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40-Jähriger nach Mordversuch auf Baustelle in Trins in Anstalt eingewiesen

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Der Angeklagte wurde in eine Anstalt eingewiesen.
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Innsbruck – Vor neun Monaten war der Vorarbeiter (56) noch auf einer Baustelle gestanden, jetzt humpelte er mühsam mit einem Rollator in den Gerichtssaal. Die Folge einer brutalen Attacke mit einem Hammer, für die sich ein Bosnier (40) am Mittwoch vor dem Schwurgericht verantworten musste. Für die Staatsanwältin ein versuchter Mord. Bei der Verhandlung ging’s aber nicht um Schuld und Strafe. Die Geschworenen mussten vielmehr entscheiden, ob der psychisch kranke Angeklagte in eine Anstalt für abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden soll. Die Frage wurde einstimmig und bereits rechtskräftig mit „Ja“ beantwortet.

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Es war am 4. November, als eine Baustelle in Trins zum Tatort wurde. Der Vorarbeiter, übrigens ein Landsmann, habe sich immer über ihn lustig gemacht, erzählte der Angeklagte. Etwa, weil er keine Frau habe. Als der Bauarbeiter-Trupp Schnee schöpfen musste, flogen auch ein paar Schneebälle. Einer traf den 40-Jährigen. „Da hat mich der Vorarbeiter ausgelacht. Mir ging’s an dem Tag nicht gut“, schilderte der Bosnier, der an paranoider Schizophrenie leidet. Nach Schichtende um zwölf Uhr „überkam es mich, ich hatte für eine Sekunde das Gefühl, den Vorarbeiter umbringen zu müssen.“ Mit einem Hammer bewaffnet ging der Angeklagte in den Aufenthaltscontainer und schlug zu. „Du nimmst mich nicht mehr auf den Arm“, schrie er dabei. „Vier bis fünf Hiebe mit der spitzen Hammerseite trafen den Hinterkopf bzw. die schützend erhobene Hand des Opfers“, schilderte Gerichtsmediziner Walter Rabl, „zweimal durchstieß die Hammerspitze den Schädel und drang einige Zentimeter ins Großhirn ein.“ Eine beinahe tödliche Attacke, die der nicht mehr arbeitsfähige 56-Jährige nur knapp mit dauerhaften Lähmungserscheinungen überlebte.

Gerichtspsychiaterin Adelheid Kastner diagnostizierte paranoide Schizophrenie, die zwei Jahrzehnte lang nicht behandelt worden war. „Der Angeklagte sprach von dunklen Mächten und dass er auch schon seinen Bruder und seinen Vater umbringen wollte.“ Er fühle sich ständig erniedrigt, selbst wenn nur von Kühen oder Gewittern gesprochen wird. Unterm Strich sah Kastner keine Alternative zur Einweisung in eine Anstalt. „Wegen der Krankheit ist die Gefährlichkeit weiter in hohem Maß gegeben.“ Nach dem Prozess wurde der Angeklagte sofort in die Haller Psychiatrie überstellt. (tom)

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