Kino

„Memoria“: Ein Rumpeln aus dem Kern der Erde

Jessica (Tilda Swinton) macht sich in „Memoria“ auf die Suche nach ihrem „Urknall“.
© Imago

Innsbruck – Ein dumpfer Knall reißt Jessica (Tilda Swinton) aus dem Schlaf. Eine Ursache für das Geräusch lässt sich in der Wohnung nicht ausmachen. Alles ruhig. Nur in Jessicas Kopf eben nicht. So beginnt „Memoria“, der neue Film des thailändischen Regisseurs Apichatpong Weerasethakul: mit einem seltsamen Geräusch. Jessica begibt sich auf die Spur dieses „Urknalls“.

📽️​ Trailer | Memoria:

In einem Tonstudio soll dieses „Rumpeln aus dem Kern der Erde“ nachgebaut werden. Am Tag darauf erfährt Jessica, dass es den Tontechniker, mit dem sie zart anbandelte, nie gegeben hat. „Memoria“ ist ein buchstäblich unheimlicher Film, verrätselt. Ein typischer Weerasethakul-Film, möchte man sagen. Der inzwischen 51-Jährige zählt seit gut zwei Jahrzehnten zu den Heroen des internationalen Arthouse-Films. 2010 gewann er für „Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben“ in Cannes die Goldene Palme, „Memoria“ erhielt 2021 an der Croisette den Preis der Jury.

Apichatpong Weerasethakul steht für „Slow Cinema“ – mit der Betonung auf „Cinema“. Es geht ihm um das, was Heimkino nicht liefern kann: raumgreifendes Rumpeln zum Beispiel oder immersive Irritation. Die Handlung des Films ist dabei eher nebensächlich. Darauf muss man sich einlassen: Augen und Ohren aufmachen, Hirn einschalten – und genießen. (jole)

🎬 Memoria. Ab 12 Jahren. In Innsbruck: Leokino.

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