Arbeitsmarkt

Weltwirtschaftsforum: Noch 132 Jahre bis zur Gleichstellung

85 Frauen wurden seit Einführung von emma auf ihrem Weg begleitet. „Sie alle haben Träume“, sagt Projektleiterin Monika Perkhofer.
© Thomas Böhm

Damit mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt kommen, braucht es Chancengleichheit – doch die liegt in über hundertjähriger Ferne.

Von Anna Haselwanter

Innsbruck – Ungenütztes Potenzial, ein Pool voller Arbeitskräfte, ein unerschlossener Wirtschaftsfaktor: Je höher der Druck – Stichwort Personalmangel –, desto mehr scheint die Frau in Diskussionen rund um den Arbeitsmarkt in den Fokus zu rücken. „Der Mangel an Arbeitskräften erfordert ein entschlossenes Handeln auf politischer und betrieblicher Ebene – etwa bei der Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen“, heißt es dazu etwa vom AMS Tirol. Diese lag in Österreich im Vorjahr bei 72,6 Prozent. Würde es gelingen, sie auf das schwedische Niveau anzuheben – das schon 2020 bei über 76 Prozent lag –, stünden zusätzlich 170.000 Arbeitskräfte zur Verfügung. Einzig: Dafür bräuchte es strukturelle Veränderungen, wie der aktuelle Global Gender Gap Report 2022 des Weltwirtschaftsforums (WEF) zeigt. Denn die Gehaltsschere zwischen Mann und Frau liegt in Österreich bei 12,27 Prozent. Traditionelle Rollenbilder sind in Österreich noch immer stark verankert – der Großteil der unbezahlten Care-Arbeit liegt bei der Frau, sagt Nora Resch, Bereichsleiterin der Frauenberatung bei Frauen* im Brennpunkt.

Es braucht die Anerkennung informeller Kompetenzen, der Quereinstieg muss ermöglicht werden.
Monika Perkhofer (Projektleiterin emma)

Die Frau sei in „der Familien- und Erwerbsarbeit tätig, in beiden Bereichen muss sie liefern – das kann sich nicht ausgehen. Es gibt nur 100 Prozent Zeitkuchen, da muss man auf einer Seite etwas frei machen, um auch auf der anderen etwas zu gewinnen“, sagt sie. Es brauche also endlich einen Ausbau an Kinderbetreuung – vor allem im ländlichen Raum – und Bewusstseinsbildung. Etwa dahingehend, was es bedeutet, „wenn ich 30 Jahre unbezahlte Care-Arbeit übernommen oder immer nur Teilzeit gearbeitet habe“. Gerade als junge Frau stelle man sich solche Fragen häufig nicht; mit fatalen Folgen für die Zukunft. Stichwort: Altersarmut.

Aufklären ist deshalb auch eine der Hauptaufgaben von emma, der Berufsberatung für junge Frauen. Seit einem Jahr gibt es das vom AMS getragene Angebot von Frauen* im Brennpunkt in Innsbruck. 85 junge Frauen wurden seither auf ihrem Weg auf den Arbeitsmarkt begleitet. In den Coachings werde nach Stärken und Möglichkeiten der Klientinnen geschaut – von Zuschüssen und Förderungen bis zur Kinderbetreuung. „Die jungen Frauen haben alle Träume“, sagt Projektleiterin Monika Perkhofer. Damit sich diese erfüllen, brauche es Zeit und Orientierung. „Solange es keine Gleichstellung von Frauen am Arbeitsmarkt gibt, braucht es spezifische Förderung, um das auszugleichen.“ Und das könnte dauern, denn wenn die Entwicklung so weitergehe wie bisher, brauche es noch 132 Jahre, bis eine gänzliche Gleichstellung von Mann und Frau erreicht sei, berichtet das Weltwirtschaftsforum.