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Russlands Militär beschießt Gebiete in Süd- und Ostukraine

Russland bombt ohne Rücksicht auf Verlust
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Russlands Militär hat eigenen Angaben zufolge mehrere Ziele im Süden und im Osten der Ukraine beschossen. In den Gebieten Mykolajiw und Donezk seien innerhalb der vergangenen 24 Stunden insgesamt neun Kommandoposten getroffen worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow, am Donnerstag. Zudem seien sechs Waffenlager zerstört und ein Kampfflugzeug sowie ein Kampfhubschrauber abgeschossen worden. Unabhängig überprüfen ließ sich das nicht.

Konaschenkow sprach zudem von mehr als 600 Kämpfern, die am vergangenen Samstag bei einem Luftangriff im südukrainischen Gebiet Odessa getötet worden sein sollen. Darunter seien auch bis zu 120 ausländische Söldner gewesen, sagte er. Eine Bestätigung dieser Angaben von ukrainischer Seite gibt es nicht.

Von ukrainischer Seite hieß es ebenfalls, die schweren Kämpfe im Donbass seien am Donnerstag weitergegangen. "In der Region Luhansk gibt es wahrscheinlich keinen einzigen Quadratmeter Land, der von russischer Artillerie noch verschont geblieben ist", schrieb Gouverneur Serhij Hajdaj auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Die russischen Streitkräfte hörten erst dann mit den Angriffen auf, wenn ihr Material ermüde. Nach Angaben des ukrainischen Militärs kommen die russischen Truppen bei ihren Versuchen, im Donbass weiter vorzudringen, kaum voran.

Britischen Geheimdienstberichten zufolge näherten sich die russischen Streitkräfte offenbar dem zweitgrößten Kraftwerk der Ukraine in Wuhlehirsk, rund 50 Kilometer von Donezk entfernt. "Russland räumt der Eroberung von kritischer Infrastruktur wie Kraftwerken Priorität ein", teilte das britische Verteidigungsministerium mit. Die russischen Truppen versuchten zudem ihrem Vorstoß auf die Städte Kramatorsk und Slowjansk einen neuen Schub zu verleihen.

Beim russischen Beschuss der Stadt Charkiw sind nach Angaben des dortigen Gouverneurs Oleh Synehubow zwei Personen getötet worden. 19 Menschen seien verletzt worden, davon vier schwer. Russland weist Vorwürfe zurück, bei seinem als militärische Spezialoperation bezeichneten Vorgehen in der Ukraine Zivilisten ins Visier zu nehmen.

Moskau hatte am Mittwoch damit gedroht, in der Ukraine noch mehr Gebiete einnehmen zu wollen, als ursprünglich zu Kriegsbeginn vor fünf Monaten angekündigt. Außenminister Sergej Lawrow begründete das mit der zunehmenden Reichweite der vom Westen gelieferten Waffen für die Ukraine, die eine Gefahr für die vom Kreml unterstützten ostukrainischen Separatistengebiete Donezk und Luhansk sowie für Russland selbst seien. Laut dem Chef des russischen Parlaments, Wjatscheslaw Wolodin, verhindern US-Interessen und die militärische Unterstützung der Ukraine eine friedliche Regelung im Donbass.

Zur Unterstützung im bereits seit 148 Tagen andauernden Krieg haben die USA am Mittwoch der Ukraine unter anderem vier weitere Mehrfach-Raketenwerfer vom Typ Himars zugesichert. Die Führung in Kiew zeigte sich dankbar, fordert aber dringend auch die Lieferung von Luftabwehrsystemen. Auch Großbritannien unterstützt die Ukraine erneut mit Waffen. Hunderte Drohnen sowie Panzerabwehrwaffen und Artilleriegeschütze sollen laut dem Verteidigungsministerium in London in den kommenden Wochen geliefert werden.

Dazu zählen mehr als 20 Panzerhaubitzen vom Typ M109 sowie 36 Geschütze vom Typ L119, an denen ukrainische Soldaten derzeit in Großbritannien ausgebildet werden. Hinzu kommen Artillerieaufklärungsradar und 50.000 Schuss Munition für alte Artilleriegeschütze aus Sowjetzeiten. "Der Umfang und die Bandbreite der von uns bereitgestellten Ausrüstung demonstrieren die Stärke unserer Entschlossenheit", sagte Verteidigungsminister Ben Wallace einer Mitteilung zufolge am Donnerstag. Großbritannien ist einer der größten Waffenlieferanten für die Ukraine.

Ein Sieg seines Landes gegen die russischen Angreifer würde ganz Europa schützen, betonte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Videoansprache in der Nacht auf Donnerstag. Er warf Russland vor, die Ukraine als Testfeld für mögliche Angriffe gegen andere europäische Staaten zu nutzen. "Russland testet in der Ukraine alles, was gegen andere europäische Länder eingesetzt werden kann", sagte Selenskyj. "Es fing mit Gaskriegen an und endete mit einer groß angelegten Invasion, mit Raketenterror und niedergebrannten ukrainischen Städten."

Moskau hatte der Ukraine am Mittwoch vorgeworfen, in der teilweise russisch besetzten Region Saporischschja Anlagen am dortigen Atomkraftwerk mit zwei Drohnen angegriffen zu haben. Dass es keine Schäden und eine "von Menschen gemachte Katastrophe" gegeben habe, sei reines Glück gewesen, erklärte das Verteidigungsministerium in Moskau. Das AKW ist das größte in Europa. Die Berichte konnten unabhängig nicht überprüft werden. Die Regierung in Kiew hatte Russland zuvor vorgeworfen, Truppen nahe des Kraftwerks zu stationieren und dort auch Militärausrüstung zu lagern.

Nach Berechnungen der Vereinigten Staaten sind bisher rund 15.000 russische Soldaten im Krieg mit der Ukraine ums Leben gekommen und vielleicht dreimal so viele verwundet worden. CIA-Direktor William Burns auf dem Aspen Security Forum in Colorado bezeichnete dies als "erhebliche Verluste". "Und auch die Ukrainer haben gelitten - wahrscheinlich etwas weniger", so Burns am Mittwoch (Ortszeit).

Russland stuft Todesfälle von Soldaten auch in Friedenszeiten als Staatsgeheimnis ein und hat seine offiziellen Zahlen während des Krieges nicht durchweg aktualisiert. Am 25. März hieß es, es seien 1.351 russische Soldaten gefallen. Die Regierung in Kiew erklärte im Juni, dass täglich 100 bis 200 ukrainische Soldaten bei den Kämpfen ums Leben kommen.