Hitze

44 Grad im Schatten: Gluthitze und Waldbrände halten Europa in Atem

Ein Waldbrand bei Besseges in Südfrankreich hält die Einsatzkräfte in Atem.
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Frankreich, Portugal, Spanien und Italien stöhnen unter Temperaturen jenseits der 40 Grad. Zu extremer Hitze und Trockenheit gesellen sich vielerorts schwere Waldbrände, die den Einsatzkräften alles abverlangen. In Griechenland kamen mindestens zwei Menschen bei Löscharbeiten ums Leben. Laut Meteorologen wird sich die Hitzewelle in Westeuropa „voraussichtlich verstärken und ausbreiten".

Bordeaux, Madrid, Rom – In vielen Regionen Südeuropas stöhnen die Menschen seit Wochen unter hohen Temperaturen – und die Gluthitze soll andauern. In Spanien und Portugal gab es diese Woche teilweise deutlich über 40 Grad, in Frankreich soll es laut Wetterdienst Météo France am Mittwoch örtlich 39 Grad warm werden – Tendenz steigend.

Ein Thermometer auf einer Straße im spanischen Sevilla zeigte am Dienstag 44 Grad.
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Besonders Spanien wird von extremer Hitze heimgesucht. Der Wetterdienst Aemet rief am Mittwoch für 16 der insgesamt 17 Autonomen Gemeinschaften des beliebten Urlaubslandes Alarm aus. Nur die Kanarischen Inseln im Atlantik vor der Westküste Afrikas blieben von der Hitze mit Temperaturen bis 44 Grad im Schatten verschont.

Es sei „die Hölle“, schrieb die Zeitung El País. Das renommierte Blatt zitierte den Aemet-Pressechef Cayetano Torres mit dem Ausruf: „Das ist wirklich ungeheuerlich!“ Laut Aemet wird diese zweite Hitzewelle des Jahres in Spanien wohl eine der längsten seit Beginn der Erfassungen im Jahr 1975 werden. Die Hitzewelle begann den amtlichen Angaben zufolge am Samstag, erreicht ihren Höhepunkt Mitte dieser Woche und wird mutmaßlich bis Anfang nächster Woche anhalten.

In den Städten (im Bild Sevilla) suchten die Menschen schon vormittags an und in Brunnen nach Abkühlung.
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Besonders heiß sollte es am Mittwoch mit Temperaturen von bis zu 44 Grad in Andalusien im Süden und in Extremadura im Westen des Landes werden. In einigen Provinzen dieser Regionen sowie auch in der Autonomen Gemeinschaft Galicien galt Alarmstufe Rot. Für Teile von Mallorca wurde „nur“ Alarmstufe Gelb ausgerufen. Dort sollte die Quecksilbersäule am Mittwoch auf bis zu 38 Grad klettern.

In den Städten suchten die Menschen schon vormittags in Brunnen und Eisdielen, voll klimatisierten Einkaufszentren und Cafés nach Abkühlung. Die Strände an der Mittelmeer- und der Atlantik-Küste waren nach Medienberichten ebenfalls schnell voll. Wegen der tropischen Nächte klagten viele Spanier über Schlafprobleme.

In Spanien sollen die Temperaturen bis Donnerstag steigen, mit einem Höchstwert von bis zu 44 Grad in Andalusien im Süden des Landes. Nach Angaben der spanischen Regierung sind von Jänner bis Anfang Juli mehr als 70.300 Hektar Wald in Flammen aufgegangen. Das ist fast doppelt so viel wie im Durchschnitt in den vergangenen zehn Jahren.

Hitze begünstigt Waldbrände

Im Zusammenspiel mit einer seit Wochen anhaltenden Dürre und starken Winden begünstigt die Hitze den Ausbruch und die Ausbreitung von Waldbränden. Das aktuell schlimmste Feuer wütete am Mittwoch weiterhin in der Gemeinde Las Hurdes nahe der Grenze zu Portugal. Die Flammen zerstörten dort bereits rund 3500 Hektar.

Auch im Nachbarland Portugal kämpften Feuerwehr und Zivilschutz bei teils deutlich über 40 Grad vor allem im Zentrum des Landes gegen Waldbrände. Die Regierung ordnete bis Freitag eine erhöhte Alarmbereitschaft für Rettungskräfte an. "Die Wettervorhersagen für die nächsten Tage bleiben mit Blick auf die Brandgefahr äußerst besorgniserregend", betonte Regierungschef António Costa. Am Dienstag waren dort zwei Waldbrände erneut aufgeflammt.

📽️​ Video | Heiß und trocken: Tausende Hektar Land sind schon verbrannt

Auch in Frankreich kämpfen die Einsatzkräfte gegen teils heftige Waldbrände. 120 Feuerwehrleute und vier Löschflugzeuge sind etwa an der französischen Atlantikküste südlich der Großstadt Bordeaux im Einsatz. Auch aus anderen Departements wurden Löschkräfte mobilisiert. Die Rauchsäule der Brände war selbst in Bordeaux zu sehen, berichtete der Sender France Info. Mehrere Ortsteile mussten demnach evakuiert werden. Der französische Wetterdienst verbreitete eine Hitzewarnung.

Am Mittwoch in der Früh wurden bei Teste-de-Buch fünf Campingplätze wegen der Waldbrände sicherheitshalber geräumt. Den Feuern fielen mittlerweile mehr als 1200 Hektar Landfläche zum Opfer. Am Mittwoch werden in dem Gebiet erneut Temperaturen knapp unter 40 Grad Celsius erwartet. Die hohe Hitzewarnstufe Orange ist ausgerufen.

Premierministerin Elisabeth Borne forderte ihr Kabinett unterdessen auf, sich auf die Auswirkungen der Hitzewelle auf die Bevölkerung vorzubereiten, die voraussichtlich bis mindestens Anfang kommender Woche anhalten wird.

Löscharbeiten im Südwesten Frankreichs.
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Mindestens zwei Helfer auf Samos ums Leben gekommen

Auch in vielen Gegenden Griechenlands kommt es aktuell immer wieder zu Waldbränden. Für Donnerstag hat die Feuerwehr für etliche Inseln der Ostägäis, aber auch für die Region Attika rund um Athen sowie die großen Inseln Euböa und Kreta die zweithöchste Warnstufe ausgegeben. Es bestehe "sehr hohe Waldbrandgefahr", hieß es. Am Vortag waren landesweit 35 Waldbrände binnen 24 Stunden registriert worden.

Bei der Waldbrandbekämpfung auf der Insel Samos kamen am Mittwoch mindestens zwei Menschen ums Leben. Die Rettungskräfte wollten im Meer Wasser aufnehmen, dann stürzte ihr Hubschrauber aus niedriger Höhe ab. Der Pilot konnte griechischen Medien zufolge gerettet und schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden. Zwei andere Insassen wurden von der griechischen Küstenwache nur noch tot geborgen. Nach einem weiteren Passagier wird noch gesucht. Warum der Hubschrauber abstürzte, war zunächst unklar. Unterdessen wurden am Abend wegen des unkontrollierten Feuers erste Ortschaften in der Region evakuiert.

Meteorologen: Hitzewelle „wird sich ausbreiten“

Die Hitzewelle in Westeuropa "trifft vor allem Spanien und Portugal, aber wird sich voraussichtlich verstärken und ausbreiten", berichtete eine Sprecherin der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf. Der Klimawandel sorgt laut Wissenschaftern für häufigere und intensivere Hitzewellen.

Italien stöhnt ebenfalls angesichts der hohen Temperaturen, die Trockenheit macht dem Land bereits seit Wochen zu schaffen. In fünf Regionen im Norden wurde bereits der Notstand ausgerufen.

Waldbrände halten die Feuerwehren in der toskanischen Provinz Massa Carrara an der Grenze zu Ligurien in Atem, die Einsatzkräfte kämpften am Mittwoch gegen Flammen an einem schwer zugänglichen Hügel, wie die Behörden der Toskana mitteilten. Zwei Hubschrauber und sechs Einheiten verschiedener Einsatzkräfte seien vor Ort. Stärker werdende Winde könnten die Flammen in dem Gebiet weiter anfachen.

Auch die Feuerwehr in Südtirol war in Bozen am Mittwoch weiter mit dem Löschen eines Waldbrandes beschäftigt. Auf Sizilien und Sardinien galt in Teilen der Ferieninseln eine erhöhte Waldbrand-Warnstufe.

Nach einigen Tagen der Entspannung mit stärkeren Regenfällen bereitet sich auch Griechenland auf die Hitze vor – mit über 40 Grad Anfang der kommenden Woche.

Sogar Großbritannien ist vor der Hitze nicht gefeit: Die britische Wetterbehörde Met Office ab Sonntag mit Temperaturen von über 35 Grad in England und Schottland. Die Briten wurden von den Wasserversorgungswerken dazu aufgerufen, jeden Tropfen zu sparen und nur so viel Wasser für ihre Tasse Tee zu erhitzen wie sie brauchen.

📽️​ Video | Hitze und Trockenheit in Großbritannien

In Österreich meldete sich der Sommer am Mittwoch mit höheren Temperaturen zurück, eine Hitzewelle mit teilweise bis zu 38 Grad ist für kommende Woche prognostiziert, die aber laut ZAMG zum Wochenende hin abflachen soll. (TT.com, APA/dpa/AFP)