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Akademie St. Blasius: Prachtvolle Rarität und Neuschöpfungen

Die Akademie St. Blasius spielte selten und noch nie Gehörtes von Praxmarer, Baur und Widor im Stift Stams.

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Elias Praxmarer, virtuoser Organist von Stift Stams, ist auch ein hochbegabter Komponist.
© Markus Hauser

Stams – In den Genuss einer Aufführung mit einem Werk des französischen Komponisten Charles-Marie Widor (1844–1937) zu kommen, fällt in die Kategorie der Raritäten. Als Erfinder der so genannten „Sinfonie für Orgel solo“ war der gesellschaftlich bestens verknüpfte Mann eine Institution der Pariser Musikszene. Noch heute ist er Inbegriff für die französische Orgelmusik im 19. Jahrhundert. Einmal mehr war es das Orchester der Akademie St. Blasius unter der Leitung des so entdeckungsfreudigen Karlheinz Siessl, welches mit Widors Sinfonie Nr. 3 e-Moll für Orgel und Orchester op. 69 in einer Kooperation mit „stift stams sakral – Festival Orgel Plus“ am Samstagabend im Stift Stams aufwartete. Zum selten zu Hörenden gesellten sich zwei Uraufführungen: Elias Praxmarer (Jahrgang 1994), seit vier Jahren Organist im Stift Stams, präsentierte sein Konzert für Orgel, Streicher und Schlagwerk Lux Extendens, das durch das Große Hilde-Zach-Kompositionsstipendium 2021 ermöglicht wurde. Auch ein Karlheinz Siessl gewidmetes Werk von Franz Baur, Professor für Komposition und Musiktheorie am Tiroler Landeskonservatorium und Mozarteum, mit dem Titel Pandora für großes Orchester erklang am Samstag erstmals vor Publikum.

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Lux Extendens, mit Praxmarer an der Rieger-Orgel, eröffnete den Abend wahrlich lichtdurchflutet. Über Haltetöne der Orgel entwickeln sich mit Feinheit und Sorgfalt austarierte, sich sukzessiv steigernde Klangkonstellationen, ebenso behutsam zur Stille zurückkehrend. Eine Impuls gebende, virtuose Orgel entführte in Klangräume voller magischer Momente. Franz Baur öffnete die Büchse seiner Pandora mit einem ohrenbetäubenden Knall und ließ diesem eine Salve von Kanonendonnern folgen. Über neun Stimmungsbilder beschreibt er den Zustand dieser Welt – und er schließt sie nicht, die Büchse. Baurs Musik ist kein abstraktes Klangspiel, sie löst Empfindungen aus und öffnet geistige Welten. Selbst bei subtilen spätromantischen Anknüpfungspunkten ist sie nie epigonal.

Für Widors Orgelsinfonie saß ein formidabler Michael Schöch an der Orgel. Dass die auf den Kathedral-Orgeln von Orléans oder Rouen häufig gespielten Widor-Werke auch im Stift Stams sensationell gut klingen, dafür zeichnete er allerdings nicht allein verantwortlich. Die Akademie St. Blasius zeigt sich von der allerbesten Seite: packend, entschlossen, zutiefst feinfühlig. (hau)


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