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100 Jahre „Nosferatu": Der Film, den es nicht mehr geben dürfte

Friedrich Wilhelm Murnaus „Nosferatu“ ist hundert. Bei den Tiroler Festspielen Erl ist der Stummfilmklassiker mit neuer Musik zu erleben.

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Der Vampir-Film „Nosferatu“ kam 1922 in die Kinos. Er zählt zu den prägendsten Horrorfilmen der Kinogeschichte.
© Frierich Murnau Stiftung

Von Joachim Leitner

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Erl – Vor ziemlich genau hundert Jahren, am 4. März 1922, kam Friedrich Wilhelm Murnaus Stummfilm „Nosferatu“ im Marmorsaal des Zoologischen Gartens in Berlin zur Weltpremiere. Die Produzenten ließen sich den schaurigen Spaß einiges kosten – Tanzspiel und anschließender Kostümball inklusive. Geholfen hat das ganze Theater dem Film nicht. Und die euphorischen Kritiken, die in „Nosferatu“ schon damals das Meisterwerk erkannten, als das der Film bis heute gilt, auch nicht. Die großen Lichtspielpaläste spielten die „Symphonie des Grauens“ – so der Untertitel – nicht. Der Film lief nur dort, wo er weder Produktions- noch Werbekosten einspielen konnte: in kleinen, unabhängigen Kinos.

Gericht ordnete 1925 Zerstörung von Kopien an

Dass Florence Stoker im vergleichsweise fernen London trotzdem von Murnaus Film erfuhr, machte das Unglück perfekt. Ihr 1912 verstorbener Mann Bram Stoker hatte den Vampir-Roman „Dracula“ (1897) geschrieben. Dass „Nosferatu“ auf dem damals weltberühmten Buch basierte leugneten selbst die Macher nicht. Aber niemand hatte sich um urheberrechtliche Fragen gekümmert. Stoker klagte. 1925 ordnete ein Gericht die Zerstörung sämtlicher Filmkopien an. Einige Kopien haben trotzdem überlebt. Mit den Jahren wurde der Film, den es eigentlich nicht mehr geben dürfte, zum wohl meistrekonstruierten und -restaurierten Werk der Filmgeschichte.

Auch die Musik, die der Komponist Hans Erdmann 1922 für „Nosferatu“ schrieb, ging verloren. Von der letzten vollständigen Partitur fehlt seit der Auflösung eines Musikantiquariats in den 1990er-Jahren jede Spur. Einzig Erdmanns „Phantastisch-romantische Suite“, die Passagen seiner „Nosferatu“-Musik zusammenführte, gibt es noch. Sie fand auf verschiedenen DVD-Veröffentlichungen des Films Verwendung.

„Nosferatu" in Erl

Zum Hundertsten entstand – im Auftrag der Sender arte und 3Sat – eine neue Fassung von „Nosferatu“. Sie dürfte Murnaus ursprünglicher Vision am nächsten kommen – atmosphärisch farbgefilterte Bildkader inklusive. Neu ist dabei die Musik. Komponist Olav Lervik hat sich dafür an Motiven von Hans Erdmann orientiert. Eingespielt wurde die Musik vom Münchner Ensemble der/gelbe/klang unter Armando Merino im Erler Festspielhaus. Im Rahmen der heurigen Erler Sommerfestspiele kommt der neuvertonte „Nosferatu“ dort am Mittwoch, 13. Juli, nun auch vor Publikum zur Österreichpremiere.

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Tiroler Festspiele Erl

Johannes Brahms ist beim heurigen Festival ein Konzertschwerpunkt gewidmet. Die Camerata Salzburg unter Titus Engel bringt an drei Abenden (26., 28. und 29. Juli) eine Auswahl seiner Werke auf die Festspielhaus-Bühne. Beim Abschlusskonzert des Festivals (31. Juli) steht zudem Brahms’ „Ein deutsches Requiem“ auf dem Programm.

Die Musicbanda Franui zählt zu den Stammgästen in Erl. Am Sonntag, 10. Juli, präsentieren sie ihr Programm „Wohin ich geh’“. Am 14. Juli kommt Antoine Wagners dramatisches Bühnenwerk Atem zur Uraufführung. Im Rahmen der Kammermusik-Schiene wagt die bekannte Schauspielerin Suzanne von Borsody am 19. Juli eine literarisch-musikalische Annäherung an den Maler Paul Gaugin.

Weitere Infos: www.tiroler-festspiele.at

Das von Bernd Loebe geleitete Festival wird morgen Donnerstag von Bundespräsident Alexander Van der Bellen eröffnet. Das Eröffnungskonzert wird traditionell vom Orchester und Chor der Tiroler Festspiele bestritten. Am Pult steht mit Erik Nielsen, der neue Chefdirigent der Erler Festspiele. Auf dem Programm stehen Werke von Ernest Chausson, Zoltán Kodály und Erich Wolfgang Korngold.

Die erste szenische Produktion des Festivals ist am Freitag, 8. Juli, Gioacchino Rossinis „Bianca e Falliero“ – weitere Aufführungen sind für den 16. und den 24. Juli angesetzt. Am Samstag, 9. Juli, hat Brigitte Fassbaenders Neuinszenierung von Richard Wagners „Die Walküre“ Premiere. Die dritte Opernpremiere der heurigen Sommersaison ist am 23. Juli Chaussons „König Arthus“.


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