USA

Zeugin aus Stab: Trump wusste von bewaffneten Anhängern vor Kapitol-Sturm

Der Ausschuss blickt auf den Tag zurück, an dem Trump-Anhänger das Kapitol stürmten.
© ANNA MONEYMAKER

Eine Mitarbeiterin von Donald Trumps Stabschef sagte vor dem U-Ausschuss zum Sturm auf das Kapitol aus. Cassidy Hutchinson zufolge wusste Trump von Waffen unter seinen Anhängern und schickte diese dennoch zum Kapitol. Er forderte sogar den Abbau von Metalldetektoren.

Wahington – Neue explosive Aussagen vor dem Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung in Washington: Der frühere US-Präsident Donald Trump hat nach Angaben einer Zeugin damals versucht, dem Fahrer seiner Präsidenten-Limousine das Lenkrad zu entreißen und zu seinen Anhängern zum Kapitol zu fahren. Nach einer Rede vor seinen Anhängern sei Trump in seinen Wagen gestiegen, sagte Cassidy Hutchinson am Dienstag vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss in Washington.

Trump habe vor der Rede an seine Anhänger an diesem Tag von Waffen im Publikum gewusst, sagte Hutchinson. "Es ist mir egal, ob sie Waffen haben – sie sind nicht hier, um mich zu verletzen. Sie können von hier aus zum Kapitol marschieren. Nehmt die verdammten Metalldetektoren weg", zitierte Hutchinson Trump. Sie gab an, diese Worte von ihm kurz vor seiner Rede gehört zu haben. Wenn ein Präsident eine Rede hält, verlangt der Personenschutz, dass die Anwesenden Metalldetektoren passieren.

Dem Präsidenten sei nach der Rede gesagt worden, dass er sich nun nicht seinen Anhängern anschließen könne, die sich zum Sturm auf das Kapitol versammelt hatten. Daraufhin habe Trump zu seinem Fahrer gesagt: "Ich bin der verdammte Präsident – fahren Sie mich sofort zum Kapitol." Hutchinson, die sich bei ihrer Aussage auf Berichte eines anderen Regierungsbeamten berief, gehörte zum inneren Zirkel im Weißen Haus und war Assistentin von Trumps Stabschef Mark Meadows.

Nach ihren Schilderungen äußerte der Rechtsvertreter des Weißen Hauses, Pat Cipollone, in dieser Situation erhebliche rechtliche Bedenken, sollte sich Trump dem Marsch seiner Anhänger auf das Kapitol anschließen. "Uns wird jedes erdenkliche Verbrechen vorgeworfen werden, wenn das passiert", zitierte Hutchinson den Berater.

Sie berichtete zudem, Trump und seinen Gefolgsleuten sei vor dem 6. Jänner 2021 klar gewesen, dass es zu Gewalt kommen könne – damit widersprach sie der Darstellung des Trump-Lagers, der Sturm seiner Anhänger auf das Kapitol sei spontan gewesen und die scheidende Regierung habe damit nichts zu tun gehabt. Vielmehr sagte Trump laut Hutchinson vier Tage vor den Ereignissen: "Die Dinge können richtig, richtig schlimm werden am 6. Jänner."

Trump hatte nach seiner Niederlage bei der Präsidentschaftswahl im November 2020 alle Hebel in Bewegung gesetzt, um an der Macht zu bleiben. Er und sein Umfeld verbreiteten unter anderem durch nichts belegte Wahlbetrugsvorwürfe.

Trauriger Tiefpunkt der Kampagne war der Sturm Hunderter radikaler Trump-Anhänger auf das Kapitol, als dort der Wahlsieg von Joe Biden zertifiziert werden sollte. Die Ausschreitungen mit fünf Toten sorgten weltweit für Entsetzen. Der Untersuchungsausschuss zur Kapitol-Erstürmung hält derzeit eine Reihe öffentlicher Anhörungen ab, um die damaligen Vorgänge aufzudecken. (APA, dpa)

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