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Matthias Strolz im TT-Gespräch: „Sollte besser gelingen, Qualität darzustellen“

Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz zu der vor zehn Jahren von ihm gegründeten Partei, der ÖVP und künftigen Koalitionen im Bund.

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NEOS-Gründer Strolz sieht die publik gewordenen Kurz-Chats als „Glücksfall für die Republik".
© APA/Hochmuth

Von Karin Leitner

Wien – Vor zehn Jahren hat Matthias Strolz, vormalig außerordentliches Mitglied des Wirtschaftsbundes, die NEOS gegründet. Die Partei hat es in das Parlament geschafft. Grund zum Jubeln? „Jubel ist ein zu großes Wort, ein solcher verpufft schnell. Ich bin voller Freude und Dankbarkeit“, befindet er im Gespräch mit der Tiroler Tageszeitung.

Strolz ortet die Pinken „als sehr wichtig in einer Zeit des Übergangs von der Zweiten Republik, vom rot-schwarzen Machtkartell mit dem Keim der Verhärtung und der Korruption, in eine neue Zeit“. Der ehemalige Kärntner FPÖ-Landeshauptmann Jörg Haider habe ein Gegenkonzept gehabt, „mit der Dritten, autoritären Republik“. Auch ÖVP-Obmann Sebastian Kurz habe sich gegen das Gehabte positioniert. „Er hatte, im Gegensatz zu Haider, keine starke ideologische Prägung, Kurz hatte keine Vision für das Land. Es gab für ihn und seine Gang nur eine Macht-und-Karriere-Ambition.“ Als „Glücksfall für die Republik“ wertet Strolz die publik gewordenen Chats aus der Kurz-ÖVP: „Sie haben die moralische Verluderung in großem Ausmaß offenbart.“

NEOS „können nach links und rechts verbinden"

Was bedeutet das jetzt für die NEOS – im Hinblick auf eine Regierung nach der nächsten Wahl? „Sie sind eine Scharnierpartei, können nach links und rechts verbinden. Sie können mit der SPÖ oder der ÖVP in einer Dreierregierung sein.“ Damit schließt Strolz wie seine Nachfolgerin an der NEOS-Spitze nicht aus, dass sich die Partei mit den viel kritisierten Türkisen koalitionär verbündet. Als „Staatsbürgerin“ wolle sie die ÖVP in Opposition haben; Demut solle diese dort „lernen“, sagte Beate Meinl-Reisinger. Als Parteitaktikerin fände sie es aber besser, die ÖVP zerbrösle nicht ganz – „und ich kann mir aussuchen, mit wem ich koaliere“. Also Macht vor Grundsatz? Machen die NEOS mit solchen Ansagen nicht das, was sie bei Polit-Konkurrenten tadeln? Dazu sagt Strolz: „Das mag schwer nachvollziehbar sein. Ich erwarte aber auch strategische Kompetenz. Die beweist Beate Meinl-Reisinger damit.“ Werde „inhaltlich das eigene Programm abgebildet“, sei ein Pakt möglich: „Es gibt in der ÖVP ja auch integre Leute, nicht nur Gauner.“

Aus Strolz’ Sicht Voraussetzung für eine Regierungszusammenarbeit ist: Die jetzt von Karl Nehammer geführte ÖVP „muss sich einem Erneuerungsprozess stellen. Bei dem Pflasterpicken auf die Wunden darf es nicht bleiben. Derzeit wird nur Lack aufgetragen, dahinter fäult das Gebäude. Wenn ich der ÖVP-Generalsekretärin zuhöre, wird mir als Bürger ganz anders. Ich will nicht, dass die Lüge als Standard-Instrument verwendet wird. Das macht die Republik kaputt.“

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Angesichts dieses Befunds: Warum heißt es nicht Nein zur ÖVP als potenziellem Regierungspartner? „Wenn die ÖVP den notwendigen Selbstreinigungs- und -Erneuerungsprozess nicht schafft, dann gibt es kein Vertrauen.“ Er habe aber auch Respekt vor dieser Partei, fügt Strolz an: „Ich habe auch den Glauben, dass sie an die guten Zeiten anknüpfen kann. Wenn sie sich aber nicht ändert, kommt sie als Koalitionspartner nicht infrage.“

„Es sollte noch besser gelingen, die eigene Qualität darzustellen."

Laut mehreren Umfragen ist die ÖVP weit von ihrem Wahlergebnis – 37,5 Prozent – weg; 22 Prozent Zuspruch werden ihr bescheinigt. Warum profitieren die NEOS nicht mehr davon, haben von 8,1 Prozent bei der Wahl auf nur zehn Prozent zugelegt? „Dass mehr kommt, ist eine Frage der Zeit“, meint Strolz. „Es sollte aber noch besser gelingen, die eigene Qualität darzustellen. Zu oft werden NEOS mitsummiert unter dem ,Es sind eh alle gleich, alle sind Gauner‘. Es ist auch zu wenig bekannt, was NEOS im Parlament leisten – inhaltlich und vom Arbeitspensum her.“

Von der Partei zu Strolz: Im April 2021 ist er als Berater des damals von Heinz Faßmann geführten Bildungsministeriums engagiert worden. Das hatte die Antwort auf eine Anfrage der FPÖ ergeben. Der Vertrag mit Strolz ist laut dieser bis November des Vorjahres gelaufen, mit 48.000 Euro ist er bedacht worden – für „Strategiebegleitung beim Pädagogikpaket“ samt „Kommunikationskonzept“ und „Umsetzungsbegleitung“. Ist die Kooperation beendet? Oder werkt er auch für den neuen Ressortchef, Martin Polaschek? „Ich habe noch keine Rückmeldung vom neuen Minister oder von seinem Kabinett ob ja oder nein“, antwortet Strolz. „Es ging um neue Lehrpläne, die noch nicht verabschiedet worden sind. Es gab eine Verzögerung beim Prozessablauf. Der Vertrag ist noch aufrecht, aber ohne aktive Erfüllung und Gegenerfüllung.“

Und was macht Strolz momentan beruflich? „Ich habe eine Firma im Bereich Organisationsentwicklung. Ich bin Autor und Vortragender – national und international zu meinem Buch, dem Bestseller ,Gespräche mit einem Baum‘. Und ich habe Unternehmensbeteiligungen bei Start-ups. Eines ist mir dabei wichtig: Ich will aktuell nirgends eine Managementfunktion außer in der Personenfirma. Das gibt mir Freiheit.“


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