Tirol

Energie-Tirol-Chef Oberhuber: „Auf jedes Dach muss eine Solar-Anlage“

Alois Vahrner (l.) stellte Bruno Oberhuber die großen (Energie-)Fragen der Gegenwart.
© Rita Falk

Bruno Oberhuber, Chef der Energie Tirol, sprach im TT-Talk über die Energiewende, nötige Debatten und neuen Komfort.

Innsbruck – Das Thema brennt – im wörtlichen Sinn: Wie werden wir kommenden Winter heizen? Wo kann Energie gespart, wo erzeugt werden? Ist die Energiewende rechtzeitig zu schaffen?

Alois Vahrner, Chefredakteur der Tiroler Tageszeitung, begrüßte am Donnerstag Bruno Oberhuber, Geschäftsführer der Energie Tirol, zum Perspektivengespräch in Innsbruck. Und die Perspektiven – sie sind durchwachsen. Österreich ist bekanntlich stark von russischem Gas abhängig.

Video | TT-Perspektiven-Talk mit Bruno Oberhuber

Andererseits „gibt es aus Russland keine anderen Leitungen als nach Europa. Russland wird also liefern müssen“, ist Oberhuber zuversichtlich. Dass es Notfallpläne für Ausfälle gibt, sei beruhigend, aber „jede eingesparte Kilowattstunde hilft“. Setzt man etwa die Raumtemperatur von 23 auf 20 Grad, „spart das zwischen 15 und 20 Prozent Energie, wenn das alle machen, wäre viel getan – auch fürs Geldbörserl“. Zudem kann man darauf achten, dass Geschirrspüler und Waschmaschine voll eingeschaltet werden.

Alte Kühlschränke wenn möglich gegen neue, energiesparende tauschen – und den Ausstieg aus Öl und Gas planen, denn aktuell seien die Preise hoch, Installateure ausgebucht. Aber man könne die Zeit nützen, „um einen Sanierungsplan zu machen und schrittweise umzusteigen“. Die Förderlage sei zudem „sehr attraktiv“. Vom Bund gibt es 7500 Euro für einen Heizungstausch, das Land Tirol legt 3000 Euro und einen 25-prozentigen Investitinszuschuss oben drauf.

„40 Prozent der Energie muss in Tirol eingespart werden“

Um die Energiewende zu schaffen, muss in Tirol aber insgesamt „40 Prozent der Energie eingespart werden“. Gleichzeitig müssen „die erneuerbaren Energieträger massiv ausgebaut werden. Auf jedes Dach“, sagt Oberhuber, „muss eine Photovoltaikanlage.“

Dabei muss die Bevölkerung mitgenommen werden. Aktuell werde noch oft Klima- gegen Umweltschutz ausgespielt – „und das beißt sich wirklich“. So würden zwar viele Wind- und Wasserkraft befürworten, aber bitte nicht – überspitzt gesagt – „im eigenen Garten“. Dieser Debatte werde man sich stellen müssen.

Parallel werde es aber auch „Restriktionen und Preissignale brauchen“, so der Energieexperte. Das kann mitunter eine „drastische Änderung zum Wohlfühlprogramm der vergangenen 30 Jahre sein“ – dennoch müsse der Umstieg nicht zwingend Komfortverlust bedeuten: „Im Zug nach Wien ist es ja viel komfortabler als im Auto“. (ah)

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