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Gut zu wissen: Neuwagen ab 2035 nur noch emissionsfrei – und was das heißt

In der Europäischen Union sollen nach dem Willen der EU-Länder ab 2035 nur noch emissionsfrei betriebene Neuwagen verkauft werden.
© Patrick Pleul

In rund 13 Jahren sollen Neuwagen in der EU emissionsfrei sein. Nach stundenlangen Verhandlungen haben sich die EU-Umweltminister und -ministerinnen am Mittwoch in Luxemburg für den entsprechenden Schritt ausgesprochen. Was bedeutet diese Entscheidung für Autofahrerinnen und Autofahrer? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was haben die EU-Länder genau beschlossen?

Die EU-Staaten einigten sich darauf, dass die sogenannten Flottengrenzwerte für Autos bis 2035 auf null sinken sollen. Diese geben Autoherstellern vor, wie viel CO2 ihre produzierten Fahrzeuge im Betrieb ausstoßen dürfen. Konkret bedeutet das, dass CO2-ausstoßende Benzin- und Diesel-Fahrzeuge wahrscheinlich immer mehr durch Elektrofahrzeuge ersetzt werden.

Kann ich nach 2035 noch mit meinem Verbrennerauto fahren?

Ja. Eingeschränkt würde bei Inkrafttreten des Gesetzes nur der Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Zwar geht es bei den Flottengrenzwerten um den Ausstoß von Klimagasen, während das Auto gefahren wird, die Null-Emissionsvorgabe würde aber nicht für Privatpersonen gelten.

Was passiert mit meinem alten Verbrenner?

Bereits zugelassene Fahrzeuge wären von dem Vorhaben nicht betroffen. Wie sich eine Entscheidung auf die Preise für gebrauchte Verbrenner auswirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Das zeigt sich auch daran, dass die Preise für Gebrauchte in jüngerer Vergangenheit enorm gestiegen sind. Treiber waren und sind vor allem Corona, ein Mangel an Mikrochips und weiteren Teilen. Ein Verkaufsverbot für gebrauchte Autos mit Verbrennungsmotor ist nicht vorgesehen.

Kommen die Einschränkungen auf jeden Fall?

Das ist sehr wahrscheinlich, vor allem weil auch das EU-Parlament noch etwas deutlicher in seiner Position ist. Die beiden EU-Institutionen müssen sich im nächsten Schritt auf einen Kompromiss zu dem Vorhaben einigen. Es könnte also noch zu Änderungen kommen.

Ist der nächste Schritt ein Fahrverbot für Verbrenner?

Davon ist nicht auszugehen. Pläne, um Autos mit Verbrennungsmotor komplett von Straßen zu verbannen, sind nicht bekannt. Realistischer ist es, dass durch ein Verkaufsverbot Verbrenner automatisch immer seltener werden.

Welche Länder wollten schon vor 2035 aus Verbrennungsmotoren aussteigen?

In manchen Ländern gibt es bereits seit einiger Zeit ein Ausstiegsdatum: Norwegen zum Beispiel will ab 2025 keine Verkäufe von Fahrzeugen mit klassischen Benziner- oder Dieselantrieben mehr zulassen. Großbritannien, Schweden, Dänemark, die Niederlande und Belgien peilten dafür zuletzt das Jahr 2030 an.

Wie reagieren Autobauer auf die Einigung?

Unterschiedlich. Volkswagen-Chef Herbert Diess sagte: "Es kann kommen - wir sind am besten vorbereitet." Der Manager verwies auf die schon angebotenen und noch geplanten Elektromodelle sowie die Strategien für eine eigene Batteriezellfertigung und mehr eigene Software. BMW-Vorstandschef Oliver Zipse hält das Verbot hingegen für falsch. "In der heutigen Zeit alles auf eine Karte zu setzen, ist ein industriepolitischer Fehler", sagte Zipse

Kritik am Beschluss kam auch Vom Verband der Automobilindustrie. Der VDA bemängelte, dass es in Europa nach wie vor nicht genügend Ladestationen für Elektroautos gebe. Die Einigung aus der Nacht sehe immer noch ein faktisches Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennermotoren ab 2035 vor. „Zu E-Fuels scheint es nur für eine Absichtserklärung gereicht zu haben, deren Umsetzung offen ist“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller.

Wie reagieren Umweltschützer und Autofahrerclubs?

Greenpeace Österreich sprach von einem "wichtigen Signal", aber eben zu spät, um das 1,5-Grad-Ziel im Verkehr zu erreichen und Europas Abhängigkeit vom Öl schnell zu beenden. "Das Luftschloss E-Fuels, das auf den letzten Verhandlungsmetern von fossilen Lobbys eingeschleust wurde, bremst zudem den anstehenden Umbau der Autoindustrie, führt Verbraucherinnen und Verbraucher in die Irre und wirft den Klimaschutz zurück", so Greenpeace-Verkehrsexpertin Klara Maria Schenk.

Kritik kam auch von deutschen Umweltschutzorganisationen. „E-Fuels sind eine Scheinlösung, sie sind ineffizient, nicht automatisch klimaneutral und werden auf absehbare Zeit teuer sowie begrenzt verfügbar bleiben“, sagte Antje von Broock, Geschäftsführerin des BUND.

Der ÖAMTC sieht in der Einigung "mehr Wunschdenken als Realitätssinn". "Denn nicht nur, dass es in vielen EU-Mitgliedsstaaten erheblichen Zweifel an dem rechtzeitigen und ausreichenden Ausbau der Ladeinfrastruktur gibt. Der prognostizierte Preisverfall für E-Autos scheint aufgrund der Rohstoffknappheit auszubleiben. Außerdem stellt sich die Frage, ob Europa mit Elektromobilität seine Abhängigkeit von zahlreichen Erdölproduzenten gegen eine ausschließliche Abhängigkeit von China eintauscht", so Bernhard Wiesinger.

Welche Positionen haben Grüne und ÖVP?

Die österreichische Regierung hatte sich in der Frage zuletzt nicht ganz einig gezeigt. Die ÖVP hatte es mit einem Ende der Verbrenner nicht so eilig, während Gewessler für ein Verbot ab 2035 eintrat. Österreich sei beim Thema E-Mobilität schon Vorreiter und wolle das auch bleiben, und es werde daher das Ziel auch früher erreichen als 2035, sagte die Umweltministerin in Luxemburg.

Gewessler meinte, dass der Gipfel ein wichtiges Signal gesendet habe: "Die Wirtschaft bekommt klare Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Und wir schützen unser Klima und unsere Unabhängigkeit, indem wir aus fossilen Energien aussteigen. Das habe ich lange gefordert - und jetzt ist es Realität."

Die Zustimmung zu E-Fuels verteidigte die Ministerin: "Damit alle Mitgliedstaaten zustimmen konnten, war es notwendig. heute einen Verweis aufzunehmen, dass es zu einem späteren Zeitpunkt einen Vorschlag für die Verwendung von E-Fuels in einem beschränkten Geltungsbereich außerhalb der Flottenstandards geben wird. Ich halte das für einen gangbaren Ausweg. Nur so war es möglich, dieses große Paket zu fixieren."

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