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Unwetter in Kärnten: Muren trafen Häuser, ein Vermisster tot gefunden

Für die Gemeinde Treffen am Ossiacher See und Arriach (Bezirk Villach-Land) wurde aufgrund heftiger Unwetter und Überflutungen Zivilschutzalarm ausgelöst. Muren verschütteten Häuser teils bis zum ersten Stock, viele sind nicht erreichbar. Eine der zwei vermissten Personen wurde tot aufgefunden.

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In Treffen am Ossiacher See wurde noch in der Nacht ein Zivilschutzalarm ausgegeben.
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Treffen – Schwere Unwetter haben in der Nacht auf Mittwoch ganze Ortschaften im Bezirk Villach-Land verwüstet. Bäche im Gegendtal traten über die Ufer, Muren gingen ab und verschütteten die Häuser teils bis zum ersten Stock. Von zwei vermissten Personen wurde am Nachmittag eine als tot bestätigt.

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Polizeisprecherin Waltraud Dullnigg bestätigte den Fund auf einen Medienbericht: "Die Bergung ist gerade erst im Gange." Der für den Katastrophenschutz zuständige Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) sagte, es handle sich um einen 82-Jährigen. Er dürfte das Haus in Treffen verlassen und von einer Mure erfasst worden sein.

​📽️​ Video | Heftige Überflutungen

Von einem zweiten Vermissten war zu Mittag weiter nichts bekannt. Es gab Meldungen über eine Person, die im Auto zunächst stecken geblieben und dann mitgerissen worden sein soll.

Zehn bis 15 Menschen, die in ihren vermurten Häusern eingeschlossen waren, wurden am Vormittag mit Hubschraubern geborgen, sagte Riepan. Andere vom Unwetter Betroffene zogen es vor, in ihren Häusern zu bleiben, etwa wenn die oberen Stockwerke weiter bewohnbar waren. Wie viele Menschen in der Region durch die vermurten Straßen zuhause festsaßen, könne man nur schätzen, sagte der Bezirkshauptmann. Notquartiere brauche es derzeit nicht.

Spur der Verwüstung in Kärnten

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In Treffen am Ossiacher See und in der Gemeinde Arriach war noch in der Nacht eine Zivilschutzwarnung ausgegeben worden. Die Bewohner wurden aufgefordert, in den Häusern zu bleiben - im Freien herrsche Lebensgefahr. In der gesamten Region waren Straßen unpassierbar oder teilweise weggerissen. Einen Überblick über das genaue Ausmaß der Schäden zu erhalten sei schwierig, erklärte der Bezirkshauptmann Bernd Riepan: "Wie viele Häuser betroffen sind, kann man wohl erst morgen oder überhaupt erst in den nächsten Tagen abschätzen. Was man allerdings schon jetzt sagen kann: Die Schäden sind enorm." Mehrere Personen, die in ihren Häusern eingeschlossen waren, wurden am Mittwochvormittag mit Hubschraubern geborgen.

Hauptaufgabe sei es vorerst, die wichtigsten Straßen freizubekommen. "Mitten in Treffen ist die Straße blockiert, weil der Pöllingerbach über die Ufer getreten ist", erklärte Riepan. Bis diese Blockaden beseitigt sind, habe es auch wenig Sinn, weitere Kräfte anzufordern - sie würden schlicht und einfach nicht ins Einsatzgebiet kommen. Zwölf Bagger waren vorerst damit beschäftigt, die verschütteten Straßen freizubekommen.

Viele Orte wegen Vermurungen nicht erreichbar

"Der Großraum Treffen ist komplett überflutet und vermurt", sagte Hans-Jörg Rossbacher von der Landesalarm- und Warnzentrale (LAWZ) Mittwochfrüh. Ein Einsatzstab wurde einberufen, er tagte im Feuerwehrhaus in Treffen. In den frühen Morgenstunden startete ein Polizeihubschrauber zu Erkundungsflügen, auch das Bundesheer wurde angefordert: Vorerst waren zwei Kompanien der Villacher Pioniere mit schwerem Pioniergerät bereitgehalten.

📽️ Video | Kärntner Ort "komplett überflutet und vermurt"

Seit 4 Uhr stand das Rote Kreuz im Einsatz, sagte Rot-Kreuz-Sprecherin Melanie Reiter. Was den Einsatz aber enorm erschwert, sind die Vermurungen: „Ab dem Feuerwehrhaus Treffen kommt man nicht mehr weiter. Es kommt kein Fahrzeug durch, man braucht schweres Gerät." Neben der Katastrophenhilfsmannschaft ist das Rote Kreuz auch mit einem Kriseninterventionsteam im Gegendtal.

Alle Straßen nach Arriach unpassierbar

Die Gemeinde Arriach ist nach den schweren Unwettern von der Außenwelt abgeschnitten. Bürgermeister Gerald Ebner (FPÖ) sagte am Mittwochvormittag gegenüber der APA: "Alle Verbindungsstraßen sind weggeschwemmt." In der Gemeinde herrscht Zivilschutzalarm, gearbeitet wird im Notbetrieb. "Wir versuchen, die Lage irgendwie in den Griff zu bekommen. Aktuell warten wir auf schweres Gerät des Bundesheeres, das wir dringendst benötigen."

Auch innerhalb der Gemeinde sind Verkehrswege unpassierbar. Ebner: "Einige Höfe sind derzeit nicht einmal zu Fuß erreichbar." Hauptsächlich Feuerwehrleute versuchen nun, mit den abgeschnittenen Haushalten Kontakt aufzunehmen. Bisher habe er keine Berichte über Vermisste in seiner Gemeinde, sagte Ebner.

Wie lange es noch dauern wird, bis das Bundesheer nach Arriach vordringen kann, war zunächst unklar, wie Sprecher Christoph Hofmeister sagte. "Wir kämpfen uns durch." 100 Soldaten der Villacher Pioniere seien derzeit im Einsatz. "Schritt für Schritt" versuche man, die Straße ins Gegendtal frei zu bekommen. Schweres Gerät ist im Einsatz, Schaufler und Soldaten mit Motorsägen, um die umgestürzten, in einander verkeilten Bäume zu beseitigen.

7500 Haushalte ohne Strom

Gemeinde-, Landes- und Bundesstraßen wurden verlegt. Vor allem die Ortschaften Winklern, Afritz, Äußere Einöde, Klamm und Töbring waren betroffen. Die Menschen wurden angewiesen, sich im ersten Stock ihrer Häuser in Sicherheit zu begeben und abzuwarten, bis sich die Situation entspannt. Laut Landesalarm- und Warnzentrale halten sich aber manche nicht daran. Sich in den betroffenen Gebieten zu bewegen sei sehr gefährlich, warnen die Einsatzkräfte. 7500 Haushalte rund um Villach und im Gegendtal waren Mittwochfrüh noch ohne Strom.

Hochwasser wie zuletzt vor 30 Jahren

Ausgelöst worden waren Muren und Überflutungen durch heftigen Regen in der Nacht. Laut Wetteraufzeichnungen fiel allein in der Zeit von 2 bis 6 Uhr 117 Liter Niederschlag pro Quadratmeter – damit regnete es innerhalb von vier Stunden so viel wie ansonsten innerhalb von mehreren Wochen. Der Pöllinger Bach und der Treffner Bach traten an mehreren Stellen über die Ufer. Es gab Hochwasser wie zuletzt vor 30 Jahren. Das Wasser führte Schlamm, Geröll und Baumstämme mit.

Bürgermeister Klaus Glanznig sagte Mittwochfrüh gegenüber dem ORF Kärnten, der Krisenstab tage und werde die Einsatzkräfte von Bundesheer, Rotes Kreuz, Bergrettung und Feuerwehren entsprechend aufteilen.

Straßensperren

  • B98, Millstätter Straße, zwischen Treffen und Klamm: Die Fahrbahn ist überflutet. Sie werden über Krastal umgeleitet.
  • Die Ossiacherbahnstrecke ist zwischen Feldkirchen und Villach unterbrochen. Die Gleisanlagen sind überschwemmt. Es fahren ersatzweise Busse.

Es gehe darum, möglichst rasch verschlammte und mit Steinen verlegte Straßen zu räumen. Diese seien vielfach nicht mit Fahrzeugen befahrbar, so Glanznig. Verstärkung sei im Anrücken. Auch die Pioniere in Villach werden zur Unterstützung erwartet.

Starkes Gewitter bereits am Dienstag

Bereits am Dienstagabend hatten die Unwetter in Kärnten begonnen, in Villach, den Bezirken Villach-Land und Feldkirchen sowie rund um den Millstätter See und in Bad Kleinkirchheim rückten 70 Feuerwehren zu 150 Einsätzen aus. Besondere Probleme bereitete Sturm mit teilweise orkanartigen Böen. Bäume stürzten um und ganze Dächer wurden abgedeckt. Laut Polizei wurden auch Stromkabel gekappt. Wie zum Beispiel in Ferlach: Durch einen Blitzschlag stürzte eine 15 Meter hohe Linde auf eine Oberstromleitung. Durch die Zugkraft der niedergedrückten Stromleitung wurden die Dächer von zehn Gebäuden beschädigt, indem die Dach-Stromhalterungen ausrissen. (TT.com)

Zivilschutzalarm auch in Tamsweg

Auch in Tamsweg (Lungau) ist am Mittwochvormittag Zivilschutzalarm ausgelöst worden. Der Leißnitzbach – ein kleinerer Bach im Ortszentrum – führte Hochwasser und drohte über die Ufer zu treten. Die Anrainer wurden aufgefordert, in den Häusern zu bleiben, Tiefgaragen und Keller nicht zu betreten und sich von den Ufern sowie Brücken fernzuhalten.

Die Einsatzkräfte nutzten am Nachmittag eine kurze Niederschlagspause, um mit Kränen Verklausungen zu lösen und Geröll aus dem Bachbett zu baggern. Außerdem wurden entlang der Ufer Dämme mit Sandsäcken errichtet. Im unteren Marktbereich gebe es viele Brücken, die die Gefahr von Verklausungen begünstigen würden, sagte Abschnittsfeuerwehrkommandant Harald Graggaber. "Wir beobachten die Situation ganz genau."

Alleine aus Tamsweg wurden 18 Schadstellen gemeldet, vier Wohngebäude standen teilweise noch unter Wasser. Im Recyclinghof wurden Problemstoffe so umgelagert, dass sie bei einer Überflutung keine Gefahr darstellen. Der Zivilschutzalarm für die Gemeinde blieb bis in den Abend hinein aufrecht. Mit 17.30 Uhr wurde der Alarm schließlich aufgehoben, teilte das Landesmedienzentrum Salzburg in einer Aussendung mit.

Schon seit Dienstagabend haben im Lungau Gewitter und starke Regenfälle für zahlreiche, zunächst kleinere Einsätze gesorgt. Bäche traten über die Ufer, es gingen mehrere Muren auf Straßen ab und es gab Verklausungen an Bächen. Vor allem die Freiwilligen Feuerwehren Ramingstein und Tamsweg waren mit Aufräum- und Pumparbeiten beschäftigt, auch in der Gemeinde Göriach wurde ein Murenabgang gemeldet, der in einem Hüttendorf 16 Personen von der Außenwelt abschnitt. "Es besteht telefonischer Kontakt und alle sind wohlauf. Es besteht aus derzeitiger Sicht keine unmittelbare Gefahr. Mit schwerem Gerät wird hier versucht, die Zufahrt wieder freizubekommen", teilte das Land Salzburg mit.

Erschwerend für die Einsatzkräfte im Bezirk kam hinzu, dass am Aineck in St. Margarethen eine Almhütte nach einem Blitzschlag in Brand stand. Während der Fahrt zu einem Einsatz ist am Mittwoch auch ein Fahrzeug der Feuerwehr Ramingstein schwer verunglückt. Laut Polizei war der 23-jährige Lenker wegen einer Vermurung auf den daneben liegenden Mur-Radweg ausgewichen. Dabei kam er aus noch unbekannter Ursache vom Weg ab und stürzte über eine rund 30 Meter hohe Böschung ab. Dort kam das Löschfahrzeug neben den Gleisen der Murtalbahn zum Stillstand. Alle sechs Insassen wurden verletzt und ins Krankenhaus Tamsweg gebracht. Wie Feuerwehrkommandant Graggaber sagte, erlitten seine Kollegen großteils leichtere Verletzungen wie Rissquetschwunden oder Rippenbrüche. Lebensgefahr bestehe nicht. Am Feuerwehrauto entstand Totalschaden.

Am Nachmittag sollte eine Drohne die Schadensstellen in den betroffenen Gemeinden abfliegen, um eventuell weitere lauernde Gefahren zu erkennen. "Wir verzeichnen derzeit noch laufend Folgeeinsätze, etwa wegen verklauster Gräben", sagte Graggaber gegen 16.30 Uhr. Im gesamten Lungau standen am Nachmittag rund 100 Feuerwehrleute im Einsatz, rund 80 davon in Tamsweg.

Für Behinderungen sorgten die Unwetter auch im Verkehr: Aufgrund der Murenabgänge waren die B96 zwischen der Landesgrenze zur Steiermark und Tamsweg sowie die B95 im Bereich Einöd zwischenzeitlich in beide Fahrtrichtungen gesperrt. Sie waren nach mehreren Stunden aber zumindest einspurig wieder befahrbar.

Auch die Murtalbahn stellte am Mittwoch den Betrieb ein. "Es wurde nach den Unwettern der letzten Nacht eine Erkundungsfahrt durchgeführt, dabei wurde festgestellt, dass es mehrere Gleisblockaden durch leichte Vermurungen gab", sagte Markus Griesangerl vom Bahnbetreiber Steiermarkbahn. "Steine, Erde und kleinere Bäume sind auf die Schienen abgegangen, an einer Stelle wurde das Gleisbett leicht unterspült." Es wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet, die Sperre galt vorerst bis 18 Uhr.


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