Aze debütiert mit „Hotline Aze": Ein bittersüßes Plauschen
Weicher Dreampop, orientalische Versatzstücke: Das Duo Aze debütiert mit „Hotline Aze“, einem vielversprechenden Konzeptalbum.
Von Barbara Unterthurner
Innsbruck – Kein Anschluss unter dieser Nummer. Kein Wunder, wurde die „Hotline Aze“ ja nicht wirklich eingerichtet, um Probleme zu lösen. Stattdessen gibt es Komplimente und Support – also jedenfalls, wenn man sich online beim oberösterreichischen Duo Aze mit seinem Anliegen meldet. „You are sexy“, ist die Antwort auf die erste Anfrage, die Aze auf ihrem Instagram-Kanal im Rahmen der selbstgezimmerten Talk-Show abhandelt. Gefolgt von: „You are literally the sexiest!“ Danke! Kummer gelöst. Wenn es nur so einfach wäre.
Gut, dass Aze nicht als professionelle Problemlöserinnen antreten, sondern schon Musikerinnen bleiben, die gerade ihr Debüt promoten. Und dabei ihrem Publikum auf Social Media gerade sehr nahe kommen. Eine Fan-Community haben sich die Oberösterreicherinnen mit ersten Singles wie „Call Me Back“ schon aufgebaut. Inzwischen haben Aze mit „Hotline Aze“ die erste LP vorgelegt. 41 Minuten Dreampop vom Feinsten.
Was Beyza Demirkalp und Ezgi Atas, die sich seit Kindertagen kennen, aber erst ab 2020 gemeinsam als Aze Musik machen, nämlich richtig gut können: vorsichtig ins Mikro hauchen und über beeindruckend simplen Gitarren-Melodien sanft plauschen. Aber nicht nur das, ihr Mix aus weichem R’n’B und noch weicherem Pop packt HörerInnen in akustische Luftpolsterfolie. Den Krisen der Gegenwart mal ganz kurz entfliehen? Aze liefern den Soundtrack dafür.
Neben den Krisen der Gegenwart warten die ganz persönlichen Krisen, die Aze in ihren 13 neuen Tracks besingen. Wer wofür wohin skippen muss, wird als Anleitung gleich beigelegt. Denn eingeleitet und unterbrochen wird „Hotline Aze“ von Service-Meldungen der persönlichen Art: „Wenn du dich wirklich einsam fühlst, probier Sie Track 3“, tönt es da ins lieblichem Englisch. Hilfe, dabei den Ex zu vergessen, liefere Track 13. „Hotline Aze“ ist eben ein Konzeptalbum.
Pop
Aze: Hotline Aze. Ink Music.
Das lässt sich ganz schnell testen: Skip zu „Silk“, das wie viele andere Songs des Albums die HörerInnen in weiche Klänge hüllt. Die Absicherung, dass es jetzt besser ist als damals, bekommt man im Mantra „It’s better this way“ gratis dazu. Eingängigeres als das Outro „Silk“ findet sich im Album dafür weiter vorne: Im zentralen „Showbiz, Baby“ oder bei „Sweet Talk“/„Sidewalk“ – eine Doppelsingle, in der Leyya-Frontfrau Sophie Lindinger ihre talentierten Finger im Spiel hatte. Zunächst ist das Ich im Hin und Her zwischen sweet love und bittersüßem Abseits gefangen. Der Schlussstrich verliert sich im atmosphärischen „Sidewalk“. Am Ende steht eine verheulte Sprachnachricht im Dialekt. Auch wenn das große Ganze nach Lana del Rey, Frank Ocean oder Lola Marsh (für die sie auch schon den Support gaben) klingen mag, ist da doch immer ganz viel von Beyza und Ezgi drin.
Was Aze besonders macht, sind die orientalischen Versatzstücke. Beide sind mit türkischer und kurdischer Musik aufgewachsen, erzählt das Duo in Interviews. Die Wurzeln klingen im harmonischen „We Move“ ebenso an wie im hypnotischen „Sudoku“. Aze? Mehr davon, bitte!
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