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Gletscherbruch-Tragödie in Dolomiten: Drei weitere Leichen geborgen

Nach dem tödlichen Gletschersturz in den Dolomiten fordert die Vereinigung der Bergführer mehr Voraussicht auf den Wanderrouten. Der zuständige Oberstaatsanwalt von Trient, Sandro Raimondi, schließt Fahrlässigkeit als Ursache für die Tragödie aus.

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Bei dem Gletscherbruch auf der Marmolata starben mindestens zehn Menschen, zwei werden noch vermisst.
© PIERRE TEYSSOT

Trient – Nach der Gletscher-Lawine in den Dolomiten sind am Mittwoch drei weitere Tote geborgen worden. Mit Hilfe von Drohnen wurden die Leichen der Alpinisten lokalisiert und geborgen, die alle vermutlich derselben Seilschaft angehört hatten. Damit steigt die Zahl der Todesopfer auf zehn. Zwei Personen gelten noch als vermisst, acht Menschen wurden verletzt. Der zuständige Oberstaatsanwalt von Trient, Sandro Raimondi, schließt indes Fahrlässigkeit als Ursache der Tragödie aus.

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Der Gletscherbruch sei ein "unvorhersehbares Ereignis gewesen", so Raimondi im Interview mit Rai 3 am Dienstagabend. Dies gehe klar aus den ersten Untersuchungen hervor. Der Zugang zur Bergspitze bleibt gesperrt und wird von der Polizei bewacht. Der Staatsanwalt reagierte mit seinen Aussagen indirekt auf Vorwürfe einiger Angehöriger von Todesopfern. Da die Lawinengefahr am Sonntag groß gewesen sei, hätte nach Ansicht der Hinterbliebenen der Zugang zum Berg wegen der hohen Temperaturen verboten werden sollen.

Der Gletscherbruch war ein außergewöhnliches, sogar ein einzigartiges Ereignis, was von den vielen Experten bestätigt wird. Auf dem Gletscher gab es auch Bergführer und damit Leute, die den Berg bestens kannten.
Maurizio Fugatti (Trentiner Landeshauptmann)

Da die Lawinengefahr am Sonntag groß gewesen sei, hätte nach Ansicht der Angehörigen wegen der hohen Temperaturen der Zugang zum Berg verboten werden sollen. In der Marmolata-Hütte auf dem Gletscher wurden inzwischen Überwachungsgeräte installiert, mit denen die kleinsten Veränderungen der Gletscherfront – sowohl der abgebrochenen als auch der intakten – erfasst werden können, erklärte der Experte Marco Gaddo. Die von den Instrumenten erfassten Daten werden zur Analyse und Verarbeitung an ein Kontrollzentrum übermittelt.

"Der Gletscherbruch war ein außergewöhnliches, sogar ein einzigartiges Ereignis, was von den vielen Experten bestätigt wird. Auf dem Gletscher gab es auch Bergführer und damit Leute, die den Berg bestens kannten", sagte der Trentiner Landeshauptmann Maurizio Fugatti.

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Bisher vier Todesopfer identifiziert

Die Region denkt aktuell daran, Alarmsysteme für Bergsteiger einzuführen. "Rote Fahnen auf den einsturzgefährdeten Gletschern könnten Alpinisten helfen, bewusstere Entscheidungen zu treffen", sagte Fugatti in einem Interview mit der Tageszeitung La Repubblica (Mittwochausgabe). Zu dem Thema soll nun auf Expertenberichte gewartet werden. Sobald die Lage es erlaube, soll dann auch wieder die Suche mit Rettungseinheiten weitergeführt werden. Dies werde aber voraussichtlich nicht vor Donnerstag möglich sein, derzeit sind laut Fugatti jedoch Drohnen zu diesem Zweck im Einsatz.

Von den Toten wurden bisher vier Italiener identifiziert, darunter ein 52-jähriger Bergführer. Er soll eine der beiden später verschütteten Seilschaften geführt haben. Zu den Opfern zählt auch ein 48-jähriger Manager aus Venetien. Seine 51-jährige Frau überlebte mit vielen Frakturen und liegt im Krankenhaus. Bei den anderen Todesopfern dürfte es sich um Ausländer handeln, ihre Identität ist jedoch noch nicht bekannt.

Die Wahrscheinlichkeit, Vermisste noch lebend bergen zu können, ist laut den Rettungseinheiten äußerst gering. "Wir haben die moralische Pflicht, den Angehörigen die Leichen der Todesopfer zurückzugeben", betonte Luca Zaia, Präsident der Region Venetien, zu der Teile des Marmolata-Massivs gehören.

Bergführer-Vereinigung fordert mehr Planung auf Wanderrouten

Die italienische Vereinigung der Bergführer fordert mehr Voraussicht bei der Auslastung der Wanderrouten. "Man muss über eine Frequentierung basierend auf Vorsicht und Kenntnis über die Bedingungen auf den Reiserouten nachdenken", sagte die Sprecherin des Guide Alpine Italiane, Sara Sottocornola, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Bergführer in den Alpen reagierten bereits seit einiger Zeit auf die Veränderungen in den Gebirgen und suchten nach alternativen Routen. Den Besuch in den Bergen jetzt aufzugeben, sei nicht sinnvoll.

Zehn Tote und acht Verletzte bestätigt

Am Sonntag brach am Berg Marmolata auf der Grenze zwischen dem Trentino und der Region Venetien eine Masse aus Eis, Schnee und Geröll ab, rauschte talwärts und begrub mehrere Bergsteiger unter sich. Die Behörden bestätigten bis Mittwochnachmittag zehn Tote und acht Verletzte, darunter zwei Deutsche. Zwei vermisste Italiener wurden noch gesucht. Der Gletscherbruch ist laut Experten eine Folge des Klimawandels, durch den die Temperaturen steigen.

Ein solcher Vorfall sei sehr selten, und es sei unmöglich, ihn vorherzusagen, erklärte Sottocornola. Das Hochgebirge verändere sich seit mindestens 20 Jahren. Bis vor 30 Jahren sei die Jahreszeit noch sehr zuverlässig gewesen, aber heute sei das nicht mehr so. Jeder Wanderweg müsse im Hinblick auf die Saison und die Wetterbedingungen untersucht werden. "Wenn man weiterhin in die Berge will, muss man die Art, wie man dorthin geht, überdenken, und die Bedingungen dort schon zu Hause vor der Abreise aufmerksam einplanen", sagte Sottocornola. (TT.com, APA/dpa)


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