Gas-Lieferungen

Russland pumpt wieder Gas durch Nord Stream 1, Preise fallen

Auch die OMV hat am Donnerstag wieder mehr Gas erhalten.
© TOBIAS STEINMAURER

Russlands Energieriese Gazprom pumpt nach der Wiederinbetriebnahme der Ostseepipeline Nord Stream 1 auch weiter Gas durch die Ukraine nach Europa – trotz des Krieges dort. Auch die OMV erhält wieder mehr Gas, die Gaspreise sind gefallen. Entwarnung dürfte es aber dennoch nicht geben.

Wien – Russland pumpt wieder Gas durch die Ukraine nach Europa: Nach der Wartung von Nord Stream 1 ist Donnerstagfrüh die Gaslieferung durch die deutsch-russische Gaspipeline wieder angelaufen. Netzdaten zufolge hat der Gasfluss durch die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 in der Früh das angekündigte Niveau erreicht. In der Stunde zwischen 7.00 und 8.00 Uhr wurden nach Daten von der Website der Nord Stream AG mehr als 29 Gigawattstunden geliefert und damit in etwa so viel Gas, wie zuvor angekündigt.

In der ersten Stunde des Gastages – also zwischen 6.00 und 7.00 Uhr – blieb das Niveau wegen des Hochlaufs unterhalb der angekündigten Menge. Diese Differenz werde allerdings mit Mengen verrechnet, die vor den Wartungsarbeiten vor eineinhalb Wochen beim Herunterfahren noch nach dem eigentlichen Lieferstopp anfielen, erklärte ein Sprecher der Nord Stream AG.

​📽️​ Video | Analyse zur Wiederaufnahme der russischen Gaslieferung

Auch die österreichische OMV hat am Donnerstag wieder mehr Gas erhalten. Der russische Gaskonzern Gazprom habe bestätigt, dass rund die Hälfte der vereinbarten Gasmenge am Donnerstag fließen soll, hieß es von der OMV zur APA. Damit kehre man auf das Niveau von vor der Wartung der deutsch-russischen Pipeline zurück. Während der Nord-Stream-Wartungspause bekam die OMV nur ein Drittel des bestellten Gases aus Russland.

Gaspreise gefallen

Die Gaspreise sind nach der Wiederaufnahme der Gas-Lieferungen gefallen. Der europäische Future notierte am Donnerstag 7,7 Prozent leichter bei 149 Euro je Megawattstunde. "Damit ist die Energiekrise natürlich bei weitem nicht gelöst. Aber zumindest kurzfristig ist das Albtraum-Szenario abgewendet", sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Zuvor war befürchtet worden, Moskau könne nach der zehntägigen Wartung den Gashahn komplett zulassen und so die Energiekrise weiter verschärfen. Nach Russlands Angriff auf die Ukraine hatte der Westen Sanktionen gegen Russland verhängt. Russland hatte wiederum Gaslieferungen in europäische Länder ganz oder teilweise eingestellt.

Die Liefermengen in den kommenden Monaten dürfte große Auswirkungen etwa auf europäischen Volkswirtschaften, aber auch auf Privatkunden haben, da sie sich auch auf die Gaspreise niederschlagen. Sie dürften auch ausschlaggebend dafür sein, wie weit die EU-Länder ihre Gasspeicher noch vor der kalten Jahreszeit auffüllen können und ob es zu einer Mangellage kommt. Kremlchef Wladimir Putin hatte in der Nacht auf Mittwoch vor einer Drosselung Ende Juli gewarnt und technische Gründe angeführt.

Deutsche Netzagentur sieht keine Entwarnung

Trotz der Wiederaufnahme der Gaslieferungen sieht der Präsident der deutschen Bundesnetzagentur, Klaus Müller, keine Entwarnung. Wenn in den nächsten Wochen etwa 40 Prozent der Kapazitäten der Pipeline ausgelastet werden, dann wären die schlimmsten Befürchtungen zwar nicht bestätigt, sagte Müller am Donnerstag. "Es ist nicht das schlimmste Szenario eingetreten, aber von Entwarnung kann ich noch nicht reden."

Müller gab zu bedenken, dass Russlands Präsident Wladimir Putin unlängst Aussagen gemacht habe, die auf eine Drosselung auf 20 Prozent hindeuten könnten. "Wir sind Russland momentan ausgeliefert", weil es darüber entscheide, wie viel Gas Nord Stream 1 fließe. Umso wichtiger seien Einsparungen und der Bezug aus anderen Quellen.

Gewessler: Verunsicherung ist gezielte Taktik Putins

Die Wiederaufnahme der Gaslieferungen sei kein Grund zur Entwarnung, warnt Ministerin Gewessler.
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Auch für Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) ist die Wiederaufnahme der Gaslieferungen noch kein Grund zur Entwarnung. "Russland schürt ganz bewusst Unsicherheit in Europa. So treibt Putin die Gaspreise", sagte die Ministerin in einer Aussendung am Donnerstag und verwies darauf, dass die Pipeline nur zu rund 40 Prozent ausgelastet sei. Die Situation bleibe weiterhin angespannt, Österreich dürfe sich nicht in falscher Sicherheit wiegen.

Die österreichischen Gasspeicher seien derzeit zu etwa 50 Prozent gefüllt. Trotz der Wartung von Nord Stream 1 sei auch in den vergangenen Tagen Gas eingespeichert worden. Bis vor Beginn der Heizsaison will die Regierung die Speicher zu 80 Prozent füllen. "Die Expertinnen und Experten gehen aktuell davon aus, dass dieses Speicherziel erreichbar ist und die täglichen Einspeicherungen wieder ansteigen werden, nachdem die Gazprom wieder Gas über Nordstream 1 liefert", so Gewessler. Dennoch dürfe sich Österreich nicht in falscher Sicherheit wiegen und müsse sich auf alle Szenarien weiter vorbereiten.

📽️​ Video | IHS: Gas-Lieferstopp würde Österreichs Wirtschaft stark dämpfen

Kreml-Sprecher: Lieferprobleme nur wegen Sanktionen

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow begründete unterdessen am Donnerstag alle Schwierigkeiten bei der Lieferung von russischem Erdgas nach Europa mit den westlichen Sanktionen gegen Russland. In einem Gespräch mit Reportern sagte Peskow laut einem Reuters-Bericht, Russland bleibe "ein sehr wichtiger und unverzichtbarer Bestandteil der europäischen Energiesicherheit".

Angesichts der Bedenken in Europa, dass Russland die Gaslieferungen weiter einschränken könnte, verwies Peskow auf die früheren Äußerungen von Präsident Putin. Die staatliche Gazprom werde Verpflichtungen gegenüber Kunden immer erfüllen.

Gazprom sagt mehr Gas-Lieferungen an Italien zu

Indes hat Gazprom auch eine Erhöhung der täglichen Gas-Lieferung an Italien zugesagt. Der russische Energie-Konzern wolle am Donnerstag ungefähr 36 Millionen Kubikmeter Gas liefern, teilte Italiens teilstaatlicher Energieversorger Eni mit. In den vergangenen Tagen lieferte Gazprom Eni zufolge geschätzt 21 Millionen Kubikmeter Gas. Das in Mailand ansässige Unternehmen wolle weitere Informationen bereitstellen, sollte es "bedeutende Veränderungen" geben. (APA/dpa, TT.com)

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