Musik

Lizzo weiter auf Erfolgskurs: Gute-Laune-Schübe ohne Mimimi

Die 34-Jährige macht seit rund zehn Jahren Musik, seit 2019 beim Major-Label. Vor Kurzem erschien ihr Album „Special“.
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TikTok-tauglich: Lizzo empowert mit „Special“ und schreibt damit ihre Erfolgsgeschichte weiter.

Von Barbara Unterthurner

Innsbruck – Auf TikTok funktioniert Lizzos „About Damn Time“ ganz wunderbar. Das ist im zeitgenössischen Musikmarkt ja nicht unwesentlich. Jene Songs, zu denen auf der Kurzvideoplattform intensiv getwerkt wird, werden dementsprechend geklickt. Auch dann, wenn sich UserInnen, so wie bei „About Damn Time“ ganz eigene Zugänge finden. In einem Schnipsel, der sich gerade millionenfach verteilt, hat eine plärrende Muppet-Stimme Lizzo mit ulkigen „Mimimis“ überstimmt. Vielleicht auch weil die Lyrics von „About Damn Time“, beim ersten Hören zwar rhythmisch grooven, aber auch nur so semiverständlich sind.

Dabei lautet der Text ja eigentlich „In a minute I’ma need a sentimental / man or woman to pump me up“. Dabei ist es sonst vor allem Lizzo selbst, die andere „hochpumpt“. Schließlich ist die 34-Jährige mit ihrem Debüt „Big Grrrl Small World“ 2015 angetreten, als die internationale Verfechterin für Bodypositivity. Bei Lizzo sollen sich erstmal alle in ihren Körpern wohlfühlen, egal wie diese geformt sind. Mit „Cuz I Love You“ wurde diese Musik gewordene Einstellung 2019 – zwar spät, aber immerhin – Major-Label-tauglich. Was Lizzo kurzerhand in den US-amerikanischen Pop-Olymp katapultiert hat. Mit drei Grammys im Arm.

In ihrem neuen Album „Special“ geht es nun darum, die Erfolgsgeschichte weiterzuschreiben. Das scheint auch erstmal zu gelingen. „About That Time“ wird da und dort jedenfalls schon als Sommerhit gehandelt. Und auch einige andere der 12 Songs dieses kurzen Albums sind so genannte „Banger“.Für temporäre Gute-Laune-Schübe sorgen etwa das großartige „Everybody’s Gay“ oder „Grrrls“, in dem Lizzo schön frech von den Beastie Boys klaut. Aus deren „Girls“ werden bei Lizzo standesgemäß „Bitches!“ – womit die Sängerin ihre Community übrigens schon im Opener „The Sign“ begrüßt hat. Damit finden sich die Fans gerne ab. Weniger mit der Passage „I’m a spaz“, die Lizzo ursprünglich in „Grrrls“ besang. Behindertenfeindlich, lautete der Vorwurf. Auf den Lizzo prompt reagierte. Mit einer neuen Version. Sie habe selbst zu viele beleidigende Worte an den Kopf geworfen bekommen, twitterte die Sängerin dazu. Sie will jetzt nicht weniger als die Welt verändern.

Kein Mimimi also, kein Gejammer. Lizzo ist eine Frau der Tat. Dass es da und dort schwierige Phasen gibt, darauf wird in der Musik aber nicht vergessen. Im Titeltrack „Special“ sind wenigstens die anderen besonders. Und in „Break Up Twice“ wurde in einem Damals auch schon mal richtig getrauert.

Der Gros des Albums aber bleibt Empowerment pur. Stilistisch treffen da powervolle Basslinien R’n’B-Elemente, Disco und Hip-Hop. Das alles fliegt einem in einem Pop-Feuerwerk um die Ohren – für 36 Minuten. 2, höchstens 3 Minuten lang dauern die Tracks durchschnittlich. Für Radio und TikTok ideal. Lizzos Sound, dafür hat ein ganzer Strauß an Megaproduzenten (Mark Ronson!) gesorgt, ist eben auch wohlkalkuliert.

Pop Lizzo: Special. Warner Music.

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