Musik

Anna Fusek auf Schloss Ambras: Lebensfreude trifft Kontemplation

Multiinstrumentalistin Anna Fusek auf Schloss Ambras.
© Hauser

Multiinstrumentalistin Anna Fusek bewies sich beim 2. Ambraser Schlosskonzert als Virtuosin an der Blockflöte und Geige.

Innsbruck – Sie zählt zweifellos zu den mit den meisten Vorurteilen behafteten Instrumenten, die Blockflöte. Nicht selten ist sie mit Kindheitserinnerungen verbunden, die mit dem Satz „Zuerst lernst du Blockflöte und später bekommst du ein richtiges Instrument“ einhergehen. Dabei würde der Besuch eines Konzertes, wie von jenem am Dienstag im Rahmen der Ambraser Schlosskonzerte genügen, um selbst ein Kind davon zu überzeugen, um welch himmlisches Instrument es sich bei der Blockflöte handelt.

Blockflöten-Virtuosin Anna Fusek ließ mit den ersten Tönen erahnen, weshalb das handliche Instrument bis ins 18. Jahrhundert zu den beliebtesten überhaupt zählte. Antonio Vivaldi widmete ihr die meisten seiner Bläserkonzerte. Im 20. Jahrhundert wurde es still um das „Volksinstrument“. Für den unaufhaltsamen Wiederaufstieg als internationales Solisteninstrument waren Frans Brüggen (1934–2014) und in jüngerer Zeit Dorothee Oberlinger verantwortlich. Beide gastierten mehrmals in Innsbruck. Anna Fusek darf man wohl in einem Atemzug mit ihnen nennen.

Gemeinsam mit Claudio Rado (Violine), Marta Graziolino (Barockharfe), Gianluca Geremia (Theorbe & Renaissance-Laute) präsentierte sie zwar kein Werk von Vivaldi. Dafür gewährte man mit der Gegenüberstellung von Werken der Spätrenaissance und des Frühbarock der Komponisten Biagio Marini, Tarquinio Merula, Thomas Robinson, Thomas Morley, John Baldwin, Anthony Holborne, Christopher Tye und Francesco Turni Einblick in die so gegensätzlichen Geisteshaltungen der introvertierten Kontemplation bzw. extrovertierten Lebensfreude. In der Zusammenstellung ein überaus profiliertes Repertoire, das neben aller Artistik auch musikalisch überzeugte. Die Gegenüberstellung des leichten, italienischen Stils mit seiner idealen Verbindung aus melodischer Finesse und technischem Anspruch sowie der tief bewegenden, wehmütig sehnsuchtsvollen englischen Machart beeindruckte zutiefst. Schnell, wendig und schlank, atemtechnisch souverän, präzise Artikulation, Melodiebögen sensibel abgetönt und farbig gestaltet – da hörte man eine Meisterin ihres Faches.

Als exzellente Geigerin durfte sich Fusek ebenso beweisen. Dass sie auch als Pianistin zu glänzen vermag, sei nebenbei erwähnt. Dass sich übermütige Freude, melancholische Tiefe, überschießender Esprit so richtig einstellten, dafür sorgte die Grundierung des blendend eingestellten Ensembles, in dem Harfenistin Marta Graziolino auch solistisch glänzen durfte. (hau)

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