Kino

„The Princess“: Von Märchenbildern und Skandalgeschichten

Diana Spencer (im Bild: 1996 in Washington) versuchte ihr Bestes, um dem Bild der Prinzessin der Herzen gerecht zu werden.
© Polyfilm

Dokumentarfilmer Ed Perkins erzählt mit „The Princess“ das Leben der „Prinzessin des Volkes“ Diana mit Archivbildern kritisch nach.

Von Marian Wilhelm

Innsbruck – Prinzessin zu sein, ist oft wenig märchenhaft. Das musste auch Diana Spencer erfahren, als sie mit nur 20 Jahren den britischen Thronfolger Charles heiratete. Damit wurde ihr schlagartig ein übertriebener Promi-Status übergestülpt, der sie 16 Jahre später das Leben kosten sollte. Pünktlich zu Dianas Geburtstag am 1. Juli und zu ihrem 25. Todestag Ende August rollt die Doku „The Princess“ dieses öffentliche Leben neu auf.

Regisseur Ed Perkins war elf Jahre alt, als Lady Di in Paris ums Leben kam. Nun präsentiert er einen ebenso konsequenten wie geschickten Rückblick: Ähnlich wie Asif Kapadia in seinen Dokus über Amy Winehouse oder Diego Maradona zeichnet er lediglich mit Archiv-Material aus der Zeit ein Leben nach, das durch die Öffentlichkeit geprägt und getrieben war – im Guten wie im Schlechten.

Von der Verlobung und Traumhochzeit über die Prinzen-Geburt bis zur Trennung und zum tragischen Unfall-Tod liefern Fernsehbilder samt vielstimmigem zeitgenössischen Audio-Kommentar jene Oberfläche, die wir von Lady Di kennen. Die Montage ist von der zeitlichen Distanz und ihrer respektvollen Neubewertung der Person Diana allerdings bereits getragen. Die Doku kommt Diana somit näher, als es viele Medien der damaligen Zeit waren, etwa wenn es um Charles’ Affäre geht.

🎬 Trailer | „The Princess“

Der Druck der Öffentlichkeit und die von Frauenfeindlichkeit getragenen, toxischen Kampagnen der Boulevard-Presse sind das tiefere Thema dieser Dokumentation, das auch heute und gerade hierzulande kaum an Relevanz verloren hat. Es gehe ihm auch um „eine Debatte über Privatsphäre und den Celebrity-Kult“, meint Regisseur Perkins, „interessanter finde ich, was Dianas Geschichte über uns alle aussagt“.

Der Film streicht daher immer wieder Stimmen von einfachen Menschen auf der Straße hervor, die diese gnadenlose Jagd auch als solche benennen. Die royalen Storys sollen sie von ihren politisch-existenziellen Problemen in den Ausläufern der späten Thatcher-Jahre ablenken. Sie geben den Society-Journalisten nicht nur einmal direkt in die Kamera Kontra: „Lasst sie in Ruhe!“ und „Ihr von der Presse habt sie umgebracht!“

Die Dramaturgie der Überhöhung als Heilige, an der auch die handelnden Personen einer anachronistischen Monarchie ihren Anteil haben, wird hier im Rückblick deutlich. Die „Prinzessin des Volkes“ wird unter Druck schnell zum Stoff für Skandale und Projektionen medialer Emotionalisierung und „The Princess“ zur Collage dieser ungesunden Obsession.

Auch wenn Diana Spencer ein märchenhaftes Happy End verwehrt blieb, geben ihr die in Sundance präsentierte Doku oder zuletzt auch Pablo Larraíns oscarnominierter Spielfilm „Spencer“ eine Würde zurück, die ihr die Medien entreißen wollten. Gerade im Doppel mit der von Kristen Stewart verkörperten privaten Spielfilm-Geschichte und den historischen, öffentlichen Bildern in „The Princess“ entsteht das Bild einer Frau, die die Rolle der Prinzessin spielen musste.

The Princess. Ab dieser Woche im Kino. Das Leokino zeigt am 1. Juli ein Double-Feature mit „Spencer“.

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