wasser in der Nacht bereits abgestellt. Die Folgen für die Landwirtschaft sind gravierend.

Rom – Der Klimawandel zeigt seine Auswirkungen. In Italien wird bereits am Beginn der Sommersaison das Wasser zum knappen Gut. Das Land kämpft angesichts drückender Hitze gegen die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten.

Jetzt überlegt man den Ausnahmezustand auszurufen. So könnte das Wasser auch tagsüber rationiert werden, erklärte Zivilschutzchef Fabrizio Curcio. In mehreren Teilen Italiens wird das Wasser bereits in der Nacht abgestellt.

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„Die Situation ist im ganzen Land schwierig. Es gibt besonders betroffene Gebiete wie die Ebene des Flusses Po, die östlichen Alpen und einige Regionen in Mittelitalien. Das Problem ist jedoch auf gesamtstaatlicher Ebene verbreitet“, erklärte Curcio. Der Po, mit seinen über 600 Kilometer längste Fluss Italiens, hat einen historisch tiefen Wasserstand erreicht. Auch der Wasserspiegel des Lago Maggiore und des Gardasees liegen deutlich tiefer als sonst für diese Jahreszeit üblich.

Niederschläge um die Hälfte zurückgegangen

In diesem Jahr seien die Niederschläge um 50 Prozent geringer im Vergleich zum Durchschnitt der vergangenen Jahren gewesen, bei den Schneefällen betrage der Rückgang sogar 70 Prozent. Die Folgen der Wasserknappheit seien gravierend für die Landwirtschaft. Der Landwirteverband Coldiretti warnt vor einer schlechten Ernte. Betroffen ist auch die Fischerei und die Stromproduktion. Wasserkraftwerke gibt es vor allem in den Bergen im Norden des Landes. Sie liefern normalerweise ein Fünftel des in Italien benötigten Stroms. Seit vergangenem Sommer aber gehe die Produktion zurück, sagte ein Sprecher von Utilitalia. Das ist aktuell ein Problem, weil auch Italien die Gas- und Öllieferungen aus Russland stark zu verringern versucht.

Auch Brände belasteten das Land. Seit dem 15. Juni seien über 200 Feuer gemeldet worden, im Vergleichszeitraum 2021 waren es 80 und im Jahr 2020 nur 30. „Wenn Brände bei so starker Trockenheit ausbrechen, ist der Kampf gegen die Flammen besonders schwierig“, so Curcio. Von den Feuern betroffen ist die süditalienische Region Apulien. 250 Hektar wurden von einem Brand nördlich von Bari zerstört. In den letzten sechs Monaten sind im Land mehr als 9000 Hektar in Rauch aufgegangen, mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der letzten Jahre.

Fünf Grad zu warm

Die Hitzewelle wird wohl noch mindestens zehn Tage lang andauern, warnen Meteorologen. Mindestens bis zum 4. und 5. Juli soll der afrikanische Hochdruck anhalten, mit einigen vereinzelten Gewittern nur in den Alpen und im Nordwesten.

Im Mittelmeerraum wurden bereits fünf Grad Celsius über dem Durchschnitt gemessen. Für die nächsten Tage werden keine nennenswerten Niederschläge erwartet, erklärte der Meteorologe Mattia Gussoni. Die extreme Trockenheit, die im Norden, in der Toskana, im Latium, in Apulien und in Kalabrien herrscht, werde sich noch verschlimmern. (APA, TT)

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