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Klimabündnis will mehr als hübsches Marketing-Siegel sein

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Es scheint, als käme heutzutage kaum ein Produkt ohne aus: Label und Gütesiegel sollen umweltbewussten Konsumentinnen und Konsumenten Orientierungshilfe bieten, und das nicht nur im Supermarktregal. Seit 1990 schmücken sich manche Gemeinden mit dem Zusatz "Klimabündnisgemeinde". Das werde oft "missverstanden", räumte Klimabündnis-Geschäftsführerin Elke Kastner im APA-Gespräch ein und stellte klar: Die Mitgliedschaft ist keinesfalls "eine Zertifizierung wie Fairtrade".

Vielmehr handle es sich um ein "Bekenntnis zum Klima- und Umweltschutz". Das Klimabündnis ist das größte kommunale Klimaschutz-Netzwerk Europas und umfasst mittlerweile mehr als 1.700 Gemeinden aus 27 Ländern. In Österreich haben sich über 1.000 Gemeinden und Betriebe sowie über 600 Bildungseinrichtungen dem Klimabündnis angeschlossen. "Grundsätzliche Rahmenbedingungen für wirksamen Klimaschutz" müssten von politischer Seite gesetzt werden, konkrete Maßnahmen würden aber größtenteils lokal umgesetzt, umriss die Tiroler Klimabündnisobfrau LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) den Sinn des Bündnisses auf APA-Anfrage.

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Durch "gemeinsame Planungsprozesse der engagierten Akteur:innen einer Gemeinde" ließen sich "Synergien finden" und "vielfältige Aufgaben" mit guter Abstimmung besser umsetzen. Felipe, ihres Zeichens auch Umweltlandesrätin, verwies zudem auf den fünfstufigen Prozess zur Mitgliedschaft. Diese solle sicherstellen, dass "den bekennenden Worten auch konkrete Taten folgen". "Es geht hier nicht nur um ein zusätzliches Zertifizierungsschild am Gemeindeamt", betonte die grüne Politikerin.

Dass sich so manches Mitglied nur zu Image- und Marketingzwecken als Klimabündnisgemeinde schmückt, "mag sein", gab Kastner hingegen offen zu. Man habe dennoch "bewusst einen recht niederschwelligen Zugang gewählt". "Jeder, der dabei sein möchte, kann auf Expertise, Beratung und Begleitung des Netzwerks zugreifen und sich weiterentwickeln und weiterbilden", appellierte Kastner an die Eigenverantwortung.

Besonders häufig stößt man in Niederösterreich auf Klimabündnisgemeinden: Gut ein Drittel - 438 an der Zahl - befinden sich dort. Auffällig wenige zählt mit lediglich 41 von 171 Gemeinden hingegen das Burgenland. Das liege laut Kastner auch an "wenig Unterstützung von Seiten des Landes". Das Klimabündnis verfüge nicht über ausreichend Ressourcen und Personal, um den Gemeinden stark unter die Arme zu greifen. "Das Burgenland ist eine harte Nuss", übte Kastner Kritik an den Zuständigen.

Die Kommunen seien "wichtige Multiplikatoren und starke Partner", wenn es um Klimaschutz geht, hieß es indes auf APA-Anfrage aus dem Büro der LHStv. Astrid Eisenkopf (SPÖ). Gleichzeitig verwies sie auf andere Initiativen: Neben dem Klimabündnis gebe es mit KEM (Klima- und Energiemodellregion), KLAR! und e5 noch weitere Netzwerke. Derzeit würden in den sechs KEM-Regionen mit Partnern aus der Region etwa Projekte in den Bereichen Erneuerbare Energie, Mobilität oder Landwirtschaft umgesetzt. Am KLAR!-Programm nähmen drei Regionen im Burgenland teil, die sich mit den Folgen des Klimawandels auseinander setzten. Mit Bernstein gebe es außerdem die erste e5-Gemeinde, zwei weitere Ortschaften sollen demnächst dazukommen, schloss Eisenkopf.

Der Burgenland Tourismus begrüßte naturgemäß aus touristischer Sicht alle Initiativen, die dem Klimawandel entgegenwirken. "Die Landwirtschaft und eine intakte Natur" würden zu den wichtigsten Voraussetzungen einer Urlaubsdestination zählen und aufgrund der Klimakrise und der wachsenden Sensibilisierung in der Bevölkerung auch verstärkt an Bedeutung gewinnen, gaben die Verantwortlichen gegenüber der APA zu Protokoll. Sämtliche Maßnahmen, die unter dem Dach der Klimabündnis-Gemeinden gesetzt werden, würden deshalb vom Burgenland Tourismus begrüßt.

Während das Klimabündnis bis vor kurzem das Augenmerk darauf hatte, Menschen für den Klimawandel zu sensibilisieren, sei heute "allen klar, dass die menschengemachte Erderhitzung eine Gefahr für uns darstellt", nahm auch Kastner Bezug auf den Sinneswandel in der Bevölkerung. Heute gehe es deshalb viel mehr um die "praktische Umsetzung" konkreter Projekte und Kampagnen in den Bereichen Klimaschutz, Klimagerechtigkeit und Klimawandelanpassung, als um reine Bewusstseinsbildung und Information.

Klimabündnisgemeinden verpflichten sich unter dem Motto "Global denken - lokal handeln" außerdem zum Schutz von Amazonas-Regenwald. Seit 1993 unterstützt das Klimabündnis Österreich die Federação das Organizações Indígenas do Rio Negro (FOIRN), den Dachverband der indigenen Organisationen am Rio Negro in Brasilien ideell, politisch und finanziell. Nur das Land Vorarlberg und deren Klimabündnis-Gemeinden gehen seit 1993 einen eigenen Weg und kooperieren mit der Region Chocó in Kolumbien.

Laut der Regionalstellenleiterin des Klimabündnisses Vorarlberg, Irina Rojas, unterstützt das Bundesland dort Initiativen, die die Selbstbestimmung der indigenen Völker forcieren. Gleichsam flössen Geld und Unterstützung auch in "Umweltbildung, nachhaltige und alternative Gemeindewirtschaft, Verteidigung des Territoriums gegen Bergbauprojekte und Anpassung an den Klimawandel. So habe etwa ein "virtueller Wissens- und Erfahrungsaustausch zwischen jungen Führungskräften im Chocó und aus Vorarlberg" stattgefunden, erzählte Rojas der APA. Ein weiteres "Leuchtturmprojekt" sei die interaktive Ausstellung "klima verbündet" über den Klimawandel und den Regenwald, die allen Schulen in Vorarlberg zur Verfügung stehe. Im Rahmen des Projekts "Klimabohne" würden Kaffeebohnen aus dem Chocó per Segelboot nach Europa transportiert, in Dornbirn geröstet und verpackt und direkt an lokale Partner oder Nachhaltigkeitsveranstaltungen vermarktet, führte Rojas ein weiteres konkretes Beispiel ins Treffen.

Die Höhe des Klimabündnis-Beitrages hängt von der Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner in der jeweiligen Gemeinde ab. Für eine Gemeinde mit 1.000 Bewohnern werden laut Beitrittsinfomappe etwa rund 450 Euro pro Jahr fällig. Rund ein Drittel bis die Hälfte der Beiträge - je nach Größe der Gemeinde - gehe an den Schutz indigener Völker, sagte Kastner. 2016 hatte der Austritt der Gemeinde Klosterneuburg aus dem Klimabündnis medial für Aufsehen gesorgt. 5.000 Euro pro Jahr hatte die Kommune fürs Klimabündnis ausgegeben und darin keinen Sinn mehr gesehen. Austritte seien selten, kommentierte das Klimabündnis Österreich. Während pro Jahr zehn bis 20 Neuzugänge zu verzeichnen wären, kämen Austritte "nur alle paar Jahre" vor.


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