Ausstellung

„Fatigue“ im Kunstraum Dornbirn: Ein nasser Fetzen, der von der Decke hängt

Die polnische Bildhauerin Monika Sosnowska rockt den Kunstraum Dornbirn.
© R. G. Wett

Von Edith Schlocker

Dornbirn – Habe man es geschafft, eine Künstlerin/einen Künstler in den Kunstraum Dornbirn zu locken, sei die Sache praktisch gelaufen. Wolle dann doch jede/jeder, die bzw. der einmal in dieser riesigen Montagehalle einer ehemaligen Maschinenfabrik gestanden ist, hier ausstellen und zwar egal, wie klein das Budget ist, sagt Thomas Häusle, der Leiter des Kunstvereins, der hier seit 2003 jährlich drei bis vier Positionen aktueller Kunst präsentiert.

Die Halle ist allerdings als Raum so stark, dass hier nur eine Kunst Überlebenschancen hat, die diese Stärke aushält, ihr kreativ entgegenhält. Die Installation „Fatigue“ der polnischen Künstlerin Monika Sosnowska hat diese Potenz. Auf den Boden der Halle hat die 50-Jährige, die bereits 2007 mit einer skulpturalen Intervention den polnischen Pavillon bei der Biennale Venedig virtuell gesprengt hat, eine riesige weiße Schleife gelegt.

Was auf einen ersten Blick wie ein achtlos hingeworfenes Papierschnipsel daherkommt, ist allerdings zehn Meter lang und 600 Kilogramm schwer, herausgeschnitten aus einem Abwasserrohr mit dem Durchmesser von 1,8 Metern. Daneben hängt die 1,3 Tonnen schwere „Facade“ wie ein nasser Fetzen von der Hallendecke. Fast vergessen machend, dass es sich dabei um die nun deformierte Nachbildung der Fassadenstruktur eines post-sozialistischen Gebäudes in Warschau handelt, das vor rund zehn Jahren komplett umgestaltet worden ist. Also „verbogen“ wurde wie die Skulptur Sosnowskas, was durchaus als politisches Statement zu verstehen ist.

Fast absurd kommt dagegen das Bündel schwarzer Bewehrungsstreben daher, die gebündelt zu einem überdimensionalen Pferdeschweif aus einer der Hallenwände ragen. Vis-a-vis von einem fünf Meter hohen T-Profil aus Stahl, das zur Modelliermasse für Sosnowska wird, indem sie die Knickstelle des 900 Kilogramm schweren Teils poetisch aufwölbt. Als wunderbar leicht daherkommende Geste, die in Wirklichkeit aber mit sehr viel Kraft der Materie abgetrotzt werden musste.

Kunstraum Dornbirn. Jahngasse 9; bis 30. Oktober, täglich 10 bis 18 Uhr.