Südtirol

Buchungsplattform Booking Südtirol: Erfolgreicher Kampf gegen Riesen

Im Corona-getrübten Vorjahr wurden 600.000 Nächtigungen über Booking Südtirol generiert, heuer dürften es mehr werden.
© Screenshot Booking Südtirol

Die Buchungsplattform Booking Südtirol versucht den großen Konkurrenten die Stirn zu bieten. Hartnäckigkeit und „der Wille, selbst etwas zu schaffen“, lassen das Projekt seit Jahren wachsen.

Von Anna Haselwanter

Bozen – 30 Mitarbeiter arbeiten in der zuständigen Abteilung des Südtiroler Hoteliers- und Gastwirteverbandes (HGV) in Bozen. Programmier-, IT-Profis, Datenexperten – sie alle tüfteln seit mehr als 20 Jahren an einer eigenen Plattform für touristische Buchungen. Denn im Jahr 2010 beschloss der HGV, „selbst etwas zu schaffen, bevor eine Abhängigkeit von den Großen entsteht“, schildert Vize-Präsident Klaus Berger. Herausgekommen sind das Portal Booking Südtirol und ein Buchungssystem, das der HGV seinen Mitgliederbetrieben – Hotels und Co. – zur Verfügung stellt. Das so genannte „Widget“ kann vom HGV gekauft und auf der Webseite des Betriebs eingepflanzt werden – potenzielle Gäste darüber ihre Zimmer buchen. Provision verlangt der HGV dafür nicht – man wolle „den klaren Vorteil für die Mitglieder“, sagt Berger. Wird allerdings über Booking Südtirol gebucht, wird diese schon fällig, „mit 9 Prozent allerdings mit weniger als bei der Konkurrenz“, sagt Berger. Das führe dazu, dass das Portal stetig wachse – von 800 Betrieben im Jahr 2008 auf heuer 2450. So kann den Großen durchaus ein bisschen die Stirn geboten werden, sagen die Beteiligten. Booking.com etwa habe sich aus Bozen etwas zurückgezogen, so Stefan Hohenegger, der für die Datenpflege hinter den Angeboten zuständig ist – „der Markt ist gesättigt“, vermutet er.

Damit gelang den Boznern, was in Tirol mit Tiscover vor Jahren ein jähes Ende nahm. Zwar war Tiscover eine der weltweit ersten Tourismusplattformen im Internet, wurde aber 2008 vom Land Tirol an das Kölner Unternehmen HRS verkauft. Das Angebot wurde vom Alpenraum – Österreich, Deutschland, Schweiz – auf Europa ausgeweitet. Ein Schritt, der dem HGV fernliegt. Booking Südtirol soll lokal bleiben, auch nahe Destinationen wie Nord- oder Osttirol kommen nicht in Frage, so Berger. Der Plafond sei trotzdem nicht erreicht, noch immer gebe es Betriebe, die noch gar keine Online-Buchungen anbieten. Der Aufwand hinter den Online-Buchungen ist enorm, das hat sich wirtschaftlich nicht immer rentiert. „Gerade am Anfang wurde sehr viel Geld investiert“, sagt Berger. Für den HGV sei „der Nutzen für die Betriebe aber ein größerer Mehrwert als der Gewinn“.