Burgenland

Hitze trocknet Seen im Burgenland aus: Tonnenweise Fische verendet oder umgesiedelt

In einer eiligen Rettungsaktion versuchten Fischteichbesitzer aus der Umgebung, Fische lebend aus dem seichten, schlammigen Zicksee zu bringen.
© HANS KLAUS TECHT

Alarm im Burgenland: Teils über 30 Grad hat der Neusiedlersee gerade – und auch der Wasserstand ist aktuell so tief wie noch nie. Das sorgt für Fischsterben. Ein generelles Umsiedeln wie am Zicksee ist nicht möglich. Auch dort beträgt der Wasserstand nur noch wenige Zentimeter. Es gab bereits eine eilige Rettungsaktion für rund 30 Tonnen Fische. Viele sind aber bereits verendet.

Neusiedl – Die anhaltende Hitze und der tiefste Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen 1965 verursachen Fischsterben im Neusiedler See. Die toten Tiere werden von Berufsfischern entfernt, berichtete Christian Sailer, Leiter des Hauptreferats Wasserwirtschaft beim Land Burgenland. Wegen der Größe des Sees sei allerdings kein generelles Umsiedeln wie im Zicksee möglich, sagte der Leiter der „Task Force Neusiedler See-Seewinkel" am Samstag im Gespräch mit der APA.

Wasser bis zu 30 Grad Celsius warm

Nachdem am Freitag tote Tiere bei Weiden am See entdeckt und entfernt worden waren, wurden am Samstag laut Sailer u.a. weiter südlich bei Illmitz verendete Fische gefunden. Gehäuft trete das Sterben nahe des Ufers und im Schilf auf, vereinzelt auch auf der freien Wasserfläche. Die Tiere wurden von Berufsfischern aus dem See geholt.

Fischer waten durch den schlammigen Rest des Zicksees und versuchen noch lebende Tiere in Sicherheit zu bringen.
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Die durch die Hitze bedingte hohe Wassertemperatur – am Samstag wurden laut dem Wasserportal des Hydrographischen Dienstes Burgenland zum Teil über 30 Grad Celsius gemessen – führe zu einem niedrigeren Sauerstoffgehalt im See, erklärte Sailer. Verendet sind den Angaben zufolge vor allem Zander und Sichling (auch Ziege genannt), die kühleres Nass bevorzugen. Weil es durch den niedrigen Wasserstand teilweise keine typische Schichtung von wärmeren und kühlere Zonen im See geben, könnten sich die Fische nicht mehr zurückziehen.

Wasserstand auf historischem Tiefstwert

Man beobachte die Lage, betonte Sailer. „Derzeit schaffen es die Berufsfischer, die toten Fische zu entfernen", sagte er. Die weitere Entwicklung hängt auch vom Wetter ab – für die kommenden Tage sind weiterhin hohe Lufttemperaturen, aber auch Regenschauer prognostiziert.

Der Wasserstand hat aufgrund der Hitze am Montag mit 115,04 Meter über Adria den tiefsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht. In den folgenden Tagen wurde erneut ein Rückgang verzeichnet. Samstagmittag lag der Wert nur mehr bei 115,01 Meter über Adria. Bei hohen Temperaturen um die 30 Grad betrage der Rückgang um die 0,7 bis einen Zentimeter täglich, erläuterte Sailer.

Fische aus Zicksee tonnenweise umgesiedelt

Auch der Zicksee im burgenländischen Seewinkel ist am austrocknen. Das Gewässer ist nur noch rund 20 Zentimeter tief. Um die darin lebenden Fische zu retten, hat Bürgermeister Andreas Sattler (ÖVP) aus St. Andrä deshalb Sportfischer der Umgebung um die Abfischung gebeten.

Hunderte, wenn nicht Tausende Fischkadaver liegen im wenige Zentimeter tiefen Wasser.
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Am Montagnachmittag waren bereits drei Tonnen Fische herausgefischt, insgesamt dürften es rund zwanzig bis dreißig Tonnen sein, so Christoph Pölzer, Fischereiaufsichtsorgan für den Zicksee. Es handle sich dabei vor allem um Karpfen. Zander und Hechte seien bereits verendet, diese sind laut Pölzer empfindlicher.

„Eigentlich schon zu spät“

Die Tiere wurden von den Sportfischern aus der Region mit Netzen und Keschern aus dem See geholt und anschließend in umliegende künstlich angelegte Baggerteiche übersiedelt. Das Wasser sei im noch vorhandenen Zicksee sehr trüb, man beobachte nun, wo sich noch etwas regt und werde versuchen, noch Fische zu retten, erklärte Bürgermeister Sattler.

Noch lebende Tiere wurden in umliegende Teiche übersiedelt.
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Robert Jungwirth aus Pamhagen war einer von mehreren Fischern, die noch versucht haben zu retten, was noch zu retten war. Der Besitzer von Fischteichen in Apetlon meinte, dass es eigentlich schon zu spät sei für die Tiere. Der Schlamm setzte den Kiemen und der schleimigen Fischhaut zu. „Auch wenn man sie auswassert, werden sie relativ schwer wieder in die Höhe kommen“, so Jungwirth.

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Dotierung mit Grundwasser im Juni eingestellt

Am Zicksee musste die Dotierung mit Grundwasser Anfang Juni eingestellt werden. „Die Gemeinde darf eine bestimmte Menge dotieren. Wenn ein gewisser Grundwasserpegel erreicht wird, müssen wir abschalten", erläuterte Sattler im Gespräch mit der APA. Dies wurde im Juni erreicht und die Prognose decke sich nun mit dem aktuellen Stand. Vom rund 120 Hektar großen Gebiet sei aktuell nur noch etwa die Hälfte vorhanden, schätzt Sattler. (APA)

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