Deutschland

Studie zu 9-Euro-Ticket: Mehr Öffi-Nutzung und etwas weniger Auto

Für neun Euro pro Monat kann man aktuell in Deutschland die Nahverkehrsmittel nützen.
© IMAGO/imageBROKER/Michael Nitzschke

Eine Studie zum für den heurigen Sommer eingeführten 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr hat ergeben: 35 Prozent fuhren häufiger mit den Öffis. Drei Prozent nutzten ihr Auto seltener und 22 Prozent nutzten überhaupt erstmals Bus und Bahn.

München – Erste Ergebnisse einer großangelegten Studie zum deutschen 9-Euro-Ticket bescheinigen dem Angebot durchaus Wirkung. So fuhren 35 Prozent der Studienteilnehmer aus dem Raum München häufiger mit Bus und Bahn, wie die Forschungsgruppe an der Technischen Universität München (TUM) am Donnerstag mitteilte. Zudem nutzten 3 Prozent seltener ihr eigenes Fahrzeug und 22 Prozent der Teilnehmer nutzten Bus und Bahn neu, obwohl sie das zuvor nicht getan hatten.

Zudem beobachteten die Forscher auch eine Auswirkung im Münchner Straßenverkehr: Dort habe der Fahrzeugfluss im Juni im Vergleich zum Mai um rund drei Prozent nachgelassen – obwohl er normalerweise von Mai auf Juni in etwa in dieser Größenordnung steige.

Nicht nur befragt, auch gemessen

Eine Besonderheit der Münchner Studie ist, dass sie sich nicht nur auf Befragungen verlässt, sondern per Smartphone auch das tatsächliche Mobilitätsverhalten misst. Pro Tag flossen Daten von rund 700 bis 750 Teilnehmern ein, wie Studienleiter Klaus Bogenberger, Professor am Lehrstuhl für Verkehrstechnik der TUM, erklärt. Insgesamt nehmen rund 1000 Menschen teil.

"Es war nicht zu erwarten, dass sich das tägliche Verhalten wegen eines neuen Angebots radikal ändert", ordnet Bogenberger die ersten Daten ein und betont: "Umso höher einzustufen ist der Anteil der Menschen, die erstmals mit Alternativen zum eigenen Auto unterwegs sind." Zu Beginn hätten viele Menschen Bus und Bahn getestet, sagt er. Man sehe inzwischen ein leichtes Abklingen der Neugier. Dennoch zieht der Professor ein positives Zwischenfazit: "Das wichtige Ergebnis ist: Viele haben die öffentlichen Verkehrsmittel in ihren Alltag integriert."

365-Euro-Ticket als Nachfolger möglich

Als Nachfolgeangebot für das 9-Euro-Ticket hat Bogenberger mehrere Optionen im Sinn: Ein lokales 365-Euro-Ticket, ein 69-Euro-Ticket für Bayern oder ein Angebot, wo man – ähnlich dem Datenvolumen eines Handyvertrags – ein monatliches Kilometerbudget erwirbt. (APA, dpa)

Verwandte Themen