Krieg in Ukraine

Bruch von Abkommen vom Vortag: Russen geben Angriff auf Odessa zu

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj.
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Nach Dementi räumte der Kreml am Sonntag schließlich doch ein, die Raketen auf den Hafen von Odessa abgefeuert zu haben. Noch am Vortag hatte Russland sich dazu verpflichtet, den Hafen nicht anzugreifen.

Kiew, Moskau – Nach einem Dementi hat sich Russland nun doch zum Angriff auf den Hafen von Odessa bekannt. Man habe auf "militärische Infrastruktur" gezielt, teilte das russische Außenministerium am Sonntag mit. Der Angriff vom Samstag erfolgte wenige Stunden, nachdem die Kriegsparteien ein Abkommen zur Ermöglichung von Getreideexporten geschlossen hatten, das Angriffe auf Häfen untersagt. Moskau hatte türkischen Angaben zufolge zunächst erklärt, nicht mit dem Angriff zu tun zu haben.

Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa sagte, bei dem Angriff seien "hochpräzise" Kalibr-Waffen eingesetzt worden. Dabei sei militärische Infrastruktur zerstört worden, behauptete Sacharowa. Unerwähnt ließ sie, dass Russland sich in dem am Freitag in Istanbul unter türkischer und UNO-Vermittlung unterzeichneten Abkommen auch dazu verpflichtet hatte, den Hafen von Odessa und zwei weitere ukrainische Häfen nicht anzugreifen, um Getreideausfuhren zu ermöglichen.

Selenskyj: "Offensichtlicher Akt russischer Barbarei"

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj übte scharfe Kritik an den Angriffen und verurteilte sie als einen Akt "offensichtlicher russischer Barbarei". Die Schläge seien ein weiterer Grund dafür, der Ukraine solche Waffen zu geben, "die für unseren Sieg notwendig sind", sagte der Staatschef in seiner am Samstagabend veröffentlichten Videobotschaft. Das ukrainische Militär teilte am Sonntag mit, dass der Beschuss im Norden, Süden und Osten fortgesetzt wurde.

Im Donbass bereiten demnach die russischen Kräfte einen Angriff auf die Stadt Bachmut vor. Laut ukrainischer Armee wurden vom 24. Februar bis zum 24. Juli insgesamt 39.520 russische Soldaten getötet. Zudem seien 1.722 russische Panzer, 3.942 gepanzerte Kampffahrzeuge, 869 Artilleriesysteme, 255 Flugabwehrraketensysteme, 113 Luftverteidigungseinheiten, 221 Kampfflugzeuge, 188 Hubschrauber und 15 Kriegsschiffe zerstört worden, wie die ukrainische Nachrichtenagentur Ukrinform mitteilte. Von unabhängiger Seite ließen sich diese Zahlen zunächst nicht bestätigen.

Selenskyj warf Russland vor, einen Tag nach dem in Istanbul unterzeichneten Abkommen über die Ausfuhr von ukrainischem Getreide den Hafen von Odessa beschossen zu haben. Russland weist das zurück, wie die Türkei nach einem Gespräch mit der Kriegspartei mitgeteilt hatte.

Vereinbarungen mit Kreml für Selenskyj sinnlos

Dagegen meinte Selenskyj, dass sich Russland mit den Raketenangriffen politisch bloßgestellt habe. "Wenn irgendjemand auf der Welt früher gesagt hat, dass es notwendig ist, mit Russland in Dialog zu treten, Vereinbarungen zu treffen über eine Waffenruhe, ohne unser Gebiet von den Besatzern zu befreien, dann haben die heutigen Raketen die Möglichkeit solcher Aussagen zerstört", sagte er. Der Angriff sei international verurteilt worden.

Russland hatte am Freitag in dem Abkommen zugesichert, Schiffe für den Export über einen Seekorridor fahren zu lassen und nicht zu beschießen. Auch die drei beteiligten Häfen dürfen demnach nicht angegriffen werden. Es geht dabei unter anderem um die Ausfuhr von Millionen Tonnen Getreide. Die unter der Vermittlung der Vereinten Nationen und der Türkei unterzeichnete Einigung sieht vor, die Exporte von einem Kontrollzentrum in Istanbul überwachen zu lassen.

Selenskyj gibt sich siegessicher

Selenskyj wandte sich am Sonntag in einer weiteren Botschaft an seine Bürger. Genau fünf Monate nach Kriegsbeginn zeigte er sich siegesgewiss. "Dieser Krieg hat die Ukraine nicht gebrochen und wird sie nicht brechen. Wir werden nicht aufgeben. Wir werden schützen, was uns gehört. Wir werden gewinnen", sagte er auf Telegram. Am Vorabend hatte er erklärt, der 150. Kriegstag sei wie viele andere auch gewesen. Neben den Raketenangriffen auf Odessa habe es schwere Gefechte im Donbass und im Gebiet Charkiw gegeben. Dennoch sei auch sichtbar, dass sich die Ukraine in Richtung Sieg bewege. Vor allem zeige sich das in der Region Cherson im Süden. "Die Streitkräfte der Ukraine bewegen sich Schritt für Schritt in dem Gebiet vorwärts", sagte er.

USA: Russen brechen Verpflichtungen

Nach führenden EU-Vertretern übten auch die USA scharfe Kritik an Russland. Nur einen Tag nach der Vereinbarung über die Ausfuhr von ukrainischem Getreide über das Schwarze Meer habe Russland seine Verpflichtungen gebrochen, teilte US-Außenminister Antony Blinken am Samstag (Ortszeit) mit. "Dieser Angriff lässt ernste Zweifel an der Glaubwürdigkeit des russischen Engagements für die gestrige Vereinbarung aufkommen."

Blinken kritisierte, der Beschuss untergrabe die Arbeit der Vereinten Nationen, der Türkei und der Ukraine, um wichtige Nahrungsmittel auf die Weltmärkte zu bringen. Russland trage die Verantwortung für die Verschärfung der weltweiten Nahrungsmittelkrise. Moskau habe der Vereinbarung zur Ausfuhr von Getreide zugestimmt und stehe nun in der Pflicht, sie vollständig umzusetzen.

Selenskyj erklärte in seinem Video zudem, der 150. Kriegstag sei wie viele andere auch gewesen. Neben den Raketenangriffen habe es schwere Gefechte im Donbass und im Gebiet Charkiw gegeben. Dennoch sei auch sichtbar, dass sich die Ukraine in Richtung Sieg bewege. Vor allem zeige sich das in der Region Cherson im Süden. "Die Streitkräfte der Ukraine bewegen sich Schritt für Schritt in dem Gebiet vorwärts", sagte Selenskyj.

Russen wollen in Cherson "Volksabstimmung" abhalten

Russland hatte die südukrainische Region am Schwarzen Meer unmittelbar nach Kriegsbeginn Ende Februar eingenommen. Moskautreue Separatisten dort kündigten zuletzt an, sie wollten eine "Volksabstimmung" für einen Beitritt zu Russland ansetzen. Die Ukraine will das verhindern und das Gebiet auch mithilfe der von den USA und anderen NATO-Staaten gelieferten schweren Waffen zurückerobern.

Zwei US-Bürger sind einem Medienbericht zufolge vor kurzem in der Donbass-Region gestorben. Das berichtete der Sender CNN unter Berufung auf einen Sprecher des US-Außenamtes. Die US-Regierung stehe in Kontakt mit den Familien der Opfer. Details zu den zwei Personen oder den Umständen ihres Todes wurden zunächst nicht bekannt. Etliche US-Amerikaner kämpfen trotz Warnungen ihrer Regierung freiwillig an der Seite der ukrainischen Streitkräfte. Ein US-Bürger war im Mai bei Kämpfen ums Leben gekommen. (APA, dpa, Reuters, AFP)

📽️​ Video | Odessa: Getreideanlagen beschossen

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