Bühne

„Don Quichote“ in Rattenberg: Heiterer Kampf gegen Wind(-mühl’) und Wetter

Ja, da legst dich nieder! Don Quichote (Othmar Haller) hat sich wieder einmal etwas übernommen. Dulcinea (Alina Sprenger) und Sancho Pansa (Alex Schwarz) stehen ihm bei.
© Schlossbergspiele Rattenberg

Felix Mitterer hat „Don Quichote“ für die Schlossbergspiele Rattenberg aufbereitet. Nach der Corona-Pause war nun Uraufführung.

Von Markus Schramek

Rattenberg – Bei den Rattenberger Schlossbergspielen hat man mit den wetterlichen Schwenks des Sommers reichlich Erfahrung und daher die Ruhe weg. Wenige Stunden vor der Premiere am Freitagabend schüttet es in der Freiluftarena wie aus Kübeln. Das Außenthermometer übt den Kniefall. Absagen? Anderswo vielleicht. Nicht in Rattenberg.

Und tatsächlich: Bei knusprigen, aber trockenen 13 Grad geht ab 21 Uhr „Don Quichote“ in der Version Felix Mitterers nach zwei Jahren Spielpause (ach, Corona!) erstmals über die Bühne – vor vollen Rängen, warm verpackt.

Sommertheater unter freiem Himmel soll und darf Spaß machen. Hier sind Laien am Werk, da mäkelt man als verwöhnter Theatergeher von Berufs wegen nicht daran herum, wenn einmal der Text nicht ganz so verständlich über die Lippen flutscht.

Stofflieferant Mitterer, dessen Stücke am Schlossberg quasi ein dauerhaftes Heimrecht besitzen, hat sich recht frei am Original „Don Quijote“ Miguel de Cervantes’ bedient und einige Szenen zwischen Klamauk und Komödie zu Papier gebracht. Umgesetzt wird seine Vorlage von Hausregisseur Pepi Pittl und einem Team von HobbyschauspielerInnen, die sich ins Zeug legen, ein jeder, wie er kann.

Othmar Haller gibt in der Titelfigur des Don Quichote, des viel zitierten Ritters von der traurigen Gestalt, wunschgemäß einen Sonderling der Extraklasse ab. Dürr und schlaksig anzusehen, mit wucherndem Gesichtsbewuchs wie einer Probe von „Jesus Christ Superstar“ entsprungen, rezitiert, fabuliert und sinniert dieses fantasiebegabte Träum-Männlein in gestelztem Tiroler Schönbrunnerisch vor sich hin.

Transportiert wird er von einem Pferd namens Rosinante, diesfalls keinem echten Vierbeiner, sondern einem raffiniert erdachten Nachbau, der mittels einer Art Hosenträger am ritterlichen Reiter hängt.

Sehr standfest ist dieses Duo nicht. Bei der ersten Feindberührung plumpsen beide einfach um. Bumm! Das ist lustig anzusehen. Feinde und Gefahren wittert der Berittene immer und überall, ist Señor Quichote doch ein Meister der Einbildung. Fast echte Zauberer und Riesen, noch viel weniger echte Löwen – mit immerhin tollem Gebrüll und blockierten Hinterläufen – kreuzen seinen Weg. Meist setzt es Haue für das furchtlose, recht goscherte Figürl.

Einen Stock tiefer reitet Alex Schwarz als Sancho Pansa auf einem ebenfalls handgefertigten, umhängbaren Eselchen. In breiter lokaler Mundart, ein herrlicher Kontrast zur überhöhten Rhetorik seines Chefs, ist Sancho dessen treuer Side-Kick, mit der Tendenz, Ärger lieber aus dem Weg zu gehen. Da hat er natürlich einen denkbar schlechten Arbeitgeber erwischt. Fehlt noch, als dritte zur Marke gewordene Figur des weltliterarischen Vorbilds, die von Don Quichote so salbungsvoll umworbene Dulcinea. Alina Sprenger erfüllt diesen Part mit Hingabe.

Die weitläufige Open-Air-Bühne mit ihren Großbauten (Erich Eberharter), die aufwändigen Requisiten und Kostüme (Waltraud Pauli, Ria Mair, Dani Rieser)) sind eindrucksvoll. Auch an ihnen ist zu erkennen, mit welchem Einsatz hier gespielt wird.

Schlussendlich scheint sich gar noch, moderne Videotechnik macht’s möglich, die riesige Windmühle in Bewegung zu setzen, gegen die Don Quichote – und mit ihm manchmal auch wir alle – einen beherzten Kampf führt, wie gegen die Unbill des Lebens.

Hollywoodreif endet somit der Abend nach etlichen befreiten Lachern und ohne jede Gefahr, allzu tief in Bedeutungsschwere zu versinken.

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