Stromproduktion

Lange Verfahren bremsen Ausbau von erneuerbaren Energien

Genehmigungsverfahren für neue Windkraftanlagen dauern in Österreich nicht selten länger als acht Jahre.
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Auch fehlende Monteure und Komponenten bremsen den Ausbau. Die neue Marktprämienverordnung steht vor dem Start.

Wien – 27 Milliarden Euro wollen die heimischen Energieunternehmen bis 2030 in den Ausbau der erneuerbaren Energie investieren, um bis 2030 unabhängig von fossilen Energieträgern zu werden. Die Akzeptanz in der Bevölkerung für die Errichtung neuer Wasser- und Windkraftanlagen ist nicht zuletzt auf Grund der aktuell hohen Energiepreise stark gestiegen. Allerdings bremsen lange Genehmigungsverfahren, fehlende Komponenten und der Fachkräftemangel die Erreichung der österreichischen Klimaziele aus, wie Experten bei einer Diskussion in Wien gestern aufzeigten.

„Unsere Unternehmen investieren“, allerdings würden sich die langen Verfahren als „Spaßbremse“ erweisen, sagte Verbund-Chef Michael Strugl, der auch Präsident des Interessenverbandes der heimischen Energieunternehmen Oesterreichs Energie ist, welcher zur Diskussion eingeladen hatte. Strugl verwies auf eine EU-Richtlinie, wonach Verfahren für erneuerbare Energieprojekte nicht länger als ein Jahr dauern sollen. „Wenn wir das nur annähend schaffen würden, können wir unsere Ziele erreichen.“ Aktuell würden sich in Österreich allerdings die Verfahren für die Errichtung eines Windrades bis zu acht Jahre in die Länge ziehen und jene für Wasserkraftanlagen noch länger. Den Vorstoß von Klimaministerin Leonore Gewessler, die UVP-Verfahren verkürzen zu wollen, sehe er deshalb positiv.

Für eine rasche Umsetzung verkürzter UVP-Verfahren plädierte auch der niederösterreichische Landeshauptfraustellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP). Vor allem zahlreiche Einsprüche gegen neue Energieprojekte sorgen immer wieder dafür, dass sich neue Energieprojekte in die Länge ziehen würden. Pernkopf plädiert daher dafür für bestimmte Projekte ein „übergeordnetes öffentliches Interesse der Versorgungssicherheit“ der Bevölkerung geltend zu machen.

Insgesamt sei die Akzeptanz in der Bevölkerung für erneuerbare Energieprojekte zuletzt stark gestiegen, erklärte Jürgen Schneider, Sektionschef im Klimaschutzministerium. „Uns werden die Türen eingerannt“, sagte Schneider mit Verweis auf die stark gestiegene Zahl der Anträge zur Errichtung neuer Anlagen. „Die Kapazität wird derzeit eher vom Mangel an Personal für die Montage und fehlenden Komponenten begrenzt.“

Der Erneuerbarenausbau soll auch durch die neue Marktprämienverordnung befeuert werden, die gestern in Begutachtung geschickt wurde, wie Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne) erklärte. „Die Kraftwerke, die durch diese Verordnung ermöglicht werden, erzeugen jährlich 4,5 Milliarden Kilowattstunden heimischen Ökostrom. Damit erspart sich Österreich nicht nur 1,5 Millionen Tonnen CO2 jährlich, sondern auch den Import von fossiler Energie“, so das Ministerium in einer Aussendung. Anders als bei der Investitionsförderung werde man bei der Marktprämie keinen Zuschuss zur Errichtung der Anlagen gewähren, sondern im Fall zu niedriger Marktpreise einen Zuschuss zur Erzeugung. (ecke)

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