Hitzewelle in Europa

Hitze-Alarmstufe Rot in Großbritannien, Kampf gegen Waldbrände in Südeuropa

Überfüllte Strände von Brighton. Großbritannien rechnet mit einem neuen Hitze-Rekord.
© IMAGO/Stephen Lock / i-Images

Während in Spanien, Italien, Portugal und Griechenland weiterhin Waldbrände toben, stehen Frankreich und Großbritannien vor historischen Höchstwerten. Temperaturen von mehr als 40 Grad werden erwartet.

Madrid – Mit dem Hoch "Jürgen" kommt die Hitzewelle, die in Südeuropa seit Tagen für Rekordwerte und Brände sorgt, auch nach Österreich zurück. Mit bis zu 37 Grad im Osten und 35 Grad in Tirol, die bis Mitte der Woche angesagt werden, wird sich die Trockenheit in einigen Regionen des Landes verschärfen. In Deutschland werden sogar um die 40 Grad erwartet.

Großbritannien mit Hitze-Alarmstufe Rot

Auf Rekorde steuern möglicherweise auch Regionen in Großbritannien zu: Wie der Wetterdienst Met Office mitteilte, könnten die Temperaturen in Teilen Englands auf bis zu 41 Grad steigen. Besonders am Dienstag wird mit außergewöhnlich hohen Werten gerechnet, bevor die Temperaturen am Mittwoch wieder sinken sollen. Met-Office-Chefin Penelope Endersby warnte die Menschen davor, die Hitze zu unterschätzen. "Diese Temperaturen sind beispiellos in Großbritannien und wir sind nicht gewohnt, mit ihnen umzugehen", sagte sie.

Der bisherige Temperaturrekord in Großbritannien liegt bei 38,7 Grad und wurde 2019 in Cambridge gemessen. Das Met Office hatte Ende vergangener Woche erstmals eine rote Wetterwarnung wegen Hitze ausgegeben. In Wales wurde bereits am Montag ein Hitzerekord gemeldet. Mit 37,1 Grad in der walisischen Grafschaft Flintshire verzeichnete der Landesteil seinen bisher heißesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch für ganz Großbritannien wurde mit Rekordwerten gerechnet.

📽️ Video | Großbritannien erwartet landeseigenen Hitzerekord

Am Londoner Flughafen Luton hat die extreme Hitze für erhebliche Störungen gesorgt. Durch die hohen Temperaturen sei die Oberfläche des Rollfeldes beschädigt worden, teilte der Flughafen am Montagnachmittag mit. Derzeit seien Reparaturarbeiten in Gange. Berichten zufolge mussten mehrere Flüge gestrichen oder umgeleitet werden.

Sky News zufolge soll auch der Militärflughafen Brize Norton am Montag Flüge ausgesetzt haben. Die Landebahn sei "geschmolzen", sagte eine Militärquelle dem Sender.

"Uns stehen schwierige 48 Stunden bevor", sagte Staatssekretär Kit Malthouse dem Nachrichtensender BBC. Angesichts der Hitze hat die Regierung in London die nationale Notlage ausgerufen. Diese Warnstufe wird nach Angaben des britischen Wetteramtes nur dann angekündet, wenn Krankheiten und Todesfälle auch bei gesunden Menschen und nicht nur bei Risikogruppen auftreten. Premierminister Boris Johnson schwänzte eine Krisensitzung zu dem Thema, sein Stellvertreter Dominic Raab rief dazu auf, den Sonnenschein zu "genießen".

Waldbrände in Frankreich

In Frankreich an der Atlantikküste breiteten sich die Waldbrände in der Nacht zum Montag weiter aus. Mittlerweile verbrannten bei Landiras und Teste-de-Buch südlich von Bordeaux mehr als 14.000 Hektar Land, wie die örtliche Präfektur am Montag mitteilte. Das entspricht etwa der Gesamtfläche des Stadtgebiets von Bonn. Weitere 3500 Menschen sollten bei Landiras vor den Flammen in Sicherheit gebracht werden, sagte der Unterpräfekt Vincent Ferrier.

Mehr als 16.000 Menschen mussten seit Beginn der Brände am Dienstag vergangener Woche ihre Bleibe vorsichtshalber verlassen.

Am Montag sollten im Département Gironde örtlich Temperaturen bis 44 Grad erreicht werden. Für insgesamt 15 Départements galt am Montag die höchste Hitzewarnstufe Rot und damit absolute Vorsicht.

In Spanien und Portugal brennt es weiter

In den Urlaubsländern Spanien und Portugal brennt es vielerorts weiter lichterloh. In Spanien waren am Montag noch 22 Feuer aktiv, wie der Zivilschutz mitteilte. Besonders betroffen waren die Regionen Extremadura im Westen, Galicien im Nordwesten, Kastilien und León im Zentrum sowie Katalonien im Nordosten des Landes.

Nach dem Tod eines Feuerwehrmannes am Wochenende wurde in Losacio in Kastilien und León die verbrannte Leiche eines Schafhirten gefunden, teilten die Behörden am Montag mit.

Regierungschef: "Klimawandel tötet"

"Der Klimawandel tötet", sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez am Montag beim Besuch betroffener Gebiete in Extremadura. "Er tötet Menschen, wie wir gesehen haben, aber er tötet auch unser Ökosystem, unsere Biodiversität. Und er zerstört auch wertvollste Güter unserer Gesellschaft: ihre Häuser, ihre Wohnungen, ihre Unternehmen, ihren Viehbestand", sagte der Regierungschef.

Die seit etwa zehn Tagen wütenden Brände zerstörten in Spanien bisher nach amtlichen Schätzungen insgesamt 25 000 Hektar Wald sowie Dutzende von Häusern, Läden und Fabriken. Tausende Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Unzählige Tiere verendeten.

📽️ Video | Flammen-Inferno in Südwesteuropa

Rauchsäulen bis nach Barcelona

Große Sorgen bereitete am Montag der Brand in Pont de Vilomara nur etwa 50 Kilometer nördlich der katalanischen Metropole Barcelona. Dort zerstörten die am Sonntag ausgebrochenen Flammen nach weniger als 24 Stunden bereits 1700 Hektar Wald. Das Feuer erfasste auch zahlreiche Häuser. Die Rauchsäulen waren kilometerweit, etwa auch in Barcelona, zu sehen.

Eine seit Monaten anhaltende Dürre, die Hitzewelle, die in Spanien offiziell seit dem 9. Juli mit Temperaturen von bis zu 45 Grad herrscht, sowie starke Winde begünstigten den Ausbruch und die Ausbreitung der Flammen. Der Wetterdienst Aemet hatte am Montag aber auch eine gute Nachricht parat: Die Hitzewelle werde am Dienstag zu Ende gehen.

Senioren-Paar starb bei Flucht vor Flammen in Portugal

Bei den schweren Bränden in Portugal sind ein Mann und eine Frau ums Leben gekommen, als sie vor den immer näher auf ihr Haus vorrückenden Flammen fliehen wollten. Das Ehepaar im Alter von um die 70 Jahre sei mit seinem Auto von der Straße abgekommen, sagte am Montagabend im Fernsehen der Bürgermeister von Murça, Mario Artur Lopes. "Das Auto wurde komplett verbrannt, die beiden sind im Inneren gestorben."

Die beiden Senioren hielten sich in ihrem Haus in einem Dorf in der Nähe von Murça im Norden des Landes auf. "Sie haben offenbar beschlossen zu fliehen, als die Flammen immer näher kamen."

Portugal hatte in den vergangenen Tagen mit einer heftigen Hitzewelle zu kämpfen, mehrere große Brände brachen aus. Nach Angaben des Zivilschutzes wurden dabei bis zu 15.000 Hektar Wald- und Buschland vernichtet. Obwohl die Wetterbedingungen zuletzt etwas besser waren, kämpften am Montagabend noch immer rund tausend Einsatzkräfte gegen sechs große Brände im Norden des Landes.

Auf der bei Urlaubern beliebten kroatischen Halbinsel Istrien sind am Montag Beschränkungen für den Wasserkonsum in Kraft getreten.

In Italien verbrennt Obst und Gemüse auf den Feldern

Neben immer wieder aufflammenden Waldbränden macht Italien auch der ausbleibende Regen zu schaffen. Der Bauernverband Coldiretti warnte am Sonntag vor Ernteverlusten von gebietsweise bis zu 70 Prozent. Obst und Gemüse verbrenne auf den Feldern, hieß es in einer Mitteilung. Betroffen seien Sorten von Paprika bis zu Melonen, Marillen, Tomaten und Auberginen. Auf Sizilien und Sardinien hoben die Behörden die Waldbrand-Warnstufen in manchen Teilen der Inseln erneut an. Auf Sizilien gilt örtlich bereits die höchste Stufe drei.

Auch die griechische Feuerwehr schätzt das Risiko für Waldbrände in vielen Landesteilen weiterhin als "sehr hoch" ein. Am Montag seien vor allem die Region Attika mit der Hauptstadt Athen sowie die Inseln Euböa, Kreta, Lesbos und Samos und der Nordosten der Halbinsel Peloponnes betroffen. Schwierigkeiten bereiten vor allem die teils starken Winde, die in der Ägäis wehen - sie können ein fast ersticktes Feuer im Nu wieder anheizen und vorantreiben. (TT.com, AFP, dpa, APA)

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