Innsbruck

Galerie Widauer: Die Zeit steht still trotz Affentheater

Sechs von insgesamt zehn Bahnhofsuhren aus Anna Jermolaewas „Clockwork“ von 2021.
© Schlocker

Transformationen des Realen durch Georg Herold, Anna Jermolaewa und Heimo Zobernig bei Widauer.

Innsbruck – Was Georg Herold, Anna Jermolaewa und Heimo Zobernig verbindet, ist ganz pragmatisch ihre Nähe zur Galerie Widauer. Darüber hinaus aber auch ihr konzeptuelles Denken, das die drei allerdings an völlig unterschiedlichen Versatzstücken des Realen „aufhängen“. Die seit vielen Jahren in Wien lebende Russin Anna Jermolaewa in ihrer Wandinstallation „Clockwork“ etwa an Bahnhofsuhren aus unterschiedlichen Ländern.

Die exakt in dem Moment aufgehört haben zu schlagen, in dem sie von ihrer jeweiligen Mutteruhr abgekoppelt worden sind. Sozusagen zu Waisen wurden, Beziehungen sich auflösen, das Sich-Orientieren im nun zeitlosen Raum schwer wird. In ihrem „Affentheater“ schlüpft die Künstlerin dagegen in die Rolle der sich hinter scheinbar banalen Masken versteckenden Akteurin, um auf diese Weise das Gegenüber mit seinem grotesk dekonstruierten Spiegelbild zu konfrontieren.

Im hintergründig aufgeladenen Minimalen fühlt sich dagegen Heimo Zobernig wohl. Zelebriert in einer mehr als 20 Jahre alten Arbeit als ausgeklügeltes Spiel mit Wortfragmenten in purem Schwarzweiß. Wodurch sich unterschiedliche Ebenen der Wahrnehmung auftun, sich raffinierte Interaktionen in einem Hybrid aus purem Denk- und assoziativem Bildraum ergeben.

Ebenfalls ältere Arbeiten steuert Georg Herold für die sommerliche Schau bei Widauer bei. Die zeigen, dass der deutsche Bildhauer Materialien mag, die man im Kunstkontext nicht wirklich vermutet. Um auf diese Weise etwa aus einem alten Boxhandschuh, der mit Kaviar und glitzernden Kristallen überstreut ist, die bisweilen unheiligen Allianzen zwischen Geld und Ruhm pittoresk zu inszenieren. Oder eine Skulptur auf einen Sockel zu stellen, die aus einer über ein Drahtgerüst gestülpten Damenstrumpfhose gebastelt ist. Und alles andere als zufällig wie eine binäre sexistische Trophäe daherkommt. (schlo)