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„Volkswagen Classic“ in Wolfsburg: Spritztour in die Vergangenheit

Bei „Volkswagen Classic“ ist für den echten Benzinbruder Ostern und Weihnachten zugleich. Autos aus allen Epochen sind zu bewundern, die TT durfte mit einigen Raritäten sogar fahren.

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Das „Hebmüller“ Käfer Cabrio: 72 Jahre alt, 25 PS und es läuft und läuft und läuft.
© Schrott

Von Walter Schrott

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Wolfsburg, Weyhausen – Das Rolltor geht auf und das Staunen nimmt seinen Lauf. Was in der Halle von „Volkswagen Classic“ in Wolfsburg zu bewundern ist, lässt dem Auto-Fan das Wasser im Mund zusammenlaufen. Rund 300 Fahrzeuge aus allen Epochen umfasst die Sammlung insgesamt, zur Hälfte untergebracht auch in Osnabrück. Und ständig kümmert sich eine Handvoll Enthusiasten um die Erhaltung dieser unbezahlbaren Schätze aus Blech und Chrom.

Wir steuern ganz spontan auf ein 1100er „Hebmüller“ (benannt nach einem Karosseriewerk) Käfer-Cabrio zu. Zweifellos einer der Stars in der Halle. Baujahr 1950, wunderschön, makellos restauriert. Orange-schwarz mit komplett versenkbarem Verdeck. Im Heck ein luftgekühlter Vierzylinder-Boxermotor mit sage und schreibe 25 PS. Sascha Neumann, Leiter von „Volkswagen Classic“, bittet uns, Platz zu nehmen. „Echt jetzt, wir dürfen mit diesem Auto fahren?“ Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und schon beginnt ein kleines Abenteuer.

Beim ersten Dreh mit dem Zündschlüssel springt der Boxer an, es kann losgehen. Könnte losgehen, denn so willig der Motor auch brummt, den Ganghebel ins nicht synchronisierte Getriebe zu schieben, ist nicht so einfach. Dann rollt der Oldie doch noch auf die Straße. Schon die erste Kurve eine Herausforderung: keine Servolenkung. Muskelkraft ist gefragt, um das Cabrio einigermaßen spursicher durch die Radien zu dirigieren. Das Wetter herrlich, die Landstraße frei, der Wind weht um die Ohren. Machen wir doch ein bisserl Musik. Doch freiwillig sucht das Radio mangels Sendersuchlauf keine Frequenzen. Wir müssen lange in der Strichskala des analogen Uraltempfängers drehen, bis Musik erklingt.

Die Eingewöhnung ist geschafft, wir rollen vergnügt durch die Lande und genießen die Einzigartigkeit dieser entschleunigten Fortbewegung. Nur beim Herunterschalten gibt sich das Getriebe wieder zickig. Nicht einmal vom Zwischengas lassen sich die Gänge überreden. Nur mit roher Gewalt geht das und die gequälten Zahnräder protestieren lautstark. Und ja, mit aller Kraft auf die Bremse zu treten, dürfen wir nicht vergessen, es gibt auch keinen Bremskraftverstärker. Rückkehr mit breitem Grinser im Gesicht. Ein absolut exklusives Vergnügen, diese Ausfahrt. Und unvergesslich dazu, denn vor lauter Lenkraddrehen und Bremspedaltreten ist die Aussicht auf Muskelkater groß. So minimalistisch, dabei echt fordernd und doch faszinierend war früher einmal das Autofahren. Vollkommen ohne elektronische Helferlein, nur mit solider Mechanik. Insgesamt nur 696 Exemplare wurden von dieser Rarität gebaut.

Szenenwechsel, Kontrastprogramm: Wieder entscheiden wir uns für einen Käfer. Einen der besonderen Art. Der Autotuner Theo Decker hat den 1302er aus dem Jahr 1972 „frisiert“. 135 statt der serienmäßig eher schlappen 50 PS. Für damalige Zeiten ein absoluter Sportler. Dazu ein Sperrdifferenzial, Weber-Doppelvergaser, Sportdämpfer und 195er-Patscherl. Ein Gesamtpaket, das es in sich hat. Der 870 Kilo leichte „Decker-Käfer“ geht ab wie die Post. Auf der Autobahn zeigt die zittrige Tachonadel 180 km/h. Und da erhaschen wir verwunderte Blicke, wenn wir uns auf der Überholspur breit machen. Ein alter VW Käfer mit 180 Sachen? Ja, gibt’s denn das? Das gibt es und wir haben es in vollen Zügen genossen.

In der Halle zu flanieren, ist ein Spaziergang durch die Automobilgeschichte. Vom ältesten Käfer aus den 40er-Jahren über den 914er Volksporsche und einige Prototypen, die nie in Serie gehen durften, bis hin zum neuesten Golf GTI. Alles ist vertreten, was die Ingenieurskunst in Jahrzehnten hervorgebracht hat. Und wenn man die Hüter dieser Schätze beobachtet, wird schnell klar: Für Sascha Neumann und seine „Jungs“ ist die Arbeit nicht Arbeit, sondern echte Leidenschaft.

Die Spritztour in die Vergangenheit hat uns aber auch eindrucksvoll vermittelt, wie rasant sich die Automobiltechnik seither entwickelt hat. Seinerzeit hat der Lenker dem Auto gesagt, wo es langgeht, heute übernimmt modernste Elektronik die Vormundschaft über den Fahrer. Das hat natürlich entscheidende Vorteile, denn Sicherheit war früher nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss.


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