Präsentation

Preiml formte „Salat-Adler“ zum „Wunderteam“

Skispringer, Erfolgstrainer, Visionär: Baldur Preiml inspirierte Toni Innauer (l.) und Franz Mühlbauer (r.).
© Benjamin Kiechl

Baldur Preiml (83) revolutionierte in den 1970er-Jahren den Skisprung-Sport. Die Methoden des Vordenkers sind aktueller denn je.

Going – Baldur Preiml ist eine jener großen Persönlichkeiten, die nicht das Rampenlicht suchen – sondern die man vor den Vorhang bitten muss. Am vergangenen Freitag war zu seinem 83. Geburtstag so ein seltener Moment. Im Stanglwirt in Going stellte der Kärntner sein neues Buch vor (siehe Infobox). Man habe ihn dazu überreden und ermutigen müssen, berichteten seine engsten Weggefährten.

Der dreifache Familienvater inspiriere bis heute, erzählten die Buch-Herausgeber Alfred und Martin Steurer. Franz Mühlbauer war in den 1980er-Jahren Preiml-Schüler in der Therme Loipersdorf. Einen besonderen Draht zu Preiml hat Skisprung-Olympiasieger Toni Innauer. Er erinnerte sich an seine erste Begegnung mit ihm als damals Elfjähriger: „Genauso Burschen wie dich suchen wir in Stams“, habe Preiml zu ihm einst gesagt.

Als Trainer am Schigymnasium förderte er Talente und als Nationalcoach (1974 bis 1980) formte er das heimische Skisprung-Wunderteam: Innauer, Karl Schnabl, Armin Kogler, Alois Lipburger und Hubert Neuper räumten in seiner Ära zweimal Olympia-Gold und zahlreiche WM-Medaillen ab. Preiml baute ein Fundament, auf dem künftige Trainer eine Tradition aufbauten, in der bis heute Weltspitzenleistungen gedeihen. So sind auch Ex-Deutschland-Coach Werner Schuster und Norwegen-Trainer Alexander Stöckl die Preiml-Methoden noch immer geläufig.

Preiml und Innauer 1980.
© APA

Sein eigener Antrieb im Nationalteam war, den als Springer „versäumten“ Olympiasieg nachzuholen. Bei Olympia 1968 in Grenoble musste er sich trotz Schanzenrekords im ersten Durchgang mit Bronze begnügen. „Im zweiten Durchgang nahm ich die langsamere Anlaufspur und wurde gerade noch Dritter. Da war riesige Freude, aber auch Schmerz, denn ich hatte den Olympiasieg vergeigt“, blickte Preiml zurück.

Seine revolutionären Methoden der Sportpsychologie stießen damals auf Skepsis und Widerstand. Er experimentierte mit Skianzügen, Schuhen, Mentaltraining und Ernährung. Als „Salat-Adler“ und „Körndl-Fresser“ verunglimpft, sprangen die Adler dann sogar der DDR-Konkurrenz auf und davon. Einer seiner Leitsätze: „Der Adler fliegt nicht, er wird geflogen.“ Der viel zitierte „Flow“, den die ÖSV-Adler rund um Stefan Kraft auch heute noch beschwören.

Preiml hat viele Menschen aus Wirtschaft, Kunst, Politik und Gesellschaft inspiriert, ausgetrampelte Pfade zu verlassen. Heute sind seine Methoden aktueller denn je.

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